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Döbeln Der Ausverkauf bei Schlecker hat begonnen
Region Döbeln Der Ausverkauf bei Schlecker hat begonnen
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20:30 14.03.2012
Region Döbeln

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"Alle Waren ab sofort 30 Prozent billiger", ruft die Verkäuferin in die Regalgänge. "Außer DVD, Foto-Filme und Sämereien", schallt es noch hinterher. Erstaunt schauen die Kunden auf, dann laden sie sich das eine oder andere Duschbad mehr auf den Arm. Bei diesem Preissturz! Der Ausverkauf in der Döbelner Schlecker-Filiale in der Dresdner Straße hat gestern begonnen. "Die hier waren heute früh in der Post", sagt die Verkäuferin mit rauer Stimme und zeigt auf überdimensionale, rot-weiße Aufkleber. Auf denen steht, dass das Geschäft nur noch bis zum 24. März geöffnet ist, dass sich für das Vertrauen der Kunden bedankt wird und dass es während der letzten Tage erhebliche Rabatte gibt. Noch liegen die Aufkleber zusammengerollt in einem Einkaufskorb. Wenig später "werben" sie an exponierten Stellen des Geschäftes.

Der Laden gehört zu jenen 2000, die der Schlecker-Pleite zum Opfer fallen. "Wir haben Dienstagabend erfahren, dass wir dazu gehören", sagt die Frau in der weißen Kittelschürze. Sie verrät, schon 13 Jahre dabei zu sein, ihren Namen möchte sie aber nicht in der Zeitung lesen. "Man weiß ja nicht, wie es weiter geht." Schließung heißt nicht automatisch Kündigung - das ist den insgesamt vier Kolleginnen der Filiale in der Dresdner Straße mitgeteilt worden. "Was wird denn da nun aus Ihnen?", fragt der Kunde Christian Haunstein in besorgtem Tonfall. "Was soll schon werden?", antwortet die Verkäuferin mit einer Gegenfrage. So richtig glaubt sie nicht daran, weiter beschäftigt zu werden. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Haunstein geht ab und zu in der Schlecker-Filiale einkaufen. "Wir wohnen gleich um die Ecke, da ist es praktisch, nicht erst ins Zentrum rein zu müssen. Außerdem gibt es hier immer freie Parkplätze", zählt der Döbelner die Vorteile auf. Er hat ebenfalls die Gunst der Stunde genutzt und wegen des Rabattes einige zusätzliche Produkte gekauft. "Es ist sehr schade, dass der Laden schließt", sagt Haunstein trotzdem. "Vor allem für die Mitarbeiterinnen."

Die Plakate mit der Aufschrift "30 Prozent auf Alles" hängen auch in den Schaufenstern der Waldheimer Schlecker-Filiale. Wer die kleinere Schrift liest, erfährt, dass dieses Geschäft ebenfalls am 24. März dicht macht. Bis dahin sollen noch möglichst viele Waren verkauft werden. "Ich habe noch mal Zahnpasta und Haushaltsreiniger mitgenommen", sagt Kundin Ingeborg Maier. Regelmäßig kommt sie in die Waldheimer Filiale. Sie freut sich zwar über den jetzt günstigen Preis. Allerdings kann sie nicht verstehen, dass ausgerechnet dieser Markt schließen soll. "Der liegt hier doch neben Lidl sehr zentral. So muss ich mir dann einen neuen Schlecker-Markt suchen. Wahrscheinlich gehe ich nach Hartha", sagt die Frau im Rentenalter. Die Schlecker-Mitarbeiterin im Laden hält sich lieber bedeckt und sagt nichts. Immerhin bestehe Hoffnung, dass die Frauen in einer anderen Filiale weiter arbeiten können.

Sport statt Schlecker in Waldheim?

Waldheims Bürgermeister Steffen Blech macht sich über den Verlust von Arbeitsplätzen Gedanken. Der Standort in der Waldheimer Vogtstraße sei eigentlich gut; er liege zentral und es gebe Parkplätze. "Auf jeden Fall gehen da viele Leute hin." Als Nachfolge würde sich Blech am Standort ein Sportgeschäft für seine Stadt wünschen.

Auch für Döbeln ist der mögliche Verlust von Arbeitsplätzen problematisch, sagt Karl Körner. Trotz des Verlustes: Döbelns Wirtschaftsförderer ist froh, dass es nicht den zweiten Schlecker am Obermarkt getroffen hat. "Leerstände in der Innenstadt sind viel schlimmer." Zumal es in der Nähe des Schleckers in der Dresdner Straße auch Alternativen gebe. Wie es am Standort weitergeht, weiß Körner nicht; eine Anfrage des Gebäude-Eigentümers liegt ihm noch nicht vor. Selbstverständlich werde die Stadt alles tun was möglich ist, um einen Nachmieter zu finden. Schlecker hatte in Döbeln zeitweise fünf Filialen: Die Standorte in einem Wohnblock in Döbeln-Nord, am Penny-Markt in der Mastener Straße und in der Leipziger Straße gibt es schon nicht mehr.

In Mittelsachsen schließen weitere Schlecker-Märkte in Freiberg (Friedeburger Straße), Hainichen (Brauhofstraße), Flöha (Fritz-Heckert-Straße) und Mulda (Hauptstraße).

Olaf Büchel/Heiko Stets/Björn Meine

Schlecker-Standorte in der Region:

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