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Das Geheimnis vom Dachboden führt nach Frankreich

Von Beicha nach Verdun Das Geheimnis vom Dachboden führt nach Frankreich

900 Kilometer entfernt von seinem Heimatdorf liegt das Grab von Hugo Funke. Vor 100 Jahren starb der 19-jährige Maurer aus Dreißig im Ersten Weltkrieg im französischen Dörfchen Ornes bei der Schlacht um Verdun. Jetzt bekam das Soldatengrab des jungen Mannes auf dem Soldatenfriedhof von Azannas I vermutlich zum ersten Mal Besuch aus der Heimat.

Reiner Geßner (67) und Helene Funke (93) mit dem Gemälde vom Grab des gefallenen jungen Mannes, dass sich auf Helene Funkes Dachboden fand.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln/Beicha. 900 Kilometer entfernt von seinem Heimatdorf liegt das Grab von Hugo Funke. Vor 100 Jahren starb der 19-jährige Maurer aus Dreißig im Ersten Weltkrieg im französischen Dörfchen Ornes bei der Schlacht um Verdun. Jetzt bekam das Soldatengrab des jungen Mannes auf dem Soldatenfriedhof von Azannas I vermutlich zum ersten Mal Besuch aus der Heimat. Der Beichaer Ortschronist Reiner Geßner hatte alles daran gesetzt, am 100. Todestag von Hugo Funke das Grab mit ein paar Blümchen und etwas Heimaterde aus dem Grundstück um das frühere Wohnhaus des jungen Soldaten zu besuchen. „Es war ein besonderer Moment, Geschichte, die man selbst nicht erlebt hat, so intensiv wahrzunehmen“, sagt Reiner Geßner.

Angefangen hat alles mit einem Schwatz über den Gartenzaun. Mit Helene Funke in Beicha führt Reiner Geßner viele Gespräch. Man sah gemeinsam alte Fotos vom Dorf an. Und die 93-Jährige erkennt bis heute noch ganz ohne Brille, die Menschen des Dorfes. Eines Tages berichtete sie von einem Gemälde, das sie auf dem Boden ihres kleinen Wohnhaus in Beicha fand. Das Bild zeigt ein Grabkreuz. Darauf steht: Kanonier Hugo Funke, geboren 14.11. 1896, gefallen 11. 5. 1916, 4. Batterie, Fußartillerie Regiment 12“. Die Geschichte hinter dem Bild reizte den geschichtsinteressierten 67-Jährigen. Helene Funke weiß nicht genau in welchem Verwandtschaftsverhältnis ihr vor sieben Jahren verstorbener Mann Gerhard und der 1916 gefallene Hugo Funke standen. Doch, dass das Gemälde auf ihrem Dachboden lag, hat ganz offensichtlich eine Bewandtnis. Gemalt hat es vermutlich ein Kriegskamerad des Gefallenen. Reiner Geßner forschte beim Bund deutscher Kriegsgräberfürsorge nach dem genauen Standort des Grabes und startete im Mai zu einer einwöchigen Reise nach Verdun in Frankreich. Er befragte Leute vor Ort und es gelang ihm, am 11. Mai, dem 100. Todestag des jungen Mannes an seinem Grab zu stehen. Reiner Geßner besuchte die Gedenkstätten zur Schlacht um Verdun. „Es muss die Hölle gewesen sein“, sagt er erschüttert. In der Krypta des Heldendenkmals findet er schließlich den Namen Hugo Funkes auf einer Gräberliste, die tausende Tote auf allen Seiten auflistet.

Auf dem Kriegerdenkmal an der Beichaer Kirche stehen neben Hugo Funkes Namen noch 24 weitere Gefallene aus den umliegenden Ortschaften der Kirchgemeinde Beicha. „Wenn man bedenkt, dass Beicha und umliegende Orte damals etwa 500 Einwohner zählten, sind 25 gefallene junge Männer eine unheimlich große Zahl. Zumal einige Familien sogar zwei, eine sogar drei Söhne im ersten Weltkrieg verloren haben“, ist Geßner erschüttert. Das Gemälde von Hugo Funkes Grab soll jetzt in die kleine schon vorhandene Bilder und Fotoausstellung im Beichaer Kirchturm Eingang finden.

Von Thomas Sparrer

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