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Die Döbelner Allgemeine Zeitung feiert ein Vierteljahrhundert

„Die Blaue“ Die Döbelner Allgemeine Zeitung feiert ein Vierteljahrhundert

Am 1. August feiert die Döbelner Allgemeine Zeitung 25. Geburtstag – für die Redaktion Anlass, auf besondere Ereignisse, Orte und Menschen zurückzublicken und in den nächsten Wochen nachzufragen, was in 25 Jahren aus ihnen geworden ist. Zum Start der Serie blicken langjährige DAZ-Reporter auf ihre ganz persönlichen Höhepunkte zurück.

Das Team der Döbelner Allgemeinen Zeitung lädt alle Leser in den kommenden Wochen zum Rückblick auf 25 Jahre in der Region Döbeln ein. 

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Am 1. August feiert die Döbelner Allgemeine Zeitung 25. Geburtstag – für die Redaktion Anlass, auf besondere Ereignisse, Orte und Menschen zurückzublicken und in den nächsten Wochen nachzufragen, was in 25 Jahren aus ihnen geworden ist. Zum Start der Serie blicken langjährige DAZ-Reporter auf ihre ganz persönlichen Höhepunkte zurück.

Olaf Büchel, Jürgen Kulschewski und Steffi Robak.

Olaf Büchel, Jürgen Kulschewski und Steffi Robak.

Quelle: DAZ

Ein unvergesslicher Urlaub

Olaf Büchel (seit 1997 bei der DAZ): Es sollte eigentlich ein Arbeitsurlaub werden. Der war es dann auch, aber nicht auf der eigenen Baustelle. August 2002: Bei einer Verschnaufpause zwischen Betonmischer und Fundamentgraben im heimischen Altenburg höre ich im Radio von der Hochwasserkatastrophe, die über die Döbelner Region hinweg gerollt ist. Neben Döbeln soll Roßwein besonders betroffen sein. „Mein“ Roßwein! In dem ich zu diesem Zeitpunkt seit über fünf Jahren für die DAZ als Redakteur arbeite. Ich breche den heimischen Einsatz kurzerhand ab. Etwas Werkzeug und zwei Schaufeln in den Kofferraum gepackt und los geht es.

Eine Stunde später das blanke Entsetzen. Das schöne Muldental ist nicht wieder zu erkennen. Ich stehe mit dem damaligen Niederstriegiser Bürgermeister Heinz Martin wie ohnmächtig an der Mahlitzscher Brücke – oder besser, dort, wo sie sich einst befunden hat. Dann ein Blick in die Roßweiner Unterstadt: ein Bild der Verwüstung. Was folgt sind zwei Wochen Knochenarbeit. Schlamm schippen, Wohnungen sauber spritzen, aufgeweichte Möbel schleppen,Vorgärten vom Flutmüll befreien, Menschen trösten oder aufmuntern, kurze Nächte auf der Luftmatratze im Roßweiner Redaktionsbüro am Markt...

Die Familien, denen ich helfen konnte, sind mir bis heute dankbar. Wenn ich sie jetzt treffe, winken sie schon von weitem und sagen: „Wissen Sie noch, damals im August!“ Ja, ich weiß noch. Es war ein Urlaub, den ich nie vergessen werde.

Zwei sichere Notlandungen

Jürgen Kulschewski (1991-2012 bei der DAZ): Über 20 Jahre war ich Fotograf bei der DAZ. In meiner Tätigkeit habe ich viele Veranstaltungen, Feste und Höhepunkte, aber auch tragische Ereignisse mit meiner Kamera festgehalten. In meinen Erinnerungen sind aber auch kleine Ereignisse. So zum Beispiel eine Anekdote aus den 90er Jahren: Es war an einem Pfingstmontagabend. Ich war nach meinem Dienst über die Dörfer des Altkreises auf dem Heimweg. In der Nähe von Kalthausen bei Leisnig sah ich plötzlich auf einer Wiese ein kleines einmotorisches Flugzeug stehen. Darin saß der Pilot, der nicht mit mir sprechen wollte. Fotografieren durfte ich aber. Neben mir stand inzwischen der Pfarrer von Polditz, Gunter Odrich. Zur damaligen Zeit hatten wir noch kein Handy. Ich bat den Pfarrer, aus dem Pfarramt die Redaktion anrufen zu dürfen. Am nächsten Tag stand eine kleine Meldung vom Vorfall in der DAZ. Das Foto kam einen Tag später, da  noch nicht an digitale Fotografie zu denken war und wir als Fotografen die Filme selbst entwickeln und Vergrößerungen herstellen mussten, die per Kurier in die Druckerei nach Leipzig geschickt wurden.

Ein Jahr später – wieder am Pfingstmontagabend – fuhr ich von Döbeln in Richtung Leisnig. Ich dachte an das Flugzeug vom Vorjahr. Plötzlich sah ich in Höhe Eichardt auf einer Wiese zwei Segelflugzeuge. Die Piloten waren diesmal gesprächiger. Sie waren auf dem Flug in Richtung Rochlitzer Berg und mussten plötzlich eine Außenlandung vollführen, da die Thermik schlecht war. Sie wurden später mit Transportern abgeholt.

Beginne sobald du kannst

Steffi Robak (seit 1994 bei der DAZ): Als Redakteurin bei der Döbelner Allgemeinen Zeitung treffe ich oft  Menschen, zu denen ich sonst keinen Zugang hätte – eine reizvolle Facette des Berufes. Mit dem Maler Tilo Pagels spreche ich für eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art am ersten Feiertag 1998. Als einziger Gefangener der Justizvollzugsanstalt Waldheim lässt er ein Porträt über sich schreiben. Es wird nicht die von der Redaktion erwartete Tränendrüsen-Story über einen reumütigen Gewaltverbrecher. Er selbst erzählt sie  weitaus besser: über einen Mann, der seine hinter Gittern vermeintlich verlorene Zeit positiv zu nutzen weiß. Wir bleiben in Verbindung, organisieren mit Freunden die Vernissage einer Ausstellung mit seinen  Bildern im Forschungsinstitut Meinsberg, er ermuntert mich zur Mitwirkung an zwei Performance-Projekten hinter Gefängnismauern, mit  Erfolg vor öffentlichem Publikum. Gelernt habe ich: Beurteile niemanden nach einem Fehler aus seiner Vergangenheit.

Tilo Pagels träumt von einem eigenen Atelier und Malkursen. Im August 2007 verstirbt er 44-jährig, ein halbes Jahr vorm ersten möglichen Haftentlassungstermin. Der schlimmste Moment ist, als seine Freundin zu mir ins damalige Waldheimer Redaktionsbüro kommt. Kurz zuvor hatte Pagels mir eins seiner Bilder verkauft, das ich mir lange gewünscht hatte und das er nie weggeben wollte.

Das Fazit aus der Begegnung: Wenn du schon immer etwas Bestimmtes tun wolltest – beginne so bald du kannst. Unter Umständen bleibt dafür weniger Zeit als zu denkst.

Dirk Wurzel, Manuela Engelmann und Thomas Sparrer.

Dirk Wurzel, Manuela Engelmann und Thomas Sparrer.

Quelle: DAZ

Der Schrecken von Leisnig

Dirk Wurzel (seit 2009 bei der DAZ): Als Gerichtsreporter berichte ich über Strafprozesse, über Verteidigungsstrategien, Urteile und wie sie zustande kommen, die Beweiswürdigung, wozu auch die Aussagen der Zeugen zählen. Müsste ich über meine eigene Zeugenaussage schreiben, würde ich feststellen müssen, dass sie recht wenig dazu betragen konnte, den Mann zu überführen, der Ende  Dezember 2009 mit der Axt das Leisniger Büro der DAZ – meinen geliebten Arbeitsplatz – verwüstet hat.

Im März 2012 saß ich  in einer Verhandlung bei Strafrichter Janko Ehrlich im Amtsgericht Döbeln, wie schon etliche Male zuvor. An diesem Tag ist aber alles anders. Ich sitze nicht im Zuschauerbereich sondern in der Mitte des Saales auf dem Zeugenstuhl. Erinnere mich auf Nachfrage der Juristen an den Tag, dessen verhängnisvolle Ereignisse mir für den Moment einen tüchtigen Schrecken, den bis dahin größten Schrecken meines Lebens, versetzten und erzähle davon. Nur, war der Mann auf der Anklagebank dafür verantwortlich? Ich bin mir nicht sicher. Da ich keinen belasten kann, der möglicherweise unschuldig ist, sage ich das auch so. Mein Fazit aus der Geschichte ist: Kein Wunder, dass die Zeugenaussage als schwächstes Beweismittel gilt. Dass es richtig ist, wenn Strafverteidiger Zeugenaussagen in Zweifel ziehen, wenn das zwingend geboten ist.  

Um den Leisniger  der Sachbeschädigung schuldig zu sprechen, brauchte der Richter meine Aussage nicht. Er zog dafür andere, härtere Indizien heran. Davon las ich am nächsten Tag in der DAZ.

Einfach mal ausprobieren

Manuela Engelmann (seit 1994 bei der DAZ): Ein besonderes Erlebnis aus meiner Zeit bei der “Blauen“? Nur eines? Schwierig. In den 23 Jahren, in  denen ich zur DAZ gehöre, habe ich viel erleben aus ausprobieren dürfen. Mein erster Text? Handelte vom Zeichenunterricht an der Musikschule in Döbeln, den ich als 17-Jährige selbst besucht hatte. Ich erinnere mich lachend an die Zeit, in der ich als Studentin an den Wochenenden mit meinem Trabi durch den Altkreis gekurvt bin, um Termine abzuarbeiten und die Pappe nicht selten einfach stehen geblieben ist. Aber irgendwie bin ich dann doch immer angekommen. Das gilt auch für die sportlichen Experimente, die ich in meinen 20 Jahren als Redakteurin für den Lokalsport immer mal wieder unternommen hab, um darüber zu berichten. Ob Inlineskaten, Paragliding, Felsenklettern, Tauchen – immer hat mich fasziniert, was ich ausprobieren durfte. Passiert ist nie etwas, nur einmal endete ein Dienst mit Bänderriss – beim Drachenbootcup 2002 vertrat ich mir beim Abschluss-Kick mit den DAZ-Enten den Fuß. Mit dickem Knöchel ging es dann ab ins Krankenhaus...

Oft hat mich meine Arbeit inspiriert. Und sie hat mir die Möglichkeit gegeben, Menschen kennenzulernen, denen ich sonst wahrscheinlich nicht begegnet wäre. Ich rede nicht vom Pop-Titan Dieter Bohlen, den ich bei einem seiner Auftritt im Staupitzbad interviewen sollte. Wesentlich eindrucksvoller für mich war die Erfahrung, mit einem Döbelner Hilfstransport nach Weißrussland zu fahren, um dort Kindern zu helfen, die Opfer der Tschernobylkatastrophe geworden sind.

Hartha im Ausnahmezustand

Thomas Sparrer (seit 1991 bei der DAZ): Spektakuläre Einsätze von Polizei und Feuerwehr gehören auch zur Arbeit eines Lokaljournalisten. Meist sind es dramatische, oft traurige Ereignisse, nach denen sich kein Journalist drängeln würde. Doch manchmal geht es wie im Krimi zu und löst ein Polizeieinsatz ein gespanntes Kribbeln aus. So war es am 11. Mai 2003 in Hartha. An diesem Tag erlebte die Stadt, die mir als Hartha-Reporter fünf Jahre sehr ans Herz gewachsen war, ihren spektakulärsten und größten Polizeieinsatz. Bei einer Durchsuchungsaktion in zehn Bundesländern, die sich gegen kriminelle Firmenbestatter richtete, war es im ehemaligen Konsum an der Goethestraße zu einem Zufallstreffer gekommen. Polizisten ließen das leerstehende Gebäude von einem Schlüsseldienst öffnen und bemerkten, dass hinter den folienverklebten Fenstern richtig reger Betrieb herrschte und es süßlich roch. Gegen Mittag wird die halbe Stadt von 65 Polizisten in schusssicheren Westen abgeriegelt.

Hartha ist im Ausnahmezustand. Ein Polizeihubschrauber kreist über den Dächern. Gegen 16 Uhr fahren vermummte Polizisten des Sächsischen Sondereinsatzkommandos vor, packen Maschinenpistolen und Rammen aus. Drei Männer werden aus dem alten Konsum gezerrt und wie Schwerstkriminelle festgenommen. Sie hatten in den in den Kellerräumen eine der größten je in Sachsen gefundenen Hanfplantagen mit 1300 Cannabispflanzen samt Geräten zur Drogenherstellung betrieben.  Hintermänner werden ermittelt. 2004 wird ihnen der Prozess gemacht.

1991 bezog die DAZ die ersten Redaktionsräume in der heutigen Commerzbank. Hier blieb sie bis 1993. Im ersten neuen Bürogebäude Döbelns an der Zwingerstraße hatte die DAZ bis 2001 ihre Redaktionsräume. Von da zog sie ins Eckhaus am Obermarkt 28 – bis Sommer 2014 die DAZ-Zentrale auf vier Etagen. Wo früher das Restaurant Shanghai zu finden war, entsteht seit 2014 die Lokalausgabe der DAZ.

1991 bezog die DAZ die ersten Redaktionsräume in der heutigen Commerzbank. Hier blieb sie bis 1993. Im ersten neuen Bürogebäude Döbelns an der Zwingerstraße
hatte die DAZ bis 2001 ihre Redaktionsräume. Von da zog sie ins Eckhaus am Obermarkt 28 – bis Sommer 2014 die DAZ-Zentrale auf vier Etagen. Wo früher das Restaurant Shanghai zu finden war, entsteht seit 2014 die Lokalausgabe der DAZ.

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