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Die Spargelsaison in der Region Döbeln hat begonnen

Es spargelt wieder! Die Spargelsaison in der Region Döbeln hat begonnen

Die Spargelsaison hat begonnen – doch der Fröstel-Frühling macht den Bauern Sorgen. Sind Bodenheizungen die Rettung? Woher kommen die Erntehelfer? Und was kostet der Spargel in diesem Jahr? Ein Report von den Feldern rings um Leipzig.

Erntehelfer Beniamin-Sebastian aus Rumänien beim Spargelstechen auf dem Feld von Landwirt Andreas Schertenleib.

Quelle: Sven Bartsch

Mittelsachsen/Döbeln.  So richtig glücklich ist Landwirt Andreas Schertenleib derzeit noch nicht mit der Witterung. Der einzige Spargelbauer im Landkreis Mittelsachsen mit sechs Hektar Anbaufläche rund um Schmorren (Gemeinde Ostrau bei Döbeln) macht das Schaltjahr für die demnächst wieder aufziehende Kälte verantwortlich. „In den Schaltjahren spielt das Wetter immer verrückt. Es gibt zu viel Wind, es ist zu kalt und dann wieder Regen. Da wird nichts fertig, nichts wächst richtig“, hadert er mit Blick auf den Wetterbericht.

Am Freitag erst haben seine sieben rumänischen Saisonarbeiter mit dem Stechen der ersten Spargelköpfe begonnen. Schnell konnte Andreas Schertenleib die Hälfte von ihnen zur Bepflanzung eines anderen Feldes abziehen, wo der Spargel die nächsten beiden Jahre reifen muss, bevor er erstmals geerntet werden kann. Mehr als zehn bis 15 Kilo des „weißen Feldgoldes“ waren am ersten Erntetag noch nicht drin.

90 Prozent des Spargels wächst auf Sandboden

Das liegt einerseits an den kühlen Temperaturen – 20 Grad und Sonne wären für Andreas Schertenleib Wunschwetter –, andererseits aber auch am schweren Lehmboden, auf dem der 56-Jährige anbaut. Hier braucht der Spargel länger, soll aber dafür besser schmecken. „Der Boden ist eine Frage der Philosophie. 90 Prozent des Spargels wird in Sandboden angebaut. Der ist leichter zu bewirtschaften als Lehm und der Spargel wächst bei guten Bedingungen in Stunden. Dafür schmeckt dann alles gleich, weil der Sand dem Spargel nicht alle Nährstoffe gibt“, sagt Schertenleib. Der Lehmboden dagegen sei reichhaltiger, speichere das Wasser besser und sei einfacher auf biologische Weise zu führen, da er keine so hohe Nährstoffzufuhr von außen benötige.

2014 sind Schertenleibs endgültig auf biologischen Anbau umgestiegen. „Wir haben den mineralischen Dünger weggelassen und fahren jetzt nur noch Pflanzengülle raus“, sagt Elfi Schertenleib, die die gesamte Bürokratie und den Verkauf des Landwirtschaftsbetriebs unter ihren Fittichen hat. Schon seit 1995 sei der Spargel ohne jegliche Pflanzenschutzmittel angebaut worden, sagt sie, nun erfülle er auch offiziell alle Bio-Standards.

Die Kartoffeln sind verpackt, der frische Spargel liegt ab Montag bei Elfi Schertenleib in Pulsitz bei Döbeln in den Regalen

Die Kartoffeln sind verpackt, der frische Spargel liegt ab Montag bei Elfi Schertenleib in Pulsitz bei Döbeln in den Regalen.

Quelle: Sven Bartsch

Noch ist es ruhig auf dem Schertenleib-Hof in Pulsitz, nur rund 500 Meter von den Feldern entfernt, wo Elfi Schertenleib schon alles für den Verkaufsstart vorbereitet hat. Ab Montag soll der Hofladen mit dem ersten frischen Spargel öffnen. Schon seit zwei Wochen vertröstet sie immer wieder Kunden, dabei ist der Saisonstart Ende April ein ganz normaler. „2014 hatten wir mal einen Verkaufsstart schon in der ersten April-Woche, aber das war das einzige Mal in den 25 Jahren seit wir hier sind“, berichtet die Wormserin, die 1991 mit ihrem niedersächsischen Mann nach Pulsitz gekommen ist.

Am 24. Juni endet die Spargelsaison

Seither hat sich der Betrieb stetig weiterentwickelt, werden auch Mais, Weizen, Zwiebeln und Kartoffeln angebaut. Spargel spielte zu Beginn bei den Döbelnern gar keine Rolle. „Da haben wir Pionierarbeit geleistet. Es kam oft das Argument, wir essen eher Schwarzwurzel“, erinnert sich Elfi Schertenleib. Inzwischen lieben die Döbelner den Pulsitzer Spargel, der überall im Altkreis, aber auch in Freiberg, Chemnitz, Leipzig und Dresden zu haben ist. 22 bis 25 Zentimeter hat die ideale Spargelstange, meint die 52-Jährige. Holzige Enden gebe es bei den Stendaler Züchtungen, die auf Schertenleibs Felder kommen, nicht mehr. „Wer ein sehniges Ende hat, hat vielleicht nicht sorgfältig geschält. Man darf den Spargel auch nicht zu lange kochen, sonst fühlt es sich faserig an. Bissfest reicht völlig“, so die Fachfrau.

Am Johannistag am 24. Juni endet traditionell die Spargelsaison. Bis dahin wollen Schertenleibs wie bisher jedes Jahr die gesamte Ernte verkauft haben. Dafür kommt sogar extra Tochter Alexandra aus Worms für vier Wochen nach Hause, um zu helfen. Sie oder ihr Bruder Matthias sollen den Hof einmal weiterführen. Der Enthusiasmus für den Spargel ist in der Familie jedenfalls gegeben.

Hier gibt es den Spargel

Landwirtschaftsbetrieb Schertenleib (bei Döbeln) mit Hofladen (Am Wal 3, Ostrau, Ortsteil Pulsitz), Verkauf ab Montag, Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend 8 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertage 8 bis 12 Uhr, Marktstände in Döbeln, Hartha und Waldheim

Von Sebastian Fink

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