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Diebe räumen Leisniger Bahnhof aus

Dreiste Einbrecher Diebe räumen Leisniger Bahnhof aus

Der Bahnhof von Leisnig ist Zielobjekt von Menschen, die es mit der Achtung von anderer Leute Eigentum nicht genau nehmen: Einbrecher räumen gezielt das Mobiliar aus. Der Eigentümer stattete die Räume mit alten Möbeln aus, mit Bildern und Skulpturen moderner Künstler. Über den Eingriff in seine Privatsphäre ist er entsetzt. Die Diebe bauten sogar die Schlösser aus.

Der Leisniger Bahnhof, in Privatbesitz befindlich, ist zum Zielobjekt für dreiste Diebe geworden.

Quelle: Sven Bartsch

Leisnig. Der Bahnhof von Leisnig ist erneut zum Zielobjekt von Menschen, die es mit der Achtung von anderer Leute Eigentum nicht genau nehmen: Einbrecher räumen gezielt das Mobiliar aus. Der Eigentümer des Objektes, Erwin Feurer, stattete die Räume, die einen gewissen maroden Charme versprühen, teils mit alten Möbeln aus, teils mit Bildern und Skulpturen moderner Künstler. Der Öffentlichkeit gewährt er zu geeigneten Anlässen beziehungsweise auf Absprache Zugang zum Objekt.

Die großen Fenster gewähren vom Bahnsteig aus Einblicke in das durch die Kombination von rohen Ziegelwänden und antikem Mobiliar eigentümlich anmutende Interieur: Feurer hat nichts zu verbergen. Das nehmen bisher unbekannte Akteure offenbar zum Anlass, sich ungeniert an seinem Eigentum zu bedienen. Als er im September in Leisnig war, fehlten im Außenbereich die schweren Gartentore vom Bahnhofsgelände.

Schlösser gleich ausgetauscht

In den zwei darauffolgenden Wochen verschwanden Möbel, darunter eine 300 bis 400 Kilogramm schwere Kommode. Dreist dabei: Die Diebe bauten die alten Schlösser aus und gleich neue ein. Das veranlasst Feurer zu der Vermutung, dass weitere Raubzüge geplant sind, zu denen die Diebe dann nicht erst „einbrechen“, sondern gleich ganz bequem aufschließen wollen. Ihm falle auf, dass sehr selektiv gestohlen werde, als ob jemand die Dinge genau so weg nimmt, wie sie anderswo einen neuen Zweck erfüllen könnten.

„ Es wird laufend eingebrochen im Bahnhof Leisnig mit einer Ungeniertheit und Frechheit, die ich noch nie gesehen und erlebt habe. Mitgenommen beziehungsweise gestohlen wird, was gebraucht wird“, schätzt der Eigentümer des Gebäudes und der gestohlenen Sachen. Möglicherweise werden manche Dinge zum Zwecke der Geldbeschaffung weiter verkauft. Oder sie wechseln stattdessen lediglich an einen anderen Standort, in einem anderen Haushalt oder auf eine Baustelle.

Ungebeten in privatem Raum

Nicht allein Möbel wie besagte Kommode, ein Nachtschränkchen, ein Wandregal sowie Bilder verschwinden vom Bahnhof. Auch Kabelrollen, Baumaterial, eine Schubkarre, im Außenbereich Teile des Baugerüstes sowie die Gartentore gehören zum Diebesgut. Da bediene sich jemand allumfassend. Dass es demjenigen nicht bewusst sein könnte, dass er sich an fremdem Eigentum vergreift, kann sich Feurer nicht vorstellen. Durch den Kabelklau ist mittlerweile der für den Bahnhofsvorplatz installierte offene W-Lan-Hotspot nun außer Betrieb.

Mit der Fotoveröffentlichung hofft Feurer auf eine gewisse Sensibilisierung in der Öffentlichkeit, wo sein Eigentum wieder auftauchen könnte. Insgesamt schätze er den entstandenen Schaden auf rund 1000 Euro. „Der immaterielle Schaden ist jedoch viel höher, denn es handelt sich um einen enormen Eingriff in meine Privatsphäre. Diese fremden Leute bewegen sich ungebeten in privatem Raum.“

Polizei stellt nach Anzeige im Mai Ermittlungen ein

Die Polizei interessiere sich nach seinem Eindruck leider wenig beziehungsweise mit wenig Erfolg für die Einbrüche sowie weitere, bereits vorangegangene Delikte rund um den Bahnhof. Vor einem knappen halben Jahr wurde zuletzt nach Schmiererein an Bahnhofsaußenwänden wegen der Verwendung verfassungswidriger Symbole gegen Unbekannt ermittelt (DAZ berichtete). Diese Ermittlungen wurden ergebnislos eingestellt. Feurer stellt in dem Zusammenhang fest: „Der Leisniger Bahnhof ist ein Ort der Auseinandersetzung, an welchem Menschen mit gegensätzlichen politischen Überzeugungen versuchen, ihr Territorium zu beanspruchen.“ In welchen Graffiti beziehungsweise Schriftzügen sich das äußert, hat er zweimal, in einem größeren Abstand, dokumentiert und in Bildbänden publiziert.

Nachbargrundstück gekauft, Gärtner dürfen bleiben

Verloren gibt Feurer den Bahnhof keinesfalls, der im Oktober 2017 auf 150 Jahre seines Bestehens zurück blickt. Er habe die Verantwortung für den Bahnhof übernommen und nehme diese auch wahr mit der ihm dafür zur Verfügung stehenden Kraft. Bei seinem jüngsten Leisnig-Besuch in der vergangenen Woche, als er unter anderem die Stadtratssitzung besuchte, habe er guten Kontakt zu den Ratsmitgliedern gehabt.

Er sehe weiterhin in dem Bahnhof Entwicklungspotenzial, unter anderem in den Bemühungen einer Gruppe junger Leute im Vicky Rennert, die sich echt bemühe, im Bahnhof etwas Gutes zu bewegen. Im Frühjahr kaufte Feurer zudem reichlich 5000 Quadratmeter Gartenparzellenland unmittelbar neben dem Bahnhof dazu.

Zum großen Teil noch bewirtschaftet, unter anderem von früheren Eisenbahn-Mitarbeitern, möchte er diesen Menschen ihr dortiges Refugium gern lassen. Es stärke den Bahnhof, wenn Menschen an der Gestaltung seines Umfelds unmittelbar teilhaben. Er selbst habe zuletzt in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde das Dach abdichten lassen.

Von Steffi Robak

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