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Darlehen soll Ärzte nach Hochweitzschen locken

Fachkrankenhaus Bethanien fördert Medizinstudenten aus der Region Darlehen soll Ärzte nach Hochweitzschen locken

Weil die Auslastung weiter steigt und kaum Ärzte dauerhaft für das Fachkrankenhaus Bethanien in Hochweitzschen zu finden sind, legt die Geschäftsleitung ab sofort ein Darlehen für Medizinstudenten aus der Region auf. Wer nach dem Studium die Facharztausbildung hier absolviert, darf das Geld behalten.

Den neuen Fitnessraum im Fachkrankenhaus Bethanien können Petra Hundrieser, Dirk Herrmann, Rudolf Lehle, Sebastian Lange und Michael Veihelmann (v.l.) aus Zeitgründen nur selten nutzen.

Quelle: Sebastian Fink

Hochweitzschen. Der Ärztemangel ist und bleibt die größte Sorge von Chefarzt Dr. Rudolf Lehle am Fachkrankenhaus Bethanien in Hochweitzschen. „Der Standort ist maximal attraktiv, es hat nur noch nicht Jeder bemerkt“, sagte er scherzhaft anlässlich einer Medienrunde zum Ausblick auf das Jahr in der psychiatrischen Fachklinik, um ernsthaft hinzuzufügen: „Die Studenten studieren in einer Universitätsstadt, wo sie sich soziale Bindungen schaffen, die sie nicht so gern wieder aufgeben wollen. Dazu herrscht ein genereller Ärztemangel im Land und es gibt Fächer, die mehr Studenten ansprechen als die Psychiatrie.“

Um zumindest Medizinstudenten in dieser Fachrichtung, die aus der Region rund um die Klinik stammen, zurück in die Heimat zu locken, haben Lehle und die Geschäftsführung des Hauses ein Darlehen aufgelegt, das ab sofort vergeben werden kann. „Wir zahlen ab dem ersten Semester für die Dauer des Studiums 300 Euro pro Monat. Das gilt auch für Quereinsteiger, die schon im höheren Semester sind“, erklärte der kaufmännische Geschäftsführer Dirk Herrmann. Wer das Darlehen in Anspruch nimmt, kann es durch die fünfjährige Facharztausbildung im Fachkrankenhaus Hochweitzschen erlassen bekommen. Wer die Ausbildung nicht dort antritt oder vorzeitig beendet muss es teilweise oder ganz zurückzahlen.

Das Angebot richtet sich bewusst an Studenten aus der Region Döbeln, um sie langfristig wieder hier zu binden. Geplant sind zunächst zwei Darlehen pro Jahr. „Wenn wir mehr Bewerber hätten, wären das Probleme, die ich gern hätte“, sagte Lehle. Derzeit hat er 15 Ärzte zur Verfügung, von denen allerdings nur ein Teil fest in Hochweitzschen beschäftigt ist, während viele nur zur Weiterbildung und damit für einen absehbaren Zeitraum in der Klinik bleiben.

Zu tun gäbe es für zusätzliche Ärzte genug. 1500 stationär aufgenommene Patienten gab es 2016 in der Klinik und damit in etwa so viele wie im Jahr davor. Allerdings ist die Verweildauer um 500 auf insgesamt 43 200 Tage gestiegen – macht im Durchschnitt rund 29 pro Patient. Dass die Auslastung nicht über 97 Prozent gestiegen ist, liegt auch an der Aufstockung der Bettenanzahl auf 121 im Vorjahr. „Wir gehen davon aus, dass wir auch 2017 wieder eine ähnliche Belegung haben werden“, sagte Herrmann, der sich ausdrücklich für die geleistete Arbeit bei der gesamten Mannschaft der Klinik bedankte. Ein 2016 eingerichteter Fitnessraum sowie die Fortsetzung der betrieblichen Gesundheitstage auch in diesem Jahr sollen das Arbeitsklima positiv halten.

Die Tendenz bei den Krankheitszahlen sei weiter steigend, erklärte Lehle. Mehr Demenzfälle, mehr Drogensüchtige seien zu verzeichnen. „Zudem steigt die Akzeptanz für psychische Krankheiten wie Burnout, Depression oder Angstzustände. Man geniert sich weniger, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagte Lehle. Um die Erfolgsquote beim Suchtentzug zu erhöhen, soll das im Mai 2016 gestartete Projekt Zwischenstopp in Bockelwitz dauerhaft verlängert werden. Hier werden Süchtige für die Zeit zwischen dem vierwöchigen Entzug und der 24-wöchigen Entwöhnung von Drogen und Alkohol ferngehalten.

Von Sebastian Fink

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