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DRK-Mitarbeiter fühlen sich fallen gelassen

Erstaufnahme Döbeln: DRK-Mitarbeiter fühlen sich fallen gelassen

Die Helfer fühlen sich gerade fallengelassen.“ So definiert eine der 40 Mitarbeiterinnen der Döbelner Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) die aktuelle Situation. Die erst Anfang November im ehemaligen Autoliv-Werk aus dem Boden gestampfte Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaates Sachsen für Flüchtlinge wird zum 30. Juni geschlossen.

Erst zum 1. November hatte das DRK die Mitarbeiter für die Erstaufnahme eingestellt. Nun werden die bis Ende 2016 laufenden Verträge vorzeitig beendet.

Quelle: Uwe Reinwardt

Döbeln. Die Helfer fühlen sich gerade fallengelassen.“ So definiert eine der 40 Mitarbeiterinnen der Döbelner Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) die aktuelle Situation. Die erst Anfang November im ehemaligen Autoliv-Werk aus dem Boden gestampfte Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaates Sachsen für Flüchtlinge wird zum 30. Juni geschlossen.

Die erst seit 1. November neu eingestellten Mitarbeiter, welche die bis zu 650 Flüchtlinge in der Döbelner Erstaufnahme betreut, medizinisch versorgt und begleitet haben, wurden zum 30. Mai und zum 30. Juni gekündigt. Für sie bricht eine Welt zusammen. Mancher hat in der sozialen Betreuung der Flüchtlinge eine neue Perspektive gefunden. Einige sind dem Hartz IV entronnen. Andere haben ihre Jobs gekündigt, um zum DRK Muldental in die Döbelner Erstaufnahmeeinrichtung zu wechseln. Denn die Bezahlung war recht gut. Einige zogen sogar extra nach Döbeln um. „Beim DRK haben wir Perspektiven gesehen, auch wenn wir zweckbefristete Verträge als Mitarbeiter der Notunterkunft unterzeichnet haben“, schildert eine Krankenschwester.

Im Jahr 2015 musste das DRK in Sachsen in einer ad hoc Situation viele neue Stellen schaffen. Denn schafften es anfangs noch ehrenamtliche Strukturen, so war schnell klar, dass diese Mammutaufgabe belastbare Strukturen mit festen Mitarbeitern im Schichtbetrieb brauchte. Bis März 2016 wurden durch das DRK in Sachsen 51 500 Flüchtlinge betreut. Dann ebbte der Flüchtlingsstrom ab. Deshalb schloss der Freistaat Sachsen zügig die ersten Notunterkünfte für Flüchtlinge. Von der Schließung ihrer Einrichtung erfuhren die Mitarbeiter in Döbeln aus der Presse. Dann gab es eine Belegschaftsversammlung. Was sie bei ihrem Arbeitgeber vermissen, sind die Versuche, die engagierten Leute irgendwie innerhalb der Strukturen des DRK weiter zu beschäftigen. „Wir sind ein tolles, einsatzbereites Team geworden, haben Erfahrungen eingebracht, Überstunden geschoben und viel gelernt. Ich kann nicht glauben, dass es nicht innerhalb des DRK wenigstens für einige von uns weitere Beschäftigung gibt“, ärgert sich eine Mitarbeiterin. Auch gäbe es beim Thema Integration viele neue Aufgaben, für die Förderanträge gestellt werden könnten und für die das erfahrene Personal der Erstaufnahme Döbeln geeignet wäre. „Aus den Helfern werden jetzt stattdessen selbst teilweise Hilfsbedürftige“, sagt eine Kollegin traurig. Sie muss nach einem halben Jahr wieder ins Hartz IV wechseln. Einer anderen Mitarbeiterin fehlen noch fünf Monate bis zur Rente.

„Die geschlossenen Arbeitsverträge waren sachgrundbefristet und projektbezogen. Das liegt an den unklaren Prognosen und wurde auch immer so dargestellt“, erklärt dazu Kai Kranich, Pressesprecher des DRK in Sachsen. „Die Mitarbeiter gingen trotzdem hochmotiviert und engagiert ihren Tätigkeiten nach. Ihnen wurden während des Betriebes der Erstaufnahme auch Weiterbildungen mit Zertifikaten angeboten. Die Meisten nutzte diese Entwicklungschance.“ Geschäftsführerin Bettina Belkner von der DRK humanitäre Nothilfe im Muldental gGmbH habe in dieser Woche Gespräche geführt und Weiterbildungsangebote unterbreitet. „Aktuell soll das Seminar Deeskalation starten, um ein weiteres Zertifikat mitgeben zu können“, schildert Kai Kranich. Zwei der Führungskräfte sind im Kreisverband angestellt worden. Fünf Mitarbeiter wechseln in Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Asylbewerber. Dort wird ihnen eine Erzieherausbildung nahegelegt, die berufsbegleitend im DRK Bildungswerk Sachsen denkbar sei. Des Weiteren biete der Kreisverband Muldental den Einsatz im ambulanten Pflegebereich an. Kranich verweist aber auf die Eigenständigkeit der Kreisverbände. Ein Wechsel in Tochtergesellschaften anderer Kreisverbände sei deshalb schwierig. Richtig ist aber, dass auch andere Kreisverbände ehemaligen Mitarbeitern aus den EAEs, Perspektiven in den DRK-Strukturen aufzeigen konnten. Einsatzfelder umfassen die gesamte Tätigkeit des DRK: Pflege, Erzieher, Soziale Dienste und Rettungsdienst. Voraussetzung hier sind aber immer entsprechende Qualifikationen.

Von Thomas Sparrer

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