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Die Welt zu Gast in Hartha: Zwei Austauschschüler berichten

Mexiko und USA Die Welt zu Gast in Hartha: Zwei Austauschschüler berichten

Kian (16) aus den USA und Sofia (18) aus Mexiko sind seit einigen Wochen als Austauschschüler am Martin-Luther-Gymnasium Hartha. Die beiden haben sich bei ihren Gastfamilien in Meinsberg und Schönberg schon gut eingelebt, werden bekocht und bekommen Sprachunterricht. Ihre wichtigste Ansprechpartnerin ist Inez Bardehle – Lehrerin in Hartha und zugleich seit knapp zehn Jahren Betreuerin für Austauschschüler in Mitteldeutschland.

Inez Bardehle (l.) kümmert sich an der Schule um Sofia und Kian und besucht sie auch in ihren Gastfamilien.

Quelle: Sven Bartsch

Hartha. Seit dem Schulanfangswochenende Anfang September sind der Amerikaner Kian Speck und die Mexikanerin Sofia Fernandez in Hartha. Man könnte meinen, für die beiden, die aus Städten mit weit mehr als 100.000 Einwohnern stammen, ist die neue Umgebung ein kleiner Kulturschock: Hartha mit rund 8000 Einwohnern, die Wohnorte Schönberg und Meinsberg als kleine Orte in der Nähe. Kein Bahnhof, kein Kino, keine Einkaufspassagen. Doch weit gefehlt. „Ich mag Deutschland und ich mag es hier“, sagt Kian in erstaunlich flüssigem Deutsch und fügt auf auftretende Sprachprobleme angesprochen gleich hinzu: „Ich finde Deutsch nicht so schwer. Nur die vielen Artikel und Fälle muss man lernen“, meint er. Der 16-Jährige aus Billings im US-Bundesstaat Montana hat schon in der High School zwei Jahre lang Deutsch gelernt und fühlt sich von der Landschaft rund um Hartha an die Heimat erinnert. „Zuhause haben wir auch viele Bäume. Ich mag den Wald und die Natur. Und das Essen ist sehr gut“, fügt er an und grinst. Schnitzel, Eierkuchen und das dunkle deutsche Brot sind bereits zu Leib- und Magenspeisen geworden. Und die Oma bei den Gasteltern Eike und Steffen Schmid in Meinsberg kocht auf Wunsch auch die Lieblingslasagne von Kian.

Das Essen hat auch Sofia aus der 400.000-Einwohner Stadt Chihuahua im Norden Mexikos schnell begeistert. „Meine Gastfamilie ist die Beste“, schwärmt sie von Jana Conrad und Heiner Saupe in Schönberg. „Die Oma kocht – Bratwurst und Schnitzel ist my favorite“, sagt sie noch in einem Mix aus Deutsch und Englisch. Sofia hat die Schule in Mexiko bereits abgeschlossen und ist extra für ein Jahr nach Deutschland gekommen, um die Sprache zu lernen, bevor sie in der Heimat ein Studium beginnt. „Ich denke erst spanisch, dann englisch, dann deutsch“, sagt sie und lacht. Den Deutschunterricht besucht die 18-Jährige in der fünften Klasse des Gymnasiums, für alle anderen Fächer ist sie in die zehnte Klasse eingestuft worden. In den ersten acht Wochen in Deutschland hat sie jedoch schon große Fortschritte gemacht. Kian ist schon in der achten Klasse in Deutsch eingestiegen, inzwischen lernt er in der zehnten mit.

Organisiert wird der Aufenthalt über GIVE – den Gemeinnützigen Verein für internationale Verständigung, der seit Jahrzehnten Schüler aus aller Herren Länder nach Deutschland bringt. „Ich hatte schon Kinder aus Thailand, Italien, Frankreich, Dänemark, Finnland und vielen anderen“, erzählt Inez Bardehle. Die 56-Jährige ist seit 1982 Lehrerin für Russisch, Englisch und Geschichte am Harthaer Gymnasium und seit knapp zehn Jahren als Schulbetreuerin für GIVE im Einsatz. „Ich hatte damals schon einen amerikanischen Austauschschüler in meinen Klassen. Die frühere GIVE-Betreuerin suchte eine Nachfolgerin und hat mich dann auch eingearbeitet“, erklärt sie.

Zuständig ist sie aber nicht nur in Hartha und Umgebung. „Derzeit habe ich insgesamt fünf Schüler aus den USA und Mexiko hier. Neben Kian und Sofia ist je einer der anderen in Riesa, Torgau und bei Dresden untergebracht“, berichtet Bardehle. Drei Mal pro Schuljahr besucht sie die Schüler in ihren Gastfamilien, ist in ganz Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterwegs. Viel Fahrerei – aber auch viel Freude, sagt die engagierte Lehrerin. „In den Großstädten gibt es weitere Betreuer, ich bin für den ländlichen Raum zuständig. Es macht auch nach all den Jahren noch viel Spaß. Erst neulich habe ich im Opa einer Gastfamilie einen früheren Englischlehrer und Kollegen wieder erkannt.“

Gasteltern für die ausländischen Schüler zu finden, ist gar nicht so schwierig, auch wenn sie für die Aufnahme und Betreuung keinerlei Geld bekommen. „Viele haben erwachsene Kinder, die gerade aus dem Haus sind und wollen sich nicht so einsam fühlen. Von anderen sind die Kinder gerade im Ausland oder von dort zurückgekommen und sie wollen auch ausländischen Kindern diese Möglichkeit geben“, meint Bardehle. Tatsächlich hat die älteste Tochter von Sofias Gastfamilie kürzlich erst das Haus verlassen. Und Kian ist auf dem Moped seiner Gastgeschwister mit zur Schule fahren. Die Eltern beschäftigen sich in der Freizeit ausgiebig mit ihren Gastkindern. „Mein Gastvater lernt mit mir nach der Schule Deutsch aus einem Schulbuch. Das hilft mir, schneller zu lernen“, freut sich Sofia. Gemeinsame Ausflüge bringen den Jugendlichen das Land näher.

Für die Austauschschüler ist die Erfahrung in Deutschland unbezahlbar. „Sie lernen nicht nur die Sprache, sondern sammeln Erfahrungen mit ausländischen Kindern an einer fremden Schule. Das Gleiche gilt für die Gasteltern, die ihren Horizont erweitern“, sagt Bardehle. Der Unterricht am Harthaer Gymnasium ist für Sofia und Kian noch gewöhnungsbedürftig. „Hier gibt es ständig anderen Unterricht. Das ist etwas verwirrend für mich“, meint Kian. „In meiner Schule zu Hause haben wir immer nur ein Fach an einem Tag. Hier muss ich mich schneller umstellen“, erklärt er.

Doch noch halten sich zumindest die Hausaufgaben in Grenzen. Auch mit Schulnoten werden beide noch bis Weihnachten verschont. So bleibt mehr Zeit, sich einzugewöhnen und etwas mit der schnell lieb gewonnenen Familie zu unternehmen. Wie sehr Integration durch den Magen geht, erklären beide unisono so: In der Schulkantine lassen sie sich mittags nie blicken. „Ich warte lieber auf Omas Essen“, sagt Sofia und Kian nickt lächelnd beim Gedanken an seine deutsche „Grandma“.

Sebastian Fink

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