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Die Burg kennt jeder – aber was ist mit dem Trockenschuppen?

Denkmale in Kriebstein Die Burg kennt jeder – aber was ist mit dem Trockenschuppen?

Die Gemeinde hat ein hölzernes Unikat: Im Schuppen am Goetheschulplatz in Kriebethal hängten früher die Arbeiterfrauen die Wäsche zum Trocknen auf. Das Gebäude ist ein einmaliges Zeugnis der Alltagsgeschichte und die Gemeinde möchte es gern sanieren und als Veranstaltungsraum wiederbeleben.

Für das Foto greift Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler zum Wäschekorb. Vor 100 Jahren hätte sie wahrscheinlich tatsächlich die Wäsche im Kriebethaler Trockenschuppen aufgehängt. Aber diesem Zweck dient das hölzerne Gebäude mit den luftigen Wänden schon lange nicht mehr. Die Gemeinde will es jetzt sanieren.

Quelle: Dirk Wurzel

Kriebstein. Bei der Gemeinde an der gleichnamigen Talsperre denkt doch jeder gleich an die Burg. Ihr Wahrzeichen ist Baudenkmal und Besuchermagnet gleichermaßen. Ein windschief wirkender Schuppen am touristischen Parkplatz im Ortsteil Kriebethal verbindet kaum einer mit dem Begriff „Denkmal“.

Es ist aber eins, wie Jörg Liebig, Fachbereichsleiter im Referat Denkmalschutz des Landratsamtes Mittelsachsen, erläutert. „Der Trockenschuppen in Kriebethal ist zwar nicht die Burg, aber als Zeugnis der Alltagsgeschichte sehr bemerkenswert.“ Denn die Frauen der Papierfabrik-Arbeiter haben früher hier ihre Wäsche zum Trocknen aufgehangen. Und eigens dafür ist das hölzerne Gebäude auch konstruiert: Die Wände sind nämlich nicht dicht. Leicht schräg sind die Bretter der Wand-Verschalung eingebaut. So hing die Wäsche immer im Luftzug und trocknete schneller. Ein Waschhaus gehört ebenfalls zu dem Ensemble, denn in den Zeiten vor der Waschmaschine war das Waschen Handarbeit, eine schwere obendrein.

Gut möglich, dass die Waschfrauen früher beim Zusammentreffen im Kriebethaler Trockenschuppen auch den einen oder anderen Schwatz gehalten, Kochrezepte ausgetauscht und vielleicht sogar auf die Obrigkeit geschimpft haben. Ein Ort der Zusammenkunft soll das Gebäude, durch das der Wind fegt, auch wieder werden. Die Gemeinde will den Trockenschuppen sanieren und dort einen Veranstaltungsraum einrichten. „Wir haben hier etwas historisch sehr wertvolles“, sagt Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler). Der Trockenschuppen gehört nämlich zu den Häusern, die Fabrikant Albert Niethammer für seine Arbeiter laut der heimathistorischen Internetseite www.kriebethal.de seit 1881 bauen ließ. Der Gründer der Papierfabrik „Kübler und Niethammer“ war darum bemüht, die Arbeits- und Lebensverhältnisse seiner Arbeiter zu verbessern. Diesem Engagement ist wahrscheinlich auch der Trockenschuppen zu verdanken.

„In das Waschhaus wollen wir Toiletten einbauen. Der neue Parkplatz hätte dann endlich eine Toilette. Dass es dort bisher keine gibt, hat schon manch Besucher beklagt“, sagt Bürgermeisterin Maria Euchler. Den Parkplatz hat die Gemeinde 2014 bauen lassen. Dort stand die ehemalige Kriebethaler Schule, die die Kommune abreißen ließ. Im vergangenen Jahr hat Kriebstein der Stellfläche einen Namen gegeben, der an die Schule erinnert: Goetheschulplatz heißt der Platz seitdem.

Mit dem Trockenschuppen sehen die Touristen gleich ein Denkmal, bevor sie zur Burg hinauf steigen. Noch in diesem Jahr will die Gemeinde mit der Planung zur Sanierung des hölzernen Unikats beginnen. Bei der Finanzierung des Vorhabens hofft Maria Euchler auf „Fördermittel vom Denkmalschutz.“ Jörg Liebig, der Fachmann vom Landratsamt, ist jedenfalls sehr angetan von den Plänen der Gemeinde. „Es ist ganz bemerkenswert, dass eine junge Bürgermeisterin diesem Denkmal der Alltagsgeschichte Aufmerksamkeit schenkt und sich dafür einsetzt. Gemäß seiner ursprünglichen Bestimmung haben sich früher zwangsläufig die Leute im Trockenschuppen getroffen – bald kommen hier vielleicht wieder Menschen zusammen“, sagt Jörg Liebig. Er findet es erstaunlich, dass sich der Zweckbau bis zum heutigen Tage gehalten hat.

Von Dirk Wurzel

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