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Döbeln Der Feuerwehrmann, der gleich neben dem Gerätehaus schläft
Region Döbeln Der Feuerwehrmann, der gleich neben dem Gerätehaus schläft
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23:05 19.09.2014
Feuerwehrmann Heiko Hentzschel in (fast) voller Montur. Atemschutzmaske und Helm bleiben fürs DAZ-Porträt in den Händen. Entstanden ist das Foto auf dem Gelände des Döbelner Feuerwehrdepot An der Jacobikirche. Im Hintergrund ist das Wohnhaus zu sehen, in dem der 31-Jährige mit seiner Frau lebt und von der es nur wenige Schritte bis zum Gerätehaus sind. Quelle: Sven Bartsch

Einer der besonders engagierten Kameraden der Gegenwart ist Heiko Hentzschel aus Döbeln. Nicht ganz zufällig hat der junge Mann mit seiner Frau eine Wohnung in der Nähe des Feuerwehrdepots gesucht und gefunden.

"Es ist natürlich eine Wohnung, die uns gut gefällt. Dass sich gleich schräg gegenüber das Gerätehaus befindet, kommt mir zusätzlich entgegen. Da habe ich kurze Wege, wenn ich zum Einsatz muss", sagt der 31-Jährige.

Heiko ist noch ein Steppke, als er in die Döbelner Jugendfeuerwehr eintritt. Das war vor 21 Jahren. "Ich bin durch einen Bekannten reingerutscht. Es war ein bisschen die Technik, ein bisschen das Abenteuer und die Faszination Feuerwehr, was mich damals gelockt hat", erinnert sich der heutige Hauptlöschmeister. Heiko Hentzschel hat noch das alte Döbelner Gerätehaus in der Rosa-Luxemburg-Straße kennengelernt und den Umzug ins neue Depot an der Jacobikirche mitgemacht. Im Jahr 2000 wechselt er in die aktive Truppe und ist seit dem bei einem Großteil der Einsätze dabei. Das sind durchschnittlich 120 im Jahr. Der Feuerwehrmann, dessen lange, zu einem Pferdeschwanz gebundenen Haare mittlerweile ein ganz persönliches Markenzeichen sind, lässt sich auf Sonderlehrgängen schulen und qualifizieren. Schon seit einiger Zeit ist er einer von zwei Kameraden, die in der Döbelner Wehr für die Atemschutztechnik verantwortlich sind. Auf diesem Gebiet ist Hentzschel auch als Ausbilder tätig. Als Gruppenführer trägt er zudem bei Einsätzen die Verantwortung für eine Löschfahrzeug-Besatzung, die mit ihm aus neun Kameraden besteht.

Es gibt Einsätze, die wird Heiko Hentzschel nie vergessen. Dazu gehören die beiden Hochwasser, bei denen die Döbelner Kameraden an allen Ecken und Enden der Stadt helfen. Da ist der Einsatz in der Leipziger Straße, bei dem er zu den ersten Feuerwehrleuten gehört, die in eine brennende Wohnung vorrücken und die miterleben müssen, dass für ein Kleinkind jede Hilfe zu spät kommt.

"Einsätze mit Atemschutztechnik sind sehr anstrengend, die Sicht ist nur eingeschränkt", schildert der Feuerwehrmann. An gewissen Punkten heißt das auch: "Bis hier her und nicht weiter." Bei einem Feuer in der Oberflächentechnik Döbeln ist ein solcher Punkt erreicht. Die Rauchentwicklung ist extrem, plötzlich ein starker Luftzug, was Sauerstoffzufuhr bedeutet, es ist bekannt, dass im Betrieb auch mit Chemikalien gearbeitet wird. "Ich habe mich kurz mit meinem Kameraden verständigt. Dann hieß es Rückzug, einen anderen Weg finden. Das heißt nicht, dass wir Angsthasen sind. Aber ein gesunder Respekt und ein realistisches Einschätzen von Gefahren ist in solchen Situationen notwendig", sagt Heiko Hentzschel, der trotz seiner jungen Jahre bereits viele Feuerwehr-Erfahrungen gesammelt hat.

Das übrigens ohne Unterbrechung. Denn statt des Wehrdienstes entscheidet sich der Döbelner für einen alternativen sechsjährigen Pflichtdienst vor Ort beim Katastrophenschutz. Obwohl diese Pflichtzeit längst vorüber ist, bleibt Heiko auch hier dabei und ist inzwischen Gruppenführer im ersten Löschzug Wasserversorgung des Kat-Schutzes Mittelsachsen. Auch wegen der Lehre oder wegen des Jobs muss er weder seine geliebte Heimat noch die Kumpels von der Feuerwehr verlassen. "Mit der Arbeit ist es für mich optimal gelaufen", sagt der gelernte Konstruktionsmechaniker. Er tritt in die Fußstapfen des Vaters, absolviert bei Matec in Döbeln ein Praktikum und kann eine Ausbildung beginnen. Jetzt ist er für die technologischen Abläufe in dem Kabinenbau-Betrieb mit verantwortlich, schreibt unter anderem Programme für moderne CNC-Lasermaschinen. Optimal gelaufen - das gilt auch für die Einstellung der Matec-Chefs zum Feuerwehrdienst. "Sie haben viel Verständnis, wenn ich oder noch andere Kollegen alles stehen und liegen lassen und vom Arbeitsplatz weg zum Einsatz müssen."

Das gleiche Verständnis bringt Heikos Frau Ina, Schwester am Döbelner Dialysezentrum, auf. Das liegt auch daran, dass die Döbelner Feuerwehrleute, gerade jene zwischen Mitte 20 und Mitte 30, eine "dufte und coole Truppe" bilden, die nicht nur Kameraden, sondern Freunde sind und auch in der Freizeit viel miteinander und gemeinsam mit den Familien unternehmen. Ohne Feuerwehr und diese eingeschworene Gemeinschaft kann sich Heiko Hentzschel heute sein Leben nicht vorstellen. Dass der Dienst ein ehrenamtlicher ist, ist für ihn selbstverständlich: "Dass wir eine Aufwandsentschädigung erhalten, ist o.k.. Mehr zu fordern, widerspricht meiner Vorstellung von einem Ehrenamt. Ich kann helfen und ich will helfen." Natürlich kann es auch mal nerven, wenn der Piepser geht. Zum Beispiel wenn, wie im vergangenen Jahr, mehrmals pro Woche in tiefster Nacht ausgerückt werden muss, weil Blödmänner offensichtlich aus Spaß Container im Stadtgebiet anzünden. Doch selbst dann überwiegt beim Feuerwehrmann das Pflicht- bewusstsein dem genervt sein.

Billardspielen, Laufen, Verreisen, das findet bei Heiko Hentzschel neben Arbeit und Feuerwehrdienst statt. New York war vor einigen Jahren das weiteste Ziel, inzwischen hat das Hentzschel-Paar die Insel Rügen besonders ins Herz geschlossen. Zeit für ein Konzert- und Zelt-Wochenende beim Hard-Rock-Festival in Wacken mit dem älteren Bruder Mario ist ebenfalls. Aber Döbeln ist für Heiko Hentzschel "unser Städtchen". Hier will er bleiben. Deshalb ist er mit seiner Ina gerade auf der Suche nach einem Häuschen. Zurzeit scheint der Markt wie leer gefegt. Doch bestimmt findet sich noch was. Vielleicht sogar in der Nähe des Feuerwehrdepots.

Kasel, Beatrice

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