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Döbeln Das Käse-Urgestein auf dem Döbelner Wochenmarkt
Region Döbeln Das Käse-Urgestein auf dem Döbelner Wochenmarkt
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14:47 13.09.2018
Hans Kirschbaum präsentiert Kerstin Schönberg einen Käsespezialität. Quelle: Fotograf Sven Bartsch
Döbeln

„Ohne Käse hat das Leben keinen Zweck“ lautet verkürzt das Motto, das an dem weiß-grünen Stand mit der markanten Aufschrift „Der Käse“ prangt – und keiner lebt dieses Motto so sehr wie der Mann im Inneren, Hans Kirschbaum, der seit über zwanzig Jahren hinterm Tresen steht.

Käsespezialitäten Quelle: Sven Bartsch

Die Käsespezialitäten der Familie Kirschbaum aus Roßwein sind eine Institution in der Region. Seit 1992 rollen ihre Stände auf neun Wochenmärkte im Umland, seit 1995 geht es jeden Mittwoch nach Döbeln. Normalerweise verkauft hier Kirschbaums Sohn Christoph, der das Geschäft seit einigen Jahren führt. Weil der Filius derzeit urlaubt, hilft der Senior aus. Und so traute so mancher seinen Augen nicht, als der 68-Jährige am vergangenen Mittwoch freundlich aus seinem Wagen grüßte. „Was, Sie arbeiten noch hier?”, fragt eine Kundin erstaunt.

2005 Laden geschlossen

Viele kennen nicht nur die Marktstände der Kirschbaums, sondern auch den Lebensmittel- und Feinkostladen der Familie, den Hans Kirschbaum Anfang der Achtzigerjahre von seinem Vater übernahm. 2005 wurde der Laden geschlossen – aber noch heute schauen auf dem Markt Kunden vorbei, die das Geschäft aus Roßwein kennen. „Für schöne delikate Sachen war das damals die Adresse“, schwärmt eine langjährige Kundin.

Delikatessen sind noch immer die Spezialität der Kirschbaums – heute eben hauptsächlich käsige Delikatessen. Vor Kirschbaum Senior erstreckt sich ein Meer aus Käse in allen Formen und Größen, zum Schnitt oder zum Schmieren, gelocht und ungelocht, von Schweizer Hornkuhkäse über Espressokäse bis zu Sahnequark aus Frankreich.

Milcherzeugnisse Quelle: Sven Bartsch

Immer wieder holt Hans Kirschbaum eines der Viertel hervor, setzt seine Brille auf und schneidet für die Kunden kleine Stücke zum Probieren ab. „Mmmh, das schmeckt aber“, heißt es dann oft.

Von der Masse abheben

„Man muss sich abheben von der Masse – sonst ist man nur einer von vielen“, erklärt Kirschbaum Senior mit Blick auf seine Theke, die 2011 vom Fachmagazin Feinschmecker als eine der besten Deutschlands ausgezeichnet wurde.

Vorsichtig reicht er mit der Klinge ein weiteres Stück herunter. „Hier hab ich einen schönen Bergkristall, die Reifekristalle schmecken Sie sogar.“ Tatsächlich knistert es beim Kauen. Auf dem exklusiv für das Geschäft der Kirschbaums hergestelltem Käserad ist das Gesicht von Sonja, Hans Kirschbaums Schwester, abgebildet.

Sohn Christoph übernimmt

1978 eröffnete Sonja Kirschbaum im Westen einen Käsehandel, und wann immer Hans Kirschbaum sie besuchen kam, half er in ihrem Geschäft mit. „Schon damals wusste ich, der Tag wird kommen, an dem ich einmal ins Käsegeschäft einsteige.“

Sein Sohn Christoph hat den Betrieb mittlerweile ausgebaut. Es werden Weinabende veranstaltet, es gibt Präsentkörbe, Buffetangebote und einen Versandhandel. Das Kerngeschäft findet aber nach wie vor auf den Wochenmärkten statt, wo die Beratung der Familie seit eh und je gefragt ist.

Käse soll nicht stinken

„Manch einer bittet zum Beispiel darum, dass der Käse nicht so stinken darf, weil er verschenkt werden soll“, erzählt Kirschbaum Senior mit einem Schmunzeln. „Das ist aber teilweise ein Qualitätsmerkmal von gutem Käse, der ist eben frisch und schwitzt nicht unter einer Folie“, erklärt er. „Öffnen Sie mal einen frischen Büffelcamembert – was denken Sie, was da losgeht.“

Wie auch seine Kundschaft schätzt der Käsehändler den persönlichen Kontakt auf dem Wochenmarkt. „Hier gibt es nette, freundliche Menschen und immer ein gutes Gespräch.“ Kirschbaum kennt seine Kunden – und die Kunden kennen Kirschbaum. So erkundigt er sich beispielsweise nach der Gesundheit des Gatten; andersrum weiß auch die Käuferin, wo es beim Beinahe-Rentner manchmal zwickt.

Guten Käse aufspüren

Zwar habe er sich vom Stammgeschäft ein „bissel zurückgezogen“, wie Hans Kirschbaum sagt. Seinen Ehrgeiz, guten Käse aufzuspüren und anzubieten, hat er aber nicht verloren. „Man muss sich ständig weiterbilden – wir besuchen Fachvorträge und Käsereien, zum Beispiel im Allgäu.“

Und weitermachen will der gebürtige Sachse sowieso „so lange es eben nicht mehr geht.“ Bis dahin ist er immer für einen Überraschungsbesuch auf dem Döbelner Wochenmarkt gut.

Von Maximilian König

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