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Das Landgericht verhandelt: Vermögensberater aus Hartha soll Unterschriften gefälscht haben

Justiz Das Landgericht verhandelt: Vermögensberater aus Hartha soll Unterschriften gefälscht haben

Ein Vermögensberater aus der Region Hartha soll die Unterschrift einer Kundin nachgemacht haben, um einen Vertragabschluss vorzugaukeln. Das Amtsgericht Döbeln sah das als erwiesen an und verurteilte den Mann wegen Urkundenfälschung zu 5000 Euro Geldstrafe. In der zweiten Instanz am Landgericht Chemnitz kam er nun besser weg.

Das Landgericht Chemnitz verhandelte in zweiter Instanz gegen einen Vermögensberater aus der Region Hartha, der eine Unterschrift gefälscht haben soll.

Quelle: picture alliance / dpa

Hartha/Chemnitz. Ein Vermögensberater aus der Region Hartha ist im Landgericht Chemnitz mit einem blauen Auge aus seinem Strafverfahren herausgekommen. Im November 2016 hatte ihn Strafrichterin Magdalena Richter im Amtsgericht Döbeln wegen Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 50 Euro verurteilt. Die Richterin sah es als erwiesen an, dass der Mann die Unterschrift einer Kundin auf einem Vertrag für ein Anlageprodukt nachgemacht hatte, um so einen Vertragsabschluss vorzutäuschen. Die Entscheidung der 7. Kleinen Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz stellt den Mann im Berufungsprozess nun in zweifacher Hinsicht besser, wie eine Anfrage bei Marika Lang ergab. Die Richterin am Landgericht Chemnitz ist dessen Pressesprecherin. Erstens bleibt ihm eine Vorstrafe erspart. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Frank Schmidt stellte das Verfahren per Beschluss wegen geringer Schuld gegen die Zahlung einer Geldauflage ein. Wenn der Vermögensberater bis Monatsende 3000 Euro an „Brot für die Welt“ bezahlt, ist die Sache für ihn ausgestanden. Ohne Urteil mit Schuldspruch gilt er in dieser Angelegenheit zudem weiterhin als unschuldig. Zweitens kommt er mit der Geldauflage um 2000 Euro günstiger, als mit der 5000-Euro-Geldstrafe.

Belastende Kurznachrichten

In manchen Gegenden Deutschlands ist die Grüne Tonne ein Gebinde für speziellen Müll, wie Verpackungen, Alufolien und Plastezeug. Bei einem großen deutschen Finanzdienstleister ist die Grüne Tonne dagegen ein Geldanlage-Produkt. Die Angebote der Vermögensberatung spielten in den Prozessen eine wichtige Rolle. Der Mann aus der Region Hartha hat für ein deutsches Vermögensberatungsunternehmen unter anderem die Grüne Geldtonne vertrieben. Und auch andere Anlage-Produkte, wie Ultimosparen und Toppzins. „Ich wollte das Toppzins-Paket nicht. Da wäre ich für sieben Jahre an einen Vertrag gebunden gewesen. Wenn man in einem Monat kein Geld einbezahlt, wären die Zinsen für das ganze Jahr futsch gewesen. So habe ich es im Internet gelesen“, sagte die 35-jährige Zeugin aus, deren Unterschrift der Finanzberater nach Ansicht der Amtsrichterin gefälscht hat. Außerdem brachte sie Emails und Kurznachrichten mit, die sie sich mit dem Vermögensberater geschrieben hatte. Schon dieser Schriftverkehr liefert einige Hinweise, die den Angeklagten belasteten. Eine Kurznachricht von Ende Dezember 2015 zum Beispiel, in der sich der Angeklagte bei der Zeugin entschuldigte. Sie hatte bemerkt, dass da Geld von ihrem Konto ging – für die Toppzins-Anlage, die sie nicht haben wollte. Auf den Unterlagen dazu entdeckte die Frau ihre Unterschrift. Laut Eingangsstempel der Zentrale der Vermögensberatung gingen die Urkunden Anfang Dezember 2015 dort ein. „Wieso hat er mich dann später immer wieder darauf hingewiesen, dass er meine Unterschrift braucht?“, sagte die Frau. Wohl gemerkt: Mit einiger Lauferei gelang es der Frau, das strittige Geschäft rückgängig zu machen und sie bekam dann auch ihr Geld zurück.

Gutachten hat wenig Beweiskraft

Auf Antrag der Vertigigerin, Rechtsanwältin Carolin Greger, hatte das Gericht im erstinstanzlichen Verfahren in Döbeln ein Schriftgutachten eingeholt. Das kam zu keinem klaren Ergebnis. Es sei wahrscheinlich, dass die Unterschrift auf dem Vertrag gefälscht ist. Aber eindeutig festlegen konnte sich der Sachverständige nicht. Er hatte zur Untersuchung allerdings kein Original, sondern nur eine Kopie. Dadurch war es schwieriger, eindeutigere Ergebnisse aus der Analyse zu bekommen.

Der Sitzungsvertreter der Anklagebehörde, Staatsanwalt Thomas Fischer, sprach in der ersten Verhandlung ein mögliches Motiv des Finanzberaters an. „Ich möchte so einen Job gar nicht machen. Das sage ich ganz ehrlich. Man steht ja als Vermögensberater unter Druck, einen gewissen Umsatz zu bringen und fortlaufend nachzuweisen, dass man seine Leistung bringt.“

Von Dirk Wurzel

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