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Der erste Onkel im Kindergarten: Mit Philipp Wobst hat im Leisniger "Sonnenschein" erstmals ein Mann unter Frauen das Sagen

Der erste Onkel im Kindergarten: Mit Philipp Wobst hat im Leisniger "Sonnenschein" erstmals ein Mann unter Frauen das Sagen

"Das kann doch nur der Louis sein..." Gerade hat draußen im Flur beim Anziehen ein Hosenmatz gekräht. Durch die Tür hindurch erkennt Philipp Wobst die Stimme, obwohl er erst wenige Tage im Kindergarten arbeitet.

Leisnig. Ein Mann im Kindergarten? - Für den 30-Jährigen nicht abwegig. Ab 2007 Student der Sozialpädagogik, ist ihm bald klar, dass er in einem Kindergarten arbeiten möchte.

Familiär vorgezeichneter Weg

Als Beruf hatte Philipp Wobst zuvor Industriekaufmann gelernt. "Es war eine Zeit, als viele Unternehmen über Bedarf ausbildeten, damit junge Leute eine Lehrstelle haben, auch wenn danach im eigenen Haus keine Stelle zur Verfügung stand. Ich war auch einige Zeit ohne Arbeit", sagt der junge Mann, der in Roßwein aufwuchs.

Gewissermaßen war sein Weg familiär vorgezeichnet, sagt Philipp mit Augenzwinkern. Als jüngstes von vier Geschwistern hatte er zeitig Kontakt zu den Kindern seiner älteren Geschwister. "Ich hab gerne mit ihnen etwas unternommen, und die Kinder können auch mit mir umgehen. Das ist für mich ganz wichtig." Letztlich bestärkte ihn eine Lehrerin aus der Geschwister-Scholl-Schule darin, erste Erfahrungen in einer Kindereinrichtung zu sammeln. Anderthalb Jahre und zum Teil ehrenamtlich arbeitete er im Hort der Roßweiner Grundschule bei Christa Leinert.

Die Einsatzmöglichkeiten eines Sozialpädagogen sind mit Schulden- oder Drogenberatung, dem Einsatz im Jugendamt oder für die Integration älterer Mitbürger recht breit gefächert. Philipp Wobst wollte schon immer mit Kindern arbeiten.

In seinem Studien-Jahrgang war er unter 45 Sozialpädagogik-Studenten einer von acht Männern. Und er ist der einzige, der sich für einen Kindergarten entschied. Was sagen Freunde und Familie dazu? "In meiner Familie wundert sich niemand über die Entscheidung", lacht er. Seine mit ihm heute in Döbeln wohnende Lebensgefährtin, ebenfalls Sozialpädagogin und im Kinderheim Gärtitz tätig, ist mit dem Thema demnach vertraut.

Und auch wenn bei den Fußballern der ersten Roßweiner Männermannschaft, wo Philipp spielt, mal jemand einen albernen Spruch macht, so nehmen es seine Mannschaftskameraden doch eher positiv auf. "Das ist meine Arbeit, ich mache sie gerne und stehe dazu", sagt der bekennende FC-Liverpool-Fan.

Fußballer und Katzenfreund

Neben dem Fußballspielen beschäftigt er sich zu Hause mit seinen Katzen Hilde und Hellfried oder ist gerne mit Freunden unterwegs, wie es Leute in seinem Alter eben tun. Dass er mit dem Kindergarten "Sonnenschein" erst mal eine kleine Einrichtung mit etwa 50 Kindern in drei Gruppen übernommen hat, freut ihn: "Da bin ich eher auch mit im Gruppendienst." Obwohl er als Leiter viel am Schreibtisch erledigen muss - als Erstes den Erzieherinnen-Urlaubsplan für alle für 2012 - möchte er doch den Kontakt mit den Kindern nicht missen.

Männliche Erzieher gefragt

So exotisch manchem ein Mann in einem pädagogischen Beruf im Kindergarten erscheinen mag, so ist es doch erklärtes Ziel des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den Anteil männlicher Fachkräfte in den Kindergärten zu erhöhen. Mit dem Programm "Mehr Männer in Kitas" (siehe Kasten) sollen in den nächsten Jahren gezielt junge Männer für den Erzieher-Beruf gewonnen werden. Bisher liegt der Anteil männlicher Erzieher in deutschen Einrichtungen bei etwa drei Prozent.

Mike Schlagowsky ist als Abteilungsleiter Soziale Dienste beim "Sonnenschein"-Trägerverein Sozialverband Vdk zuständig für die Kindergärten. Er kennt das Programm "Mehr Männer in Kitas" und begrüßt, dass mit männlichen Erziehern in Kindereinrichtungen den spezifischen Verhaltens-Merkmalen zwischen Mädchen und Jungen Rechnung getragen werden kann. Philipp Wobst kam allerdings nicht über dieses Programm zum VdK. "Sein Berufswunsch war ja schon viel länger gefestigt."

Von den fünf Erzieherinnen und auch von den Eltern, denen sich Philipp Wobst schon im vergangenen Jahr vorstellte, sei bisher viel an positiven Reaktionen zurück gekommen, wie er selbst sagt. Zuguterletzt habe er nach einer Einarbeitungsphase in einer Kindereinrichtung in Siebenlehn des gleichen Trägers VdK auch in Gabriele Marder von der Leisniger Kita "Wirbelwind" eine kompetente Unterstützerin gefunden. "Mit den Erzieherinnen und Eltern sind wir hier im Sonnenschein ein richtig gutes Team." Steffi Robak

 

-Standpunkt, Seite 13

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