Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln „Deal“ mit Dealerin: Döbelnerin gesteht Drogendelikte
Region Döbeln „Deal“ mit Dealerin: Döbelnerin gesteht Drogendelikte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 27.07.2018
Crystal heißt auf Deutsch Kristall. Die Moleküle der Droge Metamphetamin bilden Kristalle. Eine Döbelnerin muss jetzt ins Gefängnis, weil sie mit dem Stoff gehandelt hat. Quelle: dpa
Anzeige
Döbeln/chemnitz

Daniela W. galt als die Größe im Crystal-Geschäft in Döbeln. Ende April 2016 erwischte sie die Polizei mit dem illegalen Aufputschmittel und Daniela W. machte reinen Tisch, nannte ihre Abnehmer. Etliche Strafverfahren resultierten aus dieser Aussage. So auch einige Anklagen, die das Amtsgericht Chemnitz am Donnerstag gegen eine Mittdreißigerin aus Döbeln verhandelte. Demnach soll die Döbelnerin zwischen September und November 2015 in zehn Fällen bei Daniela W. jeweils zwischen 100 und 130 Gramm Crystal gekauft haben, um es weiter zu verticken. Nach Erkenntnissen der Kriminalpolizei hatte W. den Stoff teilweise gemeinsam mit ihrem Komplizen Steffen G. aus Tschechien geholt. G. wiederum habe die Angeklagte an vier Tagen im Mai 2016 jeweils 15 Gramm abgekauft.

Geständnis gegen Strafobergrenze

G. und W. haben die Landgerichte Dresden (G.) und Chemnitz (W.) zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die beiden warteten nun als Zeugen im Prozess gegen die Mittdreißigerin aus Döbeln im Haftkeller des Amtsgerichtes. Sie warteten lange und mussten dann doch nicht aussagen. Das Gericht machte nämlich einen „Deal“ mit der Dealerin. Juristisch korrekt heißt das „Verständigung zwischen Gericht und Verfahrensbeteiligten“. Sofern sie die Tatvorwürfe gesteht, sicherte ihr das Gericht eine Haftstrafe zwischen zweieinhalb Jahren und drei Jahren zu.

Gewinnspanne: Ein Zwanni pro Gramm

So räumte Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich die Drogenverbrechen für seine Mandantin ein. „Das ist so zutreffend, jedoch mit der Ausnahme, dass sie Herrn G. das Geld nicht vorher gegeben hat.“ Die Angeklagte habe das Crystal auf Kommission gekauft und immer dann bezahlt, wenn sie genügend Geld aus dem Weiterkauf zusammen hatte. 60 Euro kostete sie das Gramm Methamphetamin nach ihren Worten im Einkauf, 80 Europro Gramm nahm sie von ihren Kunden. Viel sagte die Mittdreißigerin nicht in ihrem Prozess. Aber immerhin, dass es ihr leid tue und dass sie nach Süddeutschland gehen wolle, um ein neues Leben zu beginnen.

Brüche durchziehen Lebenslauf

Rechtsanwalt Göddenhenrich schilderte dem Gericht den Werdegang seiner Mandantin. Ihn prägen Brüche, Trunksucht und Drogenabhängigeit. Eine Lehre brach sie ab, ebenso eine Alkohol-Therapie. 2011 habe sie dann angefangen, richtig Crystal zu nehmen. Anfang des Jahres absolvierte sie eine Langzeit-Therapie im Erzgebirge, flog dort aber raus. „Jedoch nicht, wegen Drogenkonsum. Das wurde aus therapeutischen Gründen abgebrochen“, sagte Martin Göddenhenrich. Sie habe sich nicht immer an die Hausordnung gehalten und sich in der Gruppentherapie nur wenig geöffnet, erklärte die Angeklagte, weshalb die Einrichtung die Therapie beendete. Trotzdem sei sie nun clean und nehme kein Crystal mehr. Drei Kinder hat die Angeklagte.

Wiedersehen im Knast?

Wegen der Drogendelikte verurteilte das Schöffengericht die Döbelnerin zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und neun Monaten Haft. „Positiv ist das Geständnis der Angeklagten zu werten. Das hat uns eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart“, sagte Richterin Trautmann, als sie das Urteil des Schöffengerichtes begründete. Ohne Geständnis wäre die Strafe wohl deutlich höher ausgefallen. Die Taten sind überwiegend Verbrechen, für die das Gesetz mindestens ein Jahr Haft vorsieht. Die Gesamtstrafe enthält die Rechtsfolge eines Urteils des Amtsgerichtes Döbeln. Dessen Schöffengericht hatte die Mittdreißigerin im Juni 2016 wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt. Verteidiger und Staatsanwältin erklärten, die Berufung gegen dieses Urteil zurückzunehmen. Das war für den Deal wichtig. Wird das Urteil des Chemnitzer Schöffengerichtes rechtskräftig, kann das Landgericht die Berufungsverhandlung abblasen, die für Anfang Oktober angesetzt ist. Die Döbelnerin wird dann wahrscheinlich schon im Chemnitzer Frauengefängnis sitzen. Daniela W. ist schon länger dort.

Von Dirk Wurzel

Himmelsbeobachter aufgepasst: Am Freitag, 27. Juli, gibt es die längste Mondfinsternis in diesem Jahrhundert zu beobachten. Die Sternwarte von Hartha öffnet dafür Tür und Tor. Das Himmelsschauspiel kann also durch die eigens dafür aufgebauten Teleskope Schritt für Schritt verfolgt werden.

26.07.2018

Als jüngster Handwerksmeister in Sachsen startete Rico Söhnel aus Roßwein vor 15 Jahren mit seiner Elektroanlagen-Firma. Heute gehört er zu den zehn größten Unternehmen der Branche in Ostdeutschland – und sucht händeringend Mitarbeiter.

29.07.2018

Nach langen Jahren des Wartens und der Verzögerungen tut sich endlich etwas am Waldheimer Obermarkt. Auf dem Gelände des ehemaligen Amtsgerichts rollt mittlerweile der Bagger. Dort entsteht eine neue Filiale der Drogeriemarktkette Rossmann.

29.07.2018
Anzeige