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Der Schlaf – ein ganz besonderes Land

Gute Nacht Der Schlaf – ein ganz besonderes Land

Warum erzählen Kinder so lebhaft von ihren Träumen? Folgen Nachtwandler tatsächlich dem Vollmond? Was bedeutet Schlafhygiene, und was hat der Fernseher damit zu tun? Am Tag des Schlafes erzählt der Somnologe Thomas Michel, wie die Mythen rund um den Schlaf entstehen und wie im Schlaflabor der Klinik diversen Schlafstörungen auf den Grund gegangen wird.

Schon als Kind erlernt der Mensch verhaltensbedingte Schlafstörungen – von den Eltern.

Quelle: dpa-Zentralbild

Leisnig. Als Erstes fällt der Fernseher an der Wand auf – in einem Patienten-Zimmer vom Schlaflabor der Helios-Klinik Leisnig. Kein Grund zum Aufatmen für jene, die ohne die Flimmerkiste nicht einschlafen: „Fernsehen ist Gift für die Schlafhygiene“, sagt Schlaflabor-Schwester Mandy Lamz. Der Kasten bleibt aus, wenn abends das Licht ausgeht. Der Patient schläft zwei Nächte lang verkabelt. Technische Geräte zeichnen die Daten für eine Polysomnografie auf. Per Videokamera hat das Pflegepersonal den Schläfer im Auge, während dieser im Traumland unterwegs ist.

Schlafprofil genetisch vorgegeben

Wie jemand schläft, hängt von äußeren Faktoren ab“, so Thomas Michel, Somnologe in der Helios-Klinik Leisnig. „Das Licht spielt als Einflussfaktor die Hauptrolle, demnach die Jahreszeiten, zudem Hormone, Elektrolyte, Temperatur. Das genetisch vorgegebene Schlafprofil unterliegt andererseits Gewohnheiten, die sich durch die persönliche Schlafhygiene beeinflussen lassen.“

Dass allein die von Tag zu Tag sich ändernde Dauer der Nacht den Schlafrhythmus beeinflusst, glaubt Michel nicht: „Die meisten Menschen sind an einen festen Tagesrhythmus gebunden durch kleine Kinder, die Arbeit und andere Verpflichtungen. Wer einmal zwei Stunden länger oder kürzer schläft, wird das nicht sofort an stärkerer oder schwächerer Leistungsbereitschaft bemerken. Insgesamt ist das ein psychisches Thema: Die Sonne bestimmt den Schlafrhythmus. Sie macht gute Laune.“

Nachtwandler folgen dem äußeren Reiz

Anders als Michel haben die meisten Menschen den Vollmond als Schlafbeeinflusser im Verdacht. „Das basiert auf Überlieferung. Anders als heute war der Mond über Jahrtausende die einzige nächtliche Lichtquelle, gilt als Verursacher des Nachtwandelns. Doch Auslöser ist keine Schlaf- sondern eine Aufwachstörung: In traumlosen Schlafphasen sind die Hirnareale verschieden aktiv. Manche Menschen schlafen mit einigen Teilen ihres Hirns, während andere Teile wach und aufnahmefähig sind. Die Areale für die Wahrnehmung äußerer Reize richten sich in diesen Phasen nach der Signal-Quelle aus. Das Hirn sucht die Anregung, geht ihr sozusagen nach. Das können neben visuellen auch akustische oder andere Reize sein, auf die der Mensch dann gerade reagiert. Im Schlaflabor folgen solche Patienten zum Beispiel dem Lichtschein unter der Tür.“

Die Videokamera im Schlaflabor dokumentiert das nächtliche Verhalten. Häufig würden sich die Menschen im Bett aufsetzen, schauen um sich. Nur wenige stehen auf, sind dann bedingt wach, trotz offener Augen. Ihre Reaktionen sind verzögert, sie scheinen verwirrt. Unwillkürliche paradoxe Handlungen seien selten. Weckt man sie aus dieser Schlafphase, erinnern sie sich an nichts, denn in dieser Phase entstehen nur selten Träume.

Erste Diagnose vom Hausarzt

Mit dem Aufwachen aus einem schlechten Traum hat Schlafwandeln also nichts zu tun. Der Schlafmediziner in der Leisniger Helios-Klinik befasst sich mit Schlafstörungen vor allem dann, wenn sie pathologische Züge annehmen. Das sei dann der Fall, wenn körperliche und psychische Störungen damit einhergehen. In der Vordiagnostik wird untersucht, ob eine organische Ursache vorliegt. Denn Schlafstörungen können entstehen durch hormonelle Einflüsse, durch Erkrankungen von Herz, Lunge oder durch eine Schilddrüsenfehlfunktion.

Meist psychologische Ursachen

Entsprechend der Vordiagnostik vom Hausarzt gehe es zum Somnologen, nach dortiger erneuter Diagnose ins Schlaflabor. „Die häufigsten Ursachen für Schlafstörung, medizinisch Insomnie genannt, liegen im psychologischen Bereich, und zwar in zwei Dritteln der Fälle“, so Michel. „Das stellt man fest, indem die organischen Ursachen ausgeschlossen werden.“ Ein Insomnie entsteht auch durch psychiatrische, verhaltensbedingte Faktoren. So nehmen sich Kinder schnell Verhaltensweisen an, die nicht schlaffördernd sind, so der 40-Jährige. Im Schlaflabor habe er Kinder nur selten, etwa in Verbindung mit einer Epilepsie-Diagnose. Stärkster Einflussfaktor auf den gesunden Schlaf eines Kindes und gleichermaßen auf die Entwicklung verhaltensbedingter Schlafstörungen seien die Eltern. „Diese sollten zum Beispiel klar signalisieren: Das Bett ist zum Schlafen da, nicht zum Essen, nicht zum Fernsehen.“ Die Ansicht, dass Kinder eher von Träumen erzählen können, weil sie lebhafter träumen, sei nur bedingt richtig: Phasen mit starker Traumaktivität, der REM-Schlaf (Rapid Eye Movement – schnelle Augenbewegungen) nehmen zeitlich beim Kindern einfach einen höheren Anteil am Nachtschlaf ein. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu erinnern, sei demnach höher.

Schlaf im Alter oberflächlicher

Bis etwa zum achten Lebensjahr verringert sich die Zeit der REM-Phasen pro Nacht auf rund drei Stunden. Danach verändert sich das nicht mehr. Bei Erwachsenen ist etwa ein Viertel der Nacht dem REM-Schlaf vorbehalten. Frequenz und Ausdehnung nehmen zum Ende der Nacht hin zu. Wenn das Schlafbedürfnis im hohen Alter nachlasse, sei das keinesfalls krankhaft. Der Schlaf werde oberflächlicher, Tiefschlafphasen seltener, weil der Mensch leistungsmäßig dann nicht mehr so stark gefordert sei.

Von Steffi Robak

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