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Darüber streiten in Sachsen die Gegner und Befürworter der Windenergie

Pro und Contra Windkraft Darüber streiten in Sachsen die Gegner und Befürworter der Windenergie

Michael Eilenberger vom Landesverband Landschaftsschutz ist erklärter Gegner der Windkraft. Michael Biesold, technischer Leiter einer Windanlagenfirma, setzt auf die erneuerbare Energie. Über diese Punkte streiten die Windkraftbefürworter – und ihre gegner.

Windräder sind eine Zumutung für Menschen und Tiere, sagen ihre Gegner.

Quelle: Gina Apitz

Gleisberg. Michael Eilenberger vertritt 52 Bürgerinitiativen vom Vogtland bis ins Erzgebirge, die sich gegen die „Spargelstangen“ aussprechen. Mindestens 50.000 Menschen wehrten sich in Sachsen gegen die Invasion der Windräder, die die Landschaft verschandeln, behauptet der 45-Jährige. Besonders schick findet Michael Biesold Windräder auch nicht. Trotzdem befürwortet der technische Leiter der Firma CSO-Energy, die in Deutschland 300 Windkraftanlagen betreibt, die Technologie. Der 34-Jährige wohnt selbst nur zwei Kilometer von einem Windrad entfernt und kommt damit gut zurecht. Bei diesen Themen sind Eilenberger und Biesold unterschiedlicher Ansicht:

Michael Eilenberger will Windräder in Sachsen verhindern

Michael Eilenberger will Windräder in Sachsen verhindern.

Quelle: privat

1. Effektivität

Der Gegner : Windräder nehmen enorm viel Fläche in Anspruch, die der Landwirtschaft fehlen, sagt Michael Eilenberger. Die Ausbeute an Strom sei demgegenüber gering. Bei einem Tagebau, der auch Fläche frisst, sei der Ertrag wesentlich effektiver. Das Ziel des Freistaats Sachsen 2020 ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, sei utopisch.

Der Befürworter: Energetisch lohne sich Windenergie um ein Vielfaches mehr als etwa Photovoltaik, sagt dagegen Michael Biesold. „Dabei gilt es besonders die energetische und ökologische Gesamtbilanz zu berücksichtigen.“ Im Schnitt besitze eine moderne Anlage eine Leistung von drei Megawatt und produziere damit soviel Strom, wie ein Durchschnittshaushalt pro Jahr benötigt. Wirtschaftlich rechne sich ein Windrad bereits nach zehn Jahren. Ein Teil der Gewerbesteuer fließe dann in die Gemeinde, auf deren Land die Windkraftanlage steht, betont Biesold. Der Ort profitiere somit direkt von der Windenergie.

2. Naturschutz

Der Gegner: „185 000 Vögel und 250 000 Fledermäuse werden pro Jahr in Deutschland durch die Flügel von Windrädern getötet“, sagt Michael Eilenberger. In einigen Gegenden sei die Mäusebussardpopulation schon rückläufig, behauptet er. „Windräder sind eine Zumutung für Menschen und Tiere.“

Der Befürworter : Vögel und Fledermäuse im Rotor? Michael Biesold winkt ab. Bei jedem größeren Windpark werden inzwischen zweijährige Fledermausmonitorings durchgeführt, so der Techniker. Stelle sich heraus, dass die Tiere gestört werden, gehen die Windräder vom Netz. „Auf Naturschutz wird extrem geachtet.“ Was kaum jemand wisse: Für jedes Windrad sind Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben, um die Natur zu regenerieren, Baumpflanzungen etwa.

3. Lautstärke

Der Gegner : Da es in Sachsen keine feste Regelung gibt, was den Mindestabstand der Windräder betrifft, stünden einige ziemlich dicht am nächsten Dorf, findet Landschaftsschützer Eilenberger. „Die Lärmbelästigung ist enorm.“ Neben dem wahrnehmbaren Rotorgeräusch, werde das Innenrohr permanent in Schwingung versetzt. Das sei Stress für den Körper und schränke die Lebensqualität der Anwohner ein. In einem dicht besiedelten Bundesland wie Sachsen mit 220 Einwohnern pro Quadratkilometer könne man eben nicht so viele Windräder bauen.

Ist ein Fan der Windkraft

Ist ein Fan der Windkraft: Michael Biesold

Quelle: privat

Der Befürworter : Die Rotorblätter der großen Anlagen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern Höhe drehten deutlich langsamer und somit leiser,als die der kleineren Windräder, weiß Techniker Biesold. Laut werde es nur, wenn eine Anlage defekt sei. „Dann kann es vorkommen, dass sie weit gehört wird.“ Normalerweise aber sei das Geräusch nicht lauter als natürliche Nebengeräusche wie das Rascheln von Blättern im Wind, findet Biesold. Und: „Wenn es windstill ist, dreht auch das Windrad nicht.“

4. Alternativen

Der Gegner: Ist Windkraft nicht besser als Kohle, weil sauberer? Michael Eilenberger sagt, die Energieträger seien nicht miteinander vergleichbar. Auf Braunkohle könne schließlich auch in Zukunft nicht verzichtet werden. „Wir brauchen Strom jeden Tag, nicht nur, wenn der Wind weht.“ Eine echte Alternative zur Windkraft hat er nicht im Petto. „Ich bin kein Fan von Atomenergie“, sagt Eilenberger, plädiert aber dafür, den Atommüll energetisch weiterzuverarbeiten, wie es andere Länder, allen voran die USA, schon längst tun.

Der Befürworter : Alternativen zum Windrad? „Keiner will Biogasanlagen oder Müllverbrennungsanlagen vor der Haustür“, sagt Michael Biesold. Atomstrom sei zwar frei von Emissionen, dafür bleibe hochgiftiger Müll übrig. Während selbst Solarzellen aufwendig als Sondermüll entsorgt werden müssen, könne eine Windkraftanlage mit einer Lebensdauer von etwa 25 Jahren fast vollständig recycelt werden, betont der Experte.

Wie viele Windräder sind für Mittelsachsen in Zukunft geplant? Der zuständige Planungsverband gibt Auskunft.

Von Gina Apitz

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