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Forstwirt Florian Plötz pflegt Leisniger Bismarck-Eiche

Arnold’scher Koniferenpark Forstwirt Florian Plötz pflegt Leisniger Bismarck-Eiche

Die Bismarck-Eiche von Leisnig ist ein besonderer Baum: In einem normalen Wald würde es ihn mit dieser Wuchsform gar nicht geben. Er benötigt auch besondere Pflege. Mit dem Forstwirt und Baumpfleger Florian Plötz aus Leisnig hat sich jetzt ein Fachmann des Baumes angenommen, der dessen Besonderheiten zu schätzen weiß. Doch diese haben auch ihre Tücken.

Baumpfleger Florian Plötz in der Krone der knapp zwanzig Meter hohen Leisniger Bismarck-Eiche.

Quelle: Steffi Robak

Leisnig. Es ist einer der ersten sonnigen Frühlingstage des Jahres, als es in Leisnig der Bismarck-Eiche im Garten von Familie Fischer an die Krone geht. Durch deren noch unbelaubtes Astwerk wirft die Sonne ihre Strahlen in das als Arnold`scher Koniferenpark bekannte Areal. Florian Plötz, Forstwirt, Baumpfleger und Baumkletterer, legt heute die Säge an. Die über 100 Jahre alte Stieleiche braucht Pflege – und zwar mit sehr viel Augenmaß. „Der Baum wird alt“, sagt der 24-Jährige.

Mit Kettensäge hinauf in die Baumwipfel

Im Geäst des Baumes sind bereits die Sicherungsseile gezogen, an denen sich der Baumkletterer in Kürze in der beziehungsweise in den beiden Baumkronen bewegen wird. Knapp 20 Meter ist die Eiche hoch, weist durch ihre ungewöhnliche Wuchsform eine extrem ausladende Krone auf. Klettert Plötz am Stamm hinauf, sieht man der Aktion durchaus an, welcher Kraftaufwand dahinter steckt: Eine Kettensäge muss mit nach oben. Sie wiegt allein schon acht Kilogramm.

Es handelt sich um eine Einhandsäge: In luftiger Höhe muss der Forstwirt noch immer die Möglichkeit haben, sich fest zu halten. Die Baumwipfel scheinen von unten betrachtet gar nicht so weit weg zu sein. Bewegt sich jedoch ein nur noch ganz klein in den Ästen erkennbarer Mensch in der Krone, ist zu erahnen, in welche Höhen ein Baumkletterer vordringen muss.

Dabei kann er es sich nicht leisten, immer schön in der Nähe des Stammes zu klettern: Die Stellen, wo ein Schnitt angesetzt werden muss, befinden sich häufig in der Peripherie des Astwerkes. Das bedeutet: Wer einen Baum pflegen will, muss sich dafür auf sehr dünne Äste begeben - dort hin, wo Totholz entfernt werden muss.

Besonderheit: zwei Stämme aus einer Wurzel

„Die Eiche hat schon einige eingefaulte Stellen“, hat Plötz festgestellt. Er hat die Eiche, die er da in Pflege hat, schon sehr genau in Augenschein genommen. Wo in der Vergangenheit größere Äste entfernt wurden, schafft es die Rinde nicht mehr, die entstandenen offenen Stellen zu überwallen.

Im Garten von Familie Fischer in Leisnig, auf einem kleinen Plateau hinter dem Haus, hat der Baum seinen Platz. Er präsentiert sich dort mit ungewöhnlichem Aussehen, denn es scheinen zwei Bäume zu sein: Aus ein und derselben Wurzel ragen direkt über dem Erdreich zwei kräftige Stämme auf.

Was dem Baum einerseits seine gewisse Einzigartigkeit verleiht, erschwert ihm auch das Dasein: Die zwei Stämme sind schwer, drohen durch ihr Gewicht auseinander zu brechen. Einer hat einem Umfang von zwei Metern, der zweite von 3,20 Metern.

Sicherungen für die Krone

Im Herbst erst hatte Plötz bereits eine Kronensicherung eingesetzt. Eine etwas ältere hält seit etwa zehn Jahren die zwei weit auseinander driftenden Stämme zusammen. Zwei breite schwarze Kunststoffbänder spannen sich von einem Stamm zum anderen. Sie sind im unbelaubten Zustand der Krone über die Wintermonate hinweg gut zu erkennen, scheinen das Erscheinungsbild einer kräftigen alten Eiche etwas zu stören. Doch ohne diese Sicherungen würde der Baum möglicherweise schon nicht mehr existieren: „In einem forstwirtschaftlichen Wertholzbestand wäre dem Baum schon in jungen Jahren einer der zwei Triebe weggeschnitten worden, damit der andere sich gut entwickelt. Dann wäre es aber auch ein Baum wie jeder andere geworden“, erläutert Plötz.

Einsatz mit Kletterseil, ohne Hubsteiger

Gerade wegen dieser ungewöhnlichen Wuchsform findet er die Eiche auf Fischers Grundstück interessant und auch spannend: „So etwas findet man in dieser Form äußerst selten – eigentlich gar nicht.“ Seine Lehrausbildung absolvierte er beim Staatsbetrieb Sachsenforst, kennt deshalb den Waldbestand des Freistaates rund um Leisnig sehr gut. Im Nebenerwerb rückt er mit der Kettensäge im Anschlag den Baumkronen in der Umgebung zu Leibe und bewegt sich dafür am Kletterseil an den Stämmen hinauf und durch das Geäst. Schwere Fahrzeuge wie Hubsteiger müssen dafür nicht zum Einsatz kommen.

Eine dendrologische Schatzkammer

„Für uns ist es ein Segen, einen Baumkletterer hier vor Ort in Leisnig zu haben“, sagt Karla Fischer, auf deren Gartengrundstück sich neben der 1895 gepflanzten Stieleiche weitere exotische Baumarten finden. Sie sind auch ähnlich alt wie die Bismarck-Eiche, bedürfen der besonderen Pflege, damit sie noch lange erhalten bleiben. „Wir haben die Verantwortung dafür, dass der Baumbestand entsprechend gepflegt wird.“

Fischers Grundstück in der Luxemburg-Straße wird angesteuert von Spezialisten und Baumkennern aus ganz Sachsen. Die Arbeitsgruppe Baumfreunde beim Geschichts- und Heimatverein stattete dem als Arnold’scher Koniferenpark bekannten Gelände bereits mehrere Besuche ab. Klaus Friedrich, Baumkenner aus Hartha, bezeichnete das Areal schon einmal als dendrologische Schatzkammer Leisnigs. Am Sonnabend, als Plötz an der Eiche die Pflegearbeiten vornimmt, schaut der Leiter der Arbeitsgruppe, Uwe Reichel vorbei. Der Baumfreund weiß: Bei Florian Plötz ist die Bismarck-Eiche in guten Händen.

Die Eiche im Arnold’schen Koniferenpark

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen – am 1. April 1815 in Schönhausen (Elbe) geboren und starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg - war ein deutscher Politiker und Staatsmann. Als erster deutscher Reichskanzler setzte er von 1871 bis 1890 außenpolitisch auf einen Ausgleich der europäischen Mächte.

Die Leisniger Bismarck-Eiche stammt aus dem Sachsenwald östlich von Hamburg. Dieser gehörte Otto von Bismarck und ist heute noch in Familienbesitz. Konstantin Arnold, Leisniger Kolonialwarenhändler und Schnupftabakfabrikant, seinerzeit Eigentümer vom Grundstück der Familie Fischer, hatte sich einen Setzling aus dem Sachsenwald für seinen Garten erbeten.

Bekannt war das Grundstück bereits damals als Arnold’scher Koniferenpark. Beim größten Teil der dortigen Bäume handelt es sich um Nadelgehölze. Konstantin Arnold war ein begeisterter Baumfreund und Sammler, brachte unter anderem von Reisen in verschiedenste Regionen der Welt Bäume mit, um sie auf seinem Grundstück zu pflanzen.

Der Koniferenpark ist in seiner Form aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert weitgehend erhalten. Darin finden sich Exoten wie der Tulpenbaum, die Sumpfzypresse, Hemlocktanne, Gingkobaum, Eibe, Goldlärche. Die heutigen Eigentümer des Geländes versuchen, wo es möglichst ist, von jedem Baum drei Exemplare nachzuziehen.

Von Steffi Robak

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