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Das nächste Mal mit "richtigem Training"

Das nächste Mal mit "richtigem Training"

Das Aussteigen aus dem Auto, sagt er, war am Tag nach dem Wettkampf vielleicht ein wenig beschwerlich. Doch ansonsten hat Jörg Messirek sein Abenteuer Ironman nach eigener Aussage gut überstanden.

Köln/Döbeln.

 

 

 

 

Fast hätte er seine Teilnahme noch abgesagt, obwohl die Startgebühr mit über 300 Euro zu Buche schlägt und längst bezahlt war. Doch Jörg Messirek ist einer, der nicht gerne einfach nur mitmacht. "Ich bin extrem unzufrieden, wenn ich nur durch den Wettkampf durchkrauche", sagt er. Und da der Fitnesstrainer und Studioleiter des Welwel Sport- und Freizeitzentrums für ein Training nach Lehrbuch nicht wie geplant Zeit hatte, obwohl er sich wohlweislich für einen der später im Jahr liegenden Wettkampftermine entschieden hatte, fühlte er sich zunächst nicht reif für die Herausforderung. Er ist dennoch angetreten. Und dankbar jenen, die in motiviert und unterstützt haben: Das Welwel-Team, Döbelns erster Ironman Peter Klöden mit seiner Erfahrung, Radsportler Steffen Ludwig für die technische Hilfe, Andreas Feith vom gleichnamigen Taxiunternehmen und Freundin Nadine. "Sie hat mich super betreut und vor allem oft auf mich verzichten müssen."

Sechseinhalb Monate Vorbereitung, 150 Kilometer Schwimmen, 5000 Radkilometer und 1350 Kilometer Laufen sollte ein Triathlet absolviert haben, wenn er eine Zielzeit von elfeinhalb bis zwölf Stunden auf der Langdistanz anpeilt. Sagt das Lehrbuch. Die Praxis hat bewiesen: Manch einer packt es auch mit weniger Training. Etwa die Hälfte von dem, was Vorgabe war, hat Jörg Messirek letztlich geschafft - die Finisher-Zeit hat er trotzdem getoppt.

Dabei begann sein Wettkampftag eher suboptimal, ganz zu schweigen davon, wie die beiden Tage vor dem Start verliefen. Fürchterlich nervös sei er gewesen - ein Umstand, den man bei dem so ruhig und souverän wirkenden Trainer nicht unbedingt auf den ersten Blick vermutet. "Ich konnte nichts essen und hab total schlecht geschlafen in der Nacht davor", erzählt der junge Mann, der früher hauptsächlich Krafttraining gemacht hat, bevor er zum Ausdauersport fand. Fitzelig ist er, als es früh morgens viertel Sechs zum Wettkampfort geht, dort angekommen, vermisst der Döbelner seinen Zeitnahmechip. Ein Blick in den Kofferraum - der Chip ist nicht da, also geht es noch einmal zurück in die Unterkunft. Auch dort keine Spur von dem gesuchten Teil, ohne dass ein Start unmöglich ist. Noch einmal wird der Kofferraum durchwühlt und siehe da - der Transponder! Zurück am Wettkampfort, bleibt Jörg Messirek nicht mal eine halbe Stunde bis zum Start. Jetzt schnell alle Sachen für den Wechsel am Rad sortieren, fix zur Toilette, Neoprenanzug an und - "da ging es auch schon los", schmunzelt Messirek. Einschwimmen? Denkste. Doch während Jörg Messirek plötzlich scheinbar die Ruhe in Person ist, zittert seine Freundin vor Aufregung am ganzen Leib. Der Döbelner schwimmt entspannt, fühlt sich beim Ausstieg nach 1:09:51 Stunde super. 15 Grad Außentemperatur erwarten ihn jetzt, "die ersten zwei Stunden auf dem Rad waren ganz schön kalt." Jörg Messirek weiß, was sein Körper braucht, für ihn ist neben mentaler Stärke die Ernährung des Sportlers das A und O. Statt 50 Gramm Kohlenhydrate in der Stunde wie empfohlen nimmt er 60, um auf Touren zu bleiben. "Nach 150 Kilometern hab ich mich ein bisschen schwach gefühlt", doch dann kann er wieder anziehen und nach 5:37:59 Stunden vom Rad steigen. Natürlich mit ein paar Schmerzen in den Beinen, doch die muss er jetzt ignorieren, schließlich wartet noch ein Marathon. "Der Laufübergang war super", erinnert er sich, "die Kulisse toll." Flach ist die Laufstrecke, auf der Jörg Messirek 3:46:02 Stunden unterwegs sein wird. Nur einmal müssen die Athleten eine Wendeltreppe hinauf - auf die Rheinbrücke. Alle halbe Stunde gibt es jetzt "Nahrung", etwa ein dreiviertel Liter Wasser pro Stunde und 70 Gramm Kohlenhydrate müssen das Kraftwerk Körper während des Laufens am Arbeiten halten. Und sein Wille. "Ich habe eigentlich immer nur ans Ziel gedacht." 14 Kilometer vor diesem bekommt er den "Tunnelblick", läuft seinem ersten Langdistanz-Finish entgegen, das auch für ihn ein großer emotionaler Moment wird.

Mit dem "langen Kanten" nach gerade einmal drei Kurz-, einer olympischen und zwei Halbdistanzen hat sich Jörg Messirek einen Traum erfüllt. Und er ist noch nicht am Ende. Nächstes Jahr will er sich aufs Laufen konzentrieren, weil die freie Zeit knapp ist. Doch in zwei Jahren soll es wieder eine Langdistanz werden, und dann mal mit "richtigem Training vorher".

Manuela Engelmann

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