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Der Flutkoordinator

Der Flutkoordinator

Aus dem Goldenen Stiefel der Döbelner Allgemeinen Zeitung wird in diesem Jahr anlässlich des Hochwassers ein Flutstiefel. Viele haben ehrenamtlich und unermüdlich mit angepackt, um Betroffene zu retten, aufzuräumen, den Neustart zu erleichtern.

Niederstriegis.

 

Die Helfer haben viele Gesichter. Sie sollen am 6. September im Döbelner Rathaussaal mit dem Flutstiefel 2013 ausgezeichnet werden, den die DAZ zusammen mit dem Landkreis Mittelsachsen und der Kreissparkasse Döbeln stiftet. Gleich doppelt dafür vorgeschlagen ist Karl-Heinz Gillner aus Niederstriegis.

Als in der Nacht zum 2. Juni das Hochwasser kam und den Niederstriegiser Sportplatz, und wenig später auch das Vereinsheim, überflutete, war Karl-Heinz Gillner zur Stelle. Das Dorf- und Vereinsfest des SV Grün-Weiß Niederstriegis eine Woche später absagen? Für das Vorstandsmitglied keine Lösung. Gillner koordinierte die Aufräumarbeiten und packte mit an. Am 8. Juni wurde tatsächlich gefeiert.

"Karl-Heinz Gillner und Simone Maul haben sich beide für unseren Verein aufgerissen. Dafür verdienen sie den Flutstiefel", bringt Sven Funke, Vorsitzender des Sportvereins die Nominierung ins Rollen. "Der Herr Gillner hat sich noch viel mehr eingesetzt als ich, er hat es verdient", schließt sich Simone Maul an. Die Niederstriegiserin, die auch mit Gillner und Funke im Roßweiner Stadtrat sitzt, hat mit ihrem Mann ebenfalls eine Woche lang am Vereinsgelände geschuftet, sich extra vom Job freistellen lassen.

Den großen Optimisimus verbreitet aber Karl-Heinz Gillner - und das von Beginn an. "Als wir das Vereinsheim verlassen mussten, weil das Wasser zu hoch stieg, waren sie alle geknickt. Da habe ich gesagt: Wir feiern am Wochenende", erinnert sich Gillner an die ersten beiden Tage des Hochwassers. "Alle haben gesagt, ihr seid verrückt, aber ich habe an unsere Tanzgruppe im Verein gedacht. Die hatte ein dreiviertel Jahr lang geübt und war auf diesen Termin fokussiert", erklärt Gillner.

So fasst er schnell den Plan, wie aus dem verwüsteten Gelände innerhalb einer Woche ein feiertaugliches Areal werden soll: "Bis Mittwoch haben wir den Platz sauber, am Freitag stellen wir das Zelt auf", lautet die Devise. Zu tun gibt es nicht zu wenig. 30 bis 40 Helfer sind jeden Tag im Einsatz. Viele kommen nach der Arbeit, manche können sogar ganz freinehmen. Die Lage ist klar: Der Hartplatz ist durch das schnell fließende Muldewasser fast zur Gänze auf den Rasenplatz gespült worden. Die gepflasterte Fläche vor dem Vereinsheim, auf der das Zelt stehen soll und der Allwetterplatz aus Tartan für das Volleyballturnier sind völlig verschlammt. Doch hier kann man ansetzen. "Von befreundeten ortsansässigen Firmen haben wir sofort drei Radlader bekommen, um den Schlamm wegzufahren", erzählt Gillner. "Die Feuerwehr kam dann sofort, um die Plätze sauberzuspülen."

Flutkoordinator nennen die Helfer Gillner nur in dieser Woche, doch er delegiert nicht nur, packt mit 65 Jahren auch noch kräftig mit an. "Das lief alles nur so gut, weil es von allen eine riesige Unterstützung gab", lobt der Pensionär die Helfer. Und die belohnen sich mit ihrem Vereinsfest am 8. Juni selbst. Drei Mannschaften treten beim Volleyball an, ein Sponsor stiftet ein Spanferkel, das häppchenweise an die Besucher verkauft wird, erste Spenden gehen ein. Nach 30 Jahren im Verein hat Karl-Heinz Gillner zusammen mit den Niederstriegisern auch die zweite große Flut gemeistert. Er weiß aber auch, dass viel Glück im Spiel war, dass das Wasser nicht so hoch stieg wie 2002. "Dadurch, dass wir viel vom Inventar gerettet und die Türen mit Magnetplatten gesichert haben, ist zwar das Wasser nicht am Eindringen ins Vereinsheim gehindert worden, aber wir hatten sehr wenig Schlamm im Gebäude", sagt Gillner. Jetzt hofft der frühere Handball-Jugendtrainer wie auch Präsident Sven Funke auf die Wiederaufbauhilfe des Freistaates. Mehr Eigenleistung geht jedenfalls kaum.

Sebastian Fink

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