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Diebstahl in Ostrau: 30-Jähriger bleibt Haft erspart

Tabak, Notebook, Eingewecktes Diebstahl in Ostrau: 30-Jähriger bleibt Haft erspart

Manche Leute nehmen es nicht so genau mit dem Eigentum ihrer Mitmenschen. Fahren Autos zuschanden, die ihnen nicht gehören, stehlen Zeug für 600 Euro aus dem Auto. am Dienstag trafen sich die beiden im Amtsgericht Döbeln wieder: Sie (30) auf der Anklagebank und er (33) auf dem Zeugenstuhl.

Die eine maust Zeug aus dem Volvo, ihr Bekannter fährt das Auto zuschanden. Sie war des Diebstahls angeklagt, er musste zunächst als Zeuge aussagen.
 

Quelle: Archiv

Döbeln/Ostrau.  Das Auto weg, weil Leute mit einem gestörten Verhältnis zum Eigentum anderer damit eine Spritztour machen. Dann ist auch noch der Turbolader durchgefeuert, die Reparatur kostet mindestens 1200 Euro. Und dann fehlt da noch jede Menge Zeug aus dem Auto: Ein Notebook, ein Kanister mit Kraftstoff, sechs Päckchen mit Tabak, zwei große Kartons mit Einweckgläsern und ein paar Gesundheitssandalen. Gesamtwert knapp 600 Euro. Diesen kleinen Alptraum eines jeden Autofahrers erlebte Ralf P.*. Die Ermittlungen der Polizei lenkten den Tatverdacht auf Susanne W.. Zum Beispiel den Tabak fanden die Beamten bei ihr. Die 30-Jährige hatte den Autoschlüssel in der Wohnung ihrer Mutter gefunden, bei der sich Ralf P. aufhielt. Mit dem gelangte sie in das Firmen-Fahrzeug, einen Volvo mit polnischen Kennzeichen.

Unabkömmlich: Beim ersten Prozess gerade in Haft

Dafür wollte ihr die Staatsanwaltschaft Chemnitz bereits im Mai den Prozess im Amtsgericht Döbeln machen, hatte die 30-Jährige des Diebstahls angeklagt. Aber sie kam nicht zur Verhandlung. Also verurteilte Strafrichterin Christa Weik die junge Frau auf Antrag der Staatsanwaltschaft im Strafbefehlsverfahren zu vier Monaten bedingter Haft. Sieht ein Strafbefehl bedingte Haftstrafen vor, muss das Gericht der so Verurteilten einen Pflichtverteidiger beiordnen. Das tat es in Fall von Susanne W. und bestellte den Döbelner Rechtsanwalt Thomas H. Fischer. Der wiederum klärte mittels einfacher Logik, wieso die Frau im Mai nicht zur Verhandlung kam. Naheliegend war bei ihren Vorstrafen ein Gefängnisaufenthalt und für Frauen gibt es nur eine JVA in Sachsen – die in Chemnitz. Dort hatte Susanne W.* im Mai eingesessen. Außerdem legte Rechtsanwalt Fischer in Namen seiner Mandantin Einspruch gegen den Strafbefehl ein.

Belastend: Zeuge sagt gegen Angeklagte aus

Und so traf man sich am Dienstag im Saal 203 des Döbelner Amtsgerichtes erneut zur Hauptverhandlung. Diese ergab unter anderem, dass die 30-Jährige den Fahrzeugschlüssel an einen 33-jährigen Döbelner weitergab, der strafrechtlich auch nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt ist. Die Frau will er erst am Abend des 24. April 2015 kennengelernt haben, als sich der Diebstahl ereignete. Er habe sie mit einem Kumpel besucht. „Ich wollte zu meiner Freundin nach Magdeburg fahren, die hatte Geburtstag. Frau W. sagte, ich habe ein Auto und gab mir den Schlüssel“, sagte der Mann. Den Volvo brachte er nicht zum vereinbarten Termin zurück. Die Polizei stoppte ihn. Der Wagen war bereits zur Fahndung ausgeschrieben. Er habe verschlafen, drei lange Tage verschlafen, gab der Zeuge als Grund an. Er sagte auch, dass es Susanne W. war, die die Sachen aus dem Auto genommen hatte. Da stand es auf dem Parkplatz und für Rechtsanwalt war unklar, wie eine Frau alleine das ganze Zeug vom Auto wegschleppen konnte. Darum zunächst der Einspruch gegen den Strafbefehl. Den nahm die Angeklagte dann aber nach Beratung mit ihrem Anwalt zurück. Zwar hätte man getrost noch einige Tage weiterverhandeln können.

Ärgerlich: Geschädigter bleibt auf Schaden sitzen

Aber: „Bei ihren Vorstrafen ist dann ein Zeitpunkt erreicht, wo Sie eine unbedingte Haftstrafe bekommen“, verdeutlichte Richterin Weik der Frau, was dabei hätte rauskommen können. Also bleibt es jetzt bei den vier Monaten bedingter Haft. Zwei Jahre dauert die Bewährungszeit, 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit und der Unterstellung unter die Aufsicht eines Bewährungshelfers. Richtig doof ist allerdings, dass Ralf P. den Schaden wohl nie ersetzt bekommen wird. Zwar könnte erfolgreich per Zivilklage gegen die Leute vorgehen die mit seinem Auto Schindluder getrieben haben. Aber Geld würde er von denen wahrscheinlich nie sehen.

*Namen geändert

Von Dirk Wurzel

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