Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Diebstahl im Nahkauf Waldheim: 18-Jähriger sitzt mit Handschellen vor Richterin
Region Döbeln Diebstahl im Nahkauf Waldheim: 18-Jähriger sitzt mit Handschellen vor Richterin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:52 15.12.2016
Quelle: Mario Jahn
Döbeln/Waldheim

Wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls stehen ein 18-jähriger Jugendlicher und ein 30-jähriger Mann in Döbeln vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, in einen Nahkauf-Markt in Waldheim eingebrochen zu sein und Waren für 516 Euro gestohlen zu haben. Weil ein vermutlich wichtiger Zeuge fehlte, setzte Richterin Marion Zöllner das Verfahren aus.

An dieser Stelle könnte die Berichterstattung über den Fall vorerst enden – wenn sich im großen Gerichtssaal nicht sehr ungewöhnliche Szenen abgespielt hätten. Zunächst führten Justizvollzugsbeamte den erst vor wenigen Tagen 18 Jahre alt gewordenen Angeklagten Kevin R.* mit Handschellen herein und nahmen ihm diese auch während der Verhandlung nicht ab. Sein Pflichtverteidiger, Anwalt Bernd Näkel aus Mittweida, setzte sich nicht wie üblich neben seinen Mandanten, sondern in die Besucherreihen. Mit der Begründung: „Ich setze mich hier hin, weil mein Mandant sehr aggressiv ist. Und ich möchte nicht derjenige sein, der das zu spüren bekommt.“ Kevin R. hielt den Kopf meist gesenkt, den Blick stur auf die Anklagebank gerichtet. Zurzeit verbüßt er eine Haftstrafe in der JVA Regis-Breitingen. Der 18-Jährige machte klar, dass er mit der Person seines Pflichtverteidigers nicht einverstanden ist. Nach mehrmaliger Nachfrage von Richterin Zöllner, sagte er, warum: „Kein Vertrauen. Befangenheit.“ Darauf Anwalt Näkel: „Wenn er kein Vertrauen zu mir hat, dann soll er seine rechtlichen Möglichkeiten ergreifen und einen anderen Pflichtverteidiger nehmen.“ Im Vorfeld des Verhandlungstermins habe sich Kevin R. zu keinem Zeitpunkt mit Näkels Kanzlei in Verbindung gesetzt. Der Rechtsanwalt: „Mir ist eine Verteidigung lieber, wenn ich ein gutes Verhältnis zu meinem Mandanten habe.“ Grundsätzlich sehe er sich aber in der Lage, den 18-Jährigen zu verteidigen.

Richterin Marion Zöllner zog sich mit ihren Schöffen kurz zurück, um dann zu verfügen: „Es gibt keine ersichtlichen Gründe, Rechtsanwalt Näkel zu entbinden. Die vom Angeklagten vorgebrachten Gründe sind nicht nachvollziehbar.“ Vorher hatte Zöllner erklärt, dass Kevin R. viel früher Gelegenheit dazu hatte, sich um einen anderen Pflichtverteidiger zu bemühen, diese jedoch nicht nutzte.

Staatsanwalt Länge verlas mit der Anklageschrift, was die Diebe in der Nacht des 25. November des vorigen Jahres alles aus der Nahkauf-Filiale an der Waldheimer Hechtstraße mitgehen ließen, nachdem sie deren Tür aufgehebelt hatten: hunderte Zigaretten, Zigarren und Zigarillos, Tabak, Whisky, Energie-Getränke, Hähnchenschnitzel und -filets. Alles in allem Waren für 516,22 Euro. Auf frischer Tat ertappt wurde niemand. Doch die Polizei ermittelte Kevin R. und seinen in Waldheim lebenden 30 Jahre alten Freund als Tatverdächtige, weshalb diese nun wegen gemeinschaftlichen Diebstahls vor Gericht stehen. Beide bestreiten, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Weil ein offenbar wichtiger Zeuge trotz Ladung nicht zur Verhandlung kam, setzte Richterin Zöllner diese aus. Anfang des nächsten Jahres soll es weiter gehen.

Rechtsanwalt Bernd Näkel nutzte das für ein Angebot: „Ich muss hier kein Mandat führen. Ich verzichte auf alle bisher angefallenen Gebühren und der Angeklagte kann sich gern einen neuen Pflichtverteidiger suchen. Dieser hätte dann auch genug Zeit, sich in den Fall einzuarbeiten.“ Dazu Richterin Zöllner: „Wir sind hier nicht bei wünsch’ dir was. Aber ich prüfe das.“

Von Olaf Büchel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Eigentlich könnte die Gemeinde mehr Geld von den Eltern nehmen, die ihre Kinder in Krippe, Kindergarten oder Hort betreuen lassen. Denn der gesetzliche Rahmen gibt mehr her. Aber vorerst verzichtet die Kommune darauf, die Elternbeiträge zu erhöhen.

Obwohl immer weniger Flüchtlinge nach Mittelsachsen kommen, muss der Kreis nun doch in die eigene Tasche greifen. Es kostet schließlich auch Geld, Platz für 6000 Asylbewerber zu schaffen, selbst wenn diese dann gar nicht kommen.

Döbeln Ersatzbau nach Schließung Bahnübergang Trebanitz - Bahn baut Verbindungsweg von Münchhof zur B 169

Glückliche Fügung für Ostrau und die Landwirte: Weil die Deutsche Bahn den Bahnübergang in Trebanitz, über den ein landwirtschaftlicher Feldweg führt, schließen will, baut sie auf eigene Kosten einen asphaltierten Ersatzweg von Münchhof bis zur B 169 und schenkt ihn der Kommune.

13.12.2016