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Döbeln Die Leckermäulchen-Revolution von Roßwein
Region Döbeln Die Leckermäulchen-Revolution von Roßwein
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19:41 27.03.2012

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Unter den Quark legte er in den 1980er Jahren eine Fruchtschicht aus verschiedenen Beeren. Später kam auch noch eine Variante mit Schokounterlage in die Läden. "Das hatten wir exklusiv. Ich bin überall herumgefahren, um Beeren zu bekommen - Kirschen, Erdbeeren, Preiselbeeren, was gerade zu kriegen war", erinnert sich Bormann. In einer Nossener Eisdiele stieß er dann auf das Rezept für eine sämige Schokosoße. Das Resultat: ein Delikat-Leckermäulchen, das es in den gleichnamigen Läden für 2,40 Mark statt für eine Mark wie das herkömmliche Produkt zu kaufen gab. Allerdings nicht besonders lange: "Wir hatten zwei Liefertage pro Woche und jedes Mal warteten die Verkaufsleiter schon auf uns, weil wieder alles alle war", erzählt der frühere Werksleiter.

In der Region Döbeln und bald auch in Leipzig wurde das Sonderleckermäulchen im untypischen runden Becher bald so bekannt, dass man auch in Berlin darauf aufmerksam wurde - leider zu spät, wie Bormann berichtet. "1989 habe ich unser Produkt in Berlin vorgestellt, das sollte es überall in der DDR geben. Aber dann kam die Wende und es war vorbei", erzählt der 71-Jährige.

Den Quark erfunden hat übrigens nach eigener Aussage der Lebensmitteltechnologe Dr. Jürgen Clauß 1977 in Oranienburg. Dort kam der Quark nach dreijähriger Versuchszeit im Institut für Milchwirtschaft zur Welt. Molkereichef Bormann war schnell begeistert. "Wir haben seither immer eng zusammengearbeitet. Klaus Bormann war immer einer, der am eifrigsten mitgetüftelt hat", erzählt Clauß heute. Der ärgert sich noch immer darüber, dass der heutige Leckermäulchen-Produzent Frischli seine Erfindung nicht anerkennt (die DAZ berichtete).

Auch geärgert hat sich Bormann über die Abwicklung "seiner" Molkerei in Roßwein. Unter dubiosen Bedingungen vom früheren Molkereiunternehmen Südmilch aufgekauft, blieb die Molkerei nach der Wende nur noch zwei Jahre am Leben - und damit auch das Delikat-Leckermäulchen. Der Betriebsteil auf dem heutigen Lidl-Gelände an der Döbelner Straße wurde abgerissen, Bormann ging in den Ruhestand und mag heute nichts mehr von der Wendezeit hören. Gute Erinnerungen an das Leckermäulchen haben dagegen die Roßweiner. "Ich komme aus Döbeln, das war für mich ein Suchtmittel", erzählt Ines Lammay, Roßweins Kulturbeauftragte. "Ich esse es heute noch, aber trotz der vielen neuen Sorten immer nur Vanille." Auch die neue Bürgerarbeiterin Helgard Preußer, die in Sachen Stadtgeschichte in der NS-Zeit forscht, erinnert sich mit Wohlwollen: "Das war Bückware und gab es oft nur schwer. Die Kinder haben es immerzu gegessen."

Sebastian Fink

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