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Döbeln Das blutige Ende einer Freundschaft: Haftstrafe für den „Rambo von Döbeln“
Region Döbeln Das blutige Ende einer Freundschaft: Haftstrafe für den „Rambo von Döbeln“
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18:01 22.06.2016
Im Amtsgericht Döbeln fegte am Mittwoch Strafrichterin Karin Fahlberg die Scherben einer Jugendfreundschaft zusammen. Die war bei einer Schlägerei in Brüche gegangen. Ein junger Mann hatt seinen ehemals besten Freund krankenhausreif geprügelt. Quelle: Wolfgang Sens
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Döbeln

In Trümmern liegt eine Jugendfreundschaft seit dem 21. Dezember 2015. So wie die Nase des einen Freundes in Trümmern lag, der drei Tage vor Weihnachten tüchtig auf die Mappe bekam. Von dem jungen Mann, der ihn als einen besten Freund bezeichnete. Am Mittwoch kehrte Strafrichterin Karin Fahlberg am Amtsgericht Döbeln die Scherben dieser zerbrochenen Freundschaft auf, versuchte sie zusammenzusetzen, um ein Bild zu bekommen, was zu dem üblen Gewaltausbruch führte. Das gelang soweit, dass es für einen Schuldspruch reichte: Dreimalige Körperverletzung, begangen in Tatmehrheit.

„Willkommen in der Welt des Erwachsenenstrafrechts“, sagte Richterin Fahlberg, als sie den 22-jährigen Schläger zu einer Gesamtstrafe von acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilte. Sie sah es als erwiesen an, dass der junge Mann an jenem Dezembertag den 25-jährigen Geschädigten zunächst am Kreisverkehr Dresdner Straße/Leipziger Straße mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und auf ihn eingetreten hatte, als der Mann am Boden lag. Das wiederholte sich dann vor dem Krankenhaus Döbeln, wo der Geschädigte seine Verletzungen behandeln ließ und der Schläger seine Schlaghand. Der 25-Jährige hatte durch die Misshandlungen einen Trümmerbruch des Nasenbeins erlitten, dazu Hämatome um die Augen und Schürfwunden am Ellenbogen. Auch zwei Schneidezähne brachen dem Geschädigten durch die Faustschläge ab.

Aus dem Jugendknast nichts gelernt

„Und dann Ihr Nachtatverhalten: Nachher geht es lustig weiter mit Bedrohungen gegen den Herrn H.. Wer sind sie denn? Der Rambo von Döbeln?“, sagte die Richterin. Jener Herr H. hatte bei den Schlägereien am Kreisel und vorm Krankenhaus versucht zu schlichten. Ihm schickte der 22-Jährige dann Kurzmitteilungen übers Mobiltelefon. Er mische sich in Sachen ein, die ihn nichts angehen würden, sagte der junge Mann dazu. Bei den Bedrohungs-Nachrichten blieb es nicht. Nach Weihnachten verabreichte der Schläger dem Zeugen H. vorm Edeka in Döbeln eine Ohrfeige. „Man sagte mir, ich sollte fernbleiben, weil er da war. Ich sagte: Die Polizei ist schon gerufen. Dann bekam ich eine geklatscht“, sagte der 29-Jährige. Das war die dritte Körperverletzung, derer Richterin Fahlberg den 22-Jährigen schuldig sprach. „Es entsteht der Eindruck, dass die Leute in Ihrem Freundeskreis vor Ihnen Angst haben“, sagte Karin Fahlberg.

Der 22-Jährige war etwa seit einem Jahr auf freiem Fuß, als er auf seinen Freund losging. Zuvor saß er ein Jahr und zwei Monate in Jugendhaft. Wegen Körperverletzung. Vor Gericht sagte er nun, nicht mehr ins Gefängnis zu wollen, das sei eine schlimme Zeit gewesen. Weil er keine Arbeit und den Geschädigten nicht um Verzeihung gebeten hat erfüllte ihm die Richterin diesen Wunsch nicht und verurteilte ihn so, wie es Staatsanwältin Angelika Rickert beantragt hatte. „Das ist schon dicke: Der eine drischt den anderen krankenhausreif und als der aus dem Krankenhaus kommt, drischt er weiter“, sagte sie in ihrem Plädoyer.

Und was war eigentlich der Grund für die Attacke? Der Geschädigte sagte, er sei sauer auf seinen Freund gewesen, was zunächst finanzielle Hintergründe gehabt habe. Dann habe ihn der Schläger „Pussy“ genannt. Daraufhin habe er ihn an der Jacke gefasst und gebeten, ihn nicht zu beleidigen. Der 22-Jährige sagte dagegen, dass der Geschädigte ihn vor versammelter Mannschaft beleidigt habe, ihn dann an der Jacke packte. Da schlug er zu. Das Gericht glaubte eher dem Geschädigten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Verteidiger will Bewährung

Rechtsanwalt Ulrich Eppinger betrieb die klassische Strafmaß-Verteidigung, versuchte dem 22-Jährigen das Gefängnis zu ersparen. Dass sein Mandat die Taten begangen hat, stellte der Strafverteidiger nicht in Frage. Er wies in seinem Schlussvortrag auf die Ungereimtheiten in der Aussage des Hauptgeschädigten hin. Der hatte den Ort der Schlägerei vor dem Krankenhaus falsch angegeben, wenn man dem Angeklagten, dem Zeugen H. und einer Frau glaubt, die mit der ganzen Sache nichts zu tun hatte, sondern die Auseinandersetzung beobachtete. Der Geschädigte will das Krankenhaus durch den Hinterausgang verlassen haben, um seinem Angreifer nicht erneut zu begegnen. „Er versuchte damit, von seinem eigenen Tatbeitrag abzulenken“, sagte Rechtsanwalt Eppinger. Neben dem Beziehungsgeflecht führte er an, dass sein Mandant betrunken war, als er auf seinen Freund losging. Das sei strafmildernd zu berücksichtigen. Fünf Monate Haft mit Bewährung lautete daher der Antrag des Verteidigers. Er wird in der zweiten Instanz am Landgericht wahrscheinlich erneut die Chance haben, seinem Mandanten die Freiheit zu erhalten. Allerdings sollte dieser bis dahin etwas vorweisen können, am besten einen Job.

Von Dirk Wurzel

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