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Darioush Shirvani spielt persisches Hackbrett und erzählt von seiner Flucht aus dem Iran

Kunst in Roßwein Darioush Shirvani spielt persisches Hackbrett und erzählt von seiner Flucht aus dem Iran

Mit Darioush Shirvani ist am Wochenende ein außergewöhnlicher Künstler und Filmemacher in Roßwein zu Gast. Der 53-Jährige musste aus politischen Gründen 1985 aus dem Iran fliehen und lebt seit dem in Deutschland, jetzt in München. Am Freitag gibt er ein Konzert im Rathaussaal, am Sonnabend im Gemeindehaus am Schuldurchgang.

Mit Kontrabassisten Stephan Lanius führt Darioush Shirvani das Konzert „Reise in das Paradies“ auf.

Quelle: privat

Rosswein. Mit Darioush Shirvani ist am Wochenende ein außergewöhnlicher Künstler und Filmemacher in Roßwein zu Gast. Der 53-Jährige musste aus politischen Gründen 1985 aus dem Iran fliehen und lebt seit dem in Deutschland, jetzt in München. Am Freitag gibt er ein Konzert im Rathaussaal, am Sonnabend im Gemeindehaus am Schuldurchgang.

Darioush Shirvani ist in der Stadt Shiraz im Iran geboren, wo er bereits im Alter von 14 Jahren die Musikhochschule besuchte und Unterricht in Musiktheorie, Violine und Santoor – der orientalischen Variante des europäischen Hackbrettes – erhielt. Ausgehend von der traditionellen persischen Musik komponierte er schon bald selbst einfache Stücke.

Als politischer Gegner des autoritären Regimes floh Shirvani als junger Mann aus seiner Heimat und fand in Deutschland Asyl. „Die politische Situation im Iran ist seit dem nicht besser geworden. Die Menschenrechtslage ist nach wie vor gravierend. Auch unter Präsident Rohani gibt es tausende Hinrichtungen. Im Iran herrscht keine Freiheit“, erklärt Shirvani, weshalb er nicht zurück kann.

Selbst Flüchtling gewesen und in Todesangst gelebt, kann der Künstler die Situation der Menschen, die heute auf der Flucht vor Krieg und politischer Verfolgung sind, gut nachvollziehen. „Kein Mensch verlässt unter diesen Umständen seine Heimat freiwillig. Er wird dazu gezwungen, er fürchtet um sein Leben, es ist ein großer Schritt, in der Hoffnung, dass etwas Besseres kommt.“

Der Filmemacher, der schon drei Werke über Flüchtlinge gedreht hat und gerade an einem neuen, halb dokumentarischen Film arbeitet, kann nicht bestätigen, dass die Flüchtlinge in Deutschland unzufrieden sind, dass sie sich ständig beschweren würden über Unterbringung, Essen, mangelnde Betreuung. Shirvani: „Diese Kritik kenne ich nicht.“ Asylsuchende seien in erster Linie froh, wenn sie in Sicherheit kommen, ihr Leben nicht mehr bedroht ist. So ergehe es auch den Menschen, die in Deutschland ankommen, angekommen sind. Es gebe aber die große Frage der Zukunft, die sich die Flüchtlinge stellen: Was wird aus uns? „Wer länger als vier, fünf Jahre hier ist, der möchte unabhängig leben vom Heim. Es braucht dafür einen Plan und der muss schon im Kindergarten beginnen. Dann sind diese Menschen eine große Bereicherung für die Gesellschaft.“

Die anstehenden Konzert-Auftritte des iranstämmige Musikers sind über die persönliche Bekanntschaft zum Roßweiner Andreas Englmüller zustande gekommen. Shirvani kennt die Situation, dass es in der Stadt Flüchtlingsgegner gibt, aber auch eine breite Willkommenskultur, vor allem getragen von einem Bündnis. „Wir spielen in Roßwein, weil es diese freundliche Seite gibt, weil wir diese unterstützen wollen“, sagt der Musiker.

Beim morgigen Konzert um 19 Uhr im Rathaussaal Roßwein spielt Darioush Shirvani eigene und traditionelle persische Musik auf der Violine und der Santoor. Am Sonnabend führt er ab 19 Uhr zusammen mit dem Kontrabassisten Stephan Lanius im Gemeindehaus am Schuldurchgang das Stück „Reise in das Paradies“ auf, in dem Shirvani seine Fluchterlebnisse verarbeitet. Dieses Konzert bildet den Abschluss des diesjährigen Sommerfestes der Roßweiner Kirchgemeinde. Beide Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei, ein Unkostenbeitrag ist erwünscht. Der Künstler: „Nach den Konzerten möchten wir gern mit den Besuchern ins Gespräch kommen.“

Von Olaf Büchel

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