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Die Schokoladenseiten der Deckhengste sus Altzella

Die Schokoladenseiten der Deckhengste sus Altzella

Ob einer ein toller Hengst ist, erweist sich nicht daran, wie forsch er sich beim Decken gebärdet. Macht der Nachwuchs auf der Fohlenschau eine gute Figur, erweist sich der Deckhengst als guter Vererber.

Kleinmockritz/Altzella.

 

 

 

 

Dafür ist er vor die Kutsche gespannt, Lutz Müller sitzt auf dem Kutschbock. Während Hufe und Wagenräder durch die Halleneinstreu pflügen, erläutert Dr. Matthias Görbert dem Publikum die herausragenden Eigenschaften des Pferdes. Für ein gutes Zugpferd gehört der Raumgriff der Beine und der erzeugte Schub des Gefährtes dazu. Görbert, seit 1985 Landstallmeister auf dem Landgestüt Moritzburg und damit dienstältester Landstallmeister Deutschlands, kennt jeden der Moritzburger Hengste. "Elixier", mit seinen zehn Jahren als guter Vererber bereits etabliert, steht seit Kurzem in Altzella, auf einer von neun Deckstellen des Landgestütes Moritzburg in ganz Sachsen.

Auf welcher Beschälstation ein Hengst für je zwei bis drei Jahre steht, entscheidet zu Jahresbeginn eine Kommission aus Fachleuten. Die Hengstpräsentation wie am Sonntag in Kleinmockritz läutet dann die Zuchtsaison ein. Die aus Freiberg, Döbeln, Hainichen, Meißen oder Leisnig kommenden Pferdehalter und suchen sich unter den Deckhengsten für ihre Stuten die Kandidaten für die optimalen Verpaarungen aus.

In Altzella stehen seit diesem Jahr neue Deckhengste wie der vielversprechende "Elixier". 2006 und '07 holte er den Titel Bundes-Champion, "wohlgemerkt zweimal in Folge", sagt Helmut Kuhring. "Das hat noch keiner geschafft." Der Deckstellenleiter von Altzella freut sich deshalb besonders, "Elixier" im Stall zu haben. Vor der Kutsche geht Schweres Warmblut hervorragend. Hengste wie "Elixier" sind züchterisch erfolgreich, wenn sie diese Veranlagung an den Nachwuchs weitergeben - und wirtschaftlich erfolgreich, wenn ihre Zeugungskraft von Stutenhaltern häufig abgefragt wird. "Elixier" bringt eine Decktaxe von 450 Euro.

Für Schweres Warmblut ist der Zuchtbereich Sachsen/Thüringen im Übrigen Hauptzuchtgebiet in ganz Deutschland, auch weil die Pferdezucht zu Zeiten des geteilten Deutschlands getrennte Wege ging. Kuhring: "In Westdeutschland wurde durch Einkreuzungen mit Englischem Vollblut einseitig auf Reitpferd-Qualitäten gezüchtet, nach dem Motto: Das Ziehen erledigen die Traktoren. Als dann Kremser wieder beliebt wurden, waren gute Zugpferde rar." - nicht aber in Sachsen und Thüringen. Dieser Zuchtbereich ist heute deutschlandweit für diese Rasse "zuchtzielbestimmend", wie das in der Fachsprache heißt.

Neben Schwerem Warmblut stehen in Altzella derzeit Hengste der Trakehner Abstammung, zudem Haflinger und Oldenburger. So einer ist "Rosenstein", in Kleinmockritz in Dressur vorgeritten vom Moritzburger Sattelmeister Falk Siebert. Seitengänge und fliegende Galoppwechsel müssen perfekt und geschmeidig kommen. "Nur ein wirklich guter Bereiter ruft die Veranlagungen des Pferdes optimal ab", weiß Kuhring. Er hat ebenfalls in Moritzburg gelernt. Ein fertig ausgebildeter Pferdewirt für Zucht und Haltung hängt weitere zwei Jahre Ausbildung dran, um als Bereiter eingesetzt zu werden. Für Prüfungs-Anwärter sind Präsentationen wie in Kleinmockritz Prüfsteine ihrer Ausbildung.

Nicht allein die optimale Präsentation ist in Kleinmockritz entscheidend. So liegen auf "Rosenstein" schon wegen seiner Vorfahren große Hoffnungen. Sein Vater "Romanov Blue Hors" wurde von Olympia-Reiter Edvard Gal geritten. Erst kürzlich für das Landgestüt Moritzburg angekauft, soll "Rosenstein" die Familiengene in Altzella reichlich weitergeben. Gedeckt wird hier im Natursprung, während anderswo besamt wird. Beim Deckakt bleibt nichts dem Zufall überlassen. Auf die Sicherheit der Tiere muss strengstens geachtet werden. Der Hengst darf die Stute zunächst nur über eine Bretterwand hinweg abschnuppern.

Kuhring: "Manche Deckhengste neigen zum Beißen. Die reißen der Stute Stücke aus der Mähne, wenn man nicht aufpasst." Manchmal reicht eine der Stute über die Mähne gelegte Decke. Hin und wieder gilt es jedoch, den Hengst zu disziplinieren - keine leichte und schon gar nicht ungefährliche Sache.

Auf der Hengstpräsentation am Beginn der jährlichen Zuchtsaison zeigen sich die Kandidaten jedoch von der Schokoladenseite. Erste Decktermine werden manchmal schon während der Veranstaltung vereinbart. "Dann sind die Pferde feierlich geputzt und eingeflochten", erläutert Kuhring. Eine Mähne schick zu flechten, dauert bis zu einer Stunde.

Anfang Mai folgen die Stutbuchaufnahmen für drei- bis vierjährige weiblichen Tiere. Die Saison endet im Juli mit der Fohlenschau. Da zeigen sich die Zuchterfolge von den Deckungen im Vorjahr, denn elf Monate sind Pferde trächtig. In Altzella füllt sich zur Fohlenschau die Klosterwiese mit Pferd und Mensch - ein Publikumsmagnet erster Güte. 2013 zeigt sich also in Altzella, was "Elixier" und "Rosenstein" hier zuwege gebracht haben. Doch Kuhring bremst die hohen Erwartungen an den männlichen Beitrag zur guten Veranlagung: "60 Prozent des Erbgutes bekommt ein Pferd vom Muttertier mit." Steffi Robak

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