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Dirk Polster unterrichtet jetzt an der Förderschule in Döbeln

Vom Chefzimmer an die Schultafel Dirk Polster unterrichtet jetzt an der Förderschule in Döbeln

Schon sein ganzes Berufsleben lang hat Dirk Polster mit Kindern- und Jugendlichen zu tun. Die letzten fast 20 Jahre war Führungskraft. Nun hat der 48-Jährige einen neuen Weg eingeschlagen. Dirk Polster ist einer der zahlreichen Seiteneinsteiger, die mit Schuljahresbeginn an Schulen in Sachsen die Lücken in den Lehrerkollegien schließen sollen.

Zurück in die Schule: Dirk Polster (48) hat vor zweieinhalb Jahrzehnten schon einmal an einer Förderschule gearbeitet, jetzt kehrt er zu diesen Wurzeln zurück und hängt seinen Leitungsjob an den Nagel.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Schon sein ganzes Berufsleben lang hat Dirk Polster mit Kindern- und Jugendlichen zu tun. Die letzten fast 20 Jahre hat er als Führungskraft gearbeitet. Nun hat der 48-Jährige einen neuen Weg eingeschlagen. Aus dem Offizier wird wieder ein Soldat und noch dazu ein glücklicher.

Dirk Polster ist einer der zahlreichen Seiteneinsteiger, die mit Schuljahresbeginn an Schulen in Sachsen die Lücken in den Lehrerkollegien schließen sollen. In der Döbelner Region ist er bekannt, wie ein bunter Hund. Er war viele Jahre als hauptberuflich als Koordinator für den Kinder- und Jugendschutz im Landkreis Döbeln zuständig. Der Landkreis hatte diese Aufgabe zur Volkssolidarität ausgegliedert. Ehrenamtlich beriet er zudem im Kinder- und Jugendhilfeausschuss des Kreistages mit und er kennt die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe aus dem Effeff. Nach der Gründung des Landkreises Mittelsachsen flossen die Gelder für die Koordinatorenstelle nicht mehr so selbstverständlich. Die Finanzierung war immer befristet. Die Befristungszeiträume wurden kürzer. Das nervte. Die Volkssolidarität gab deshalb die Verantwortung für den Kinder- und Jugendschutz an den Landkreis zurück und Dirk Polster leitete fortan den Bereich Kindereinrichtungen des Kreisverbandes der Volkssolidarität und war für sechs Kindereinrichtungen in der Region verantwortlich. „Ich habe diese Aufgaben bis zum letzten Arbeitstag am 31. Juli mit Freude und Begeisterung gemacht. Ich war 19 Jahre sehr gern bei der Volkssolidarität, weil ich einfach gern mit Menschen arbeite, egal ob jung oder alt, dick oder dünn“, sagt er überzeugt. Doch nach einem Führungswechsel beim Kreisverband veränderten sich auch seine Aufgaben. Ich habe überlegt, ob ich in meiner Tätigkeit neu anfange oder noch mal ganz von vorn, etwas völlig anderes mache“, beschreibt er die Idee. Er rief bei der Sächsischen Bildungsagentur an und bewarb sich zielgerichtet als Lehrer für die Förderschule. „Ich habe über die Jahre immer gut mit den Förderschulen in Döbeln und Waldheim sowie mit der Regenbogenschule zusammengearbeitet. Durch die Projekte, die ich dabei betreute, kannte ich viele Problemlagen der Schüler bereits und dachte mir, hier wäre ein guter Platz für einen beruflichen Neustart“, schildert er.

Ganz Novize im Lehrerberuf ist Dirk Polster allerdings nicht. Zu seiner Ausbildung als Heimerzieher aus DDR-Zeiten gehörte damals auch eine Lehrbefähigung in einem Unterrichtsfach. Drei Jahre lang arbeitete Dirk Polster schließlich von 1990 bis 1993 als Lehrer für Kunsterziehung an der Förderschule in Mischütz. Als diese geschlossen wurde, wechselte er als Erzieher ins Kinderheim Gärtitz und danach als Leiter des Jugendclubs „Ostblock“ in Döbeln-Ost zur Volkssolidarität, die Träger des Clubs war. Berufsbegleitend machte Dirk Polster in der Zeit das Abitur und schloss ein Studium der Erziehungswissenschaften, der Psychologie und der Rechtswissenschaften ab.

Seit Schuljahresbeginn ist der 48-Jährige nun ein Neulehrer an der Schlossbergschule. Er unterrichtet Fünft- bis Neuntklässler in Informatik, gibt Mathematik in der fünften und der neunten Klasse sowie Werken in Klasse fünf. 25 Unterrichtsstunden pro Woche stehen für ihn auf dem Stundenplan. Noch einmal 25 Stunden sitzt er zuhause, um seinen Unterricht vorzubereiten. Die Lehrerkollegen und die Schulleitung unterstützen ihn. „Meine Frau und ein großer Teil unseres Freundeskreises sind Lehrer. Mein Tochter hat gerade das Abitur in der Tasche, mein Sohn Philipp geht in die neunte Klasse am Gymnasium. Schule gehört also bei uns zum Leben“, sagt er überzeugt. Seine Frau und die beiden Kinder seien seine besten Ratgeber für guten Unterricht. Dennoch ist er ganz froh, dass der Freistaat gerade noch damit beschäftigt ist, die Grundlagen für die berufsbegleitende Ausbildung der Neulehrer zu erarbeiten. Denn wenn jetzt zum Unterricht und der aufwendigen Unterrichtsvorbereitung noch eine berufsbegleitende Weiterbildung käme, würden Seiteneinsteiger wie er schnell an Belastungsgrenzen kommen. „Ich wusste aber, was auf mich zukommt und bin gerne ein Lernender und ein Lehrender.“

Viel Erfahrung für seinen Unterricht bringt Dirk Polster aus dem bisherigen Berufsleben mit. Mit Informatik etwa hatte er auch bei der Volkssolidarität viel zu tun. „Die Herausforderung ist, das Wissen jetzt für die Schüler herunterzubrechen. Die Methodik der Wissensvermittlung ist sehr spannend für mich. Da sind Kollegen, Frau und Freunde eine große Hilfe“, schildert er. Auch von seinen Schülern könne er viel lernen, stellt er mit Begeisterung fest.

Von Thomas Sparrer

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