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Döbeln Das Eisenbahnkind vom Ulrichsberg
Region Döbeln Das Eisenbahnkind vom Ulrichsberg
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22:40 28.08.2013
Lebendige Bahn-Erinnerung: Siegfried Grüttner erzählt aus dem Leben an der Eisenbahn in Ulrichsberg. Quelle: Sven Bartsch

Siegfried Grüttner hat seine Kindheit und Jugend am Bahnübergang Unterer Ulrichsberg verbracht. Seine Mutter Hildegard ließ die Schranke herunter und kurbelte sie wieder hoch, wenn der Zug durchgefahren war. Das neuerdings denkmalgeschützte Postenhäuschen 59 war ihr Arbeitsplatz. Bis in den 1970er Jahren, so Siegfried Grüttner, eine automatische Schrankenanlage am Bahnübergang in Dienst trat. "Seitdem arbeitete meine Mutter an der Fahrkarte auf dem Bahnhof Roßwein und ärgerte sich über die Ingenieurschüler", erzählt der 67Jährige. Immer auf den letzten Drücker und meist mit zuwenig Geld seien die Studenten an den Schalter getreten, um ihr Heimfahrticket zu lösen. "Oft musste meine Mutter drauflegen, damit die Kasse am Ende stimmte", berichtet Siegfried Grüttner, der jetzt in Döbeln lebt.

Er ist ein richtiges Eisenbahnkind. Sein Vater Adolf arbeitete als Bahnhofshelfer in Roßwein, die Mutter stand an der Schranke und verkaufte später Fahrkarten. Siegfried Grüttner zog es jedoch nicht zur Bahn. Er arbeitete als Elektrikerin der Kartonfabrik Grunau und nach der Wende in unterschiedlichen Jobs. Bis zur Rente räumte er den Müll in der Region bei der Entsorgungsgesellschaft Döbeln auf, schleppte Gelbe Säcke, entleerte Mülltonnen- und Kübel. Eine Arbeit, die auf die Knochen ging. An das kleine Haus an der Bahn erinnert Siegfried Grüttner unter anderem ein schwarz-weiß-Foto. Es zeigt eine kräftige, stattliche Frau in der Uniform der Deutschen Reichsbahn an der Schrankenkurbel. Hildegard Grüttner hatte viel zu tun in ihrer Zeit als Schrankenwärterin. "Nachts fuhren die Güterzüge, 15 bis 20 Stück. Und morgens ab sechs Uhr die Personenzüge", erinnert sich Siegfried Grüttner. Zu ihren Dienstpflichten gehörte es auch, die Petroleumbeleuchtung des Vorsignals für den Bahnhof Niederstriegis zu betreuen. Der rege Schienenverkehr verdeutlicht, wie wichtig die Eisenbahn als Transportmittel war, für Menschen und Material. Und welch vielfältige Industrielandschaft sich in Roßwein einst entfaltete. Heute wirkt die Strecke dagegen recht verschlafen. Aller zwei Stunden fährt die Regionalbahn, die nach dem Willen des Verkehrsverbundes Oberelbe ab 2015 gar nicht mehr fahren soll.

"Verschlafen" ist auch das richtige Stichwort für eine weitere Anekdote, die Siegfried Grüttner als Eisenbahnkind erlebte: "Es gab da mal eine Aushilfskraft an der Schranke. Der hat den Zug verschlafen. Wir Kinder haben dann die Schranke heruntergelassen." Geschlafen hat Siegfried Küttner selbst einmal im Postenhäuschen 59, wo eigentlich nur ein Tisch, zwei Stühle und ein Telefon standen. "Das war zu meiner Jugendweihe, da wollte ich meine Ruhe haben", erzählt er. Der Lärm der durchfahrenden Züge störten ihn als Bahnanwohner da schon lange nicht mehr.

Dirk Wurzel

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