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Diskoleuchte kriegt Beine: Vorbestrafter Dieb steht erneut vor Gericht

Justiz Diskoleuchte kriegt Beine: Vorbestrafter Dieb steht erneut vor Gericht

Ein 33-Jähriger soll eine LED-Leuchte vom Döbelner Weihnachtsmarkt geklaut haben. Die Polizei brauchte den Tatverdächtigen in diesem Fall nicht erst zu ermitteln, sondern nur einsacken. Zeugen hatten ihn bereits festgesetzt. Nun stritt er im Amtsgericht den Tatvorwurf ab. Als die Richterin das Urteil sprach, weinte er. Aber nicht vor Freude.

Weil er ein LED-Lichtband vom Döbelner Weihnachtsmarkt geklaut haben soll, stand ein 33-Jähriger vor Gericht. Er bestritt den Tatvorwurf.

Quelle: picture alliance / dpa

Döbeln. Ein LED-Lichtband bekam am 7. Dezember 2016 zuerst Beine und dann Räder. Zwei junge Männer, so die Anklage der Staatsanwaltschaft Chemnitz, sollen das etwa einen halben Meter lange Teil vom Festzelt abmontiert haben, das an der Eisbahn stand. Als es der eine ab hatte, habe er es dem anderen in den Rucksack gesteckt. Auf Fahrrädern seien die Diebe dann geflohen. Rund 300 Euro kostet so eine Leuchte.

„Wir waren auf dem Weihnachtsmarkt, dann habe ich die Fahrräder geholt. Wir sind zum Ostbahnhof gelaufen und er hatte die ganze Zeit die Leuchte in der Hand“, sagte der Angeklagte, ein 33-Jähriger aus Döbeln. Am Ostbahnhof sei sein Kumpel in den Bus gestiegen und habe ihm die Lampe in die Hand gedrückt. „Mein Mandant wusste nicht, dass sie gestohlen war“, sagte Rechtsanwalt Thomas H. Fischer, der den Döbelner verteidigte. Wer Zeug nimmt, von dem er weiß, dass es geklaut ist, macht sich der Hehlerei strafbar. Diesem Vorwurf wollte der Anwalt seinen Mandanten wohl nicht unnötig aussetzen. Am Ostbahnhof trafen denn auch die Verfolger ein. „Sie haben mich vom Fahrrad gezogen und zu Boden geworfen“, schilderte der Angeklagte.

Zeuge angeblich nicht glaubwürdig

„Ja, ich habe ihn vom Rad gezogen“, sagte ein 26-Jähriger Döbelner. Er berief sich auf das Festnahmerecht für Jedermann, geregelt in Paragraf 127 Strafprozessordnung. Wer jemanden bei einer Straftat ertappt, darf ihn solange festhalten, bis die Polizei eintrifft und die Personalien feststellt. Der 26-Jährige hatte gemeinsam mit Freunden beobachtet, wie sich zwei Leute an dem LED-Lichtband zu schaffen machten, wie es der eine dem anderen in den Rucksack steckte und wie er denjenigen dann am Ostbahnhof vom Rad gezogen hatte – mit der Diskoleuchte im Rucksack. Er hatte die beiden zu Fuß verfolgt, DJ Rocco kam im Auto hinterher und hatte bereits die Polizei gerufen.

Rechtsanwalt Fischer hatte Probleme mit der Aussage dieses Zeugen. Leichte Abweichungen in dessen Angaben waren für den Verteidiger schwerwiegende Widersprüche. So zum Beispiel die Tatsache, dass der 26-Jährige erst ziemlich spät in seiner Vernehmung vor Gericht eingeräumt hatte, mit dem Rücken zum Tatgeschehen gesessen zu haben. „Es rief jemand: hey da machen sich welche an der Lampe zu schaffen. Da habe ich mich umgesehen und über die Schulter die zwei Leute beobachtet“, erklärte der Zeuge, dass er sehr wohl etwas gesehen habe. Rechtsanwalt Fischer reichte das nicht. Ihm zufolge ist der Sachverhalt alles andere, als aufgeklärt. Zumal das Gericht auch darauf verzichtete, zwei weitere Zeugen zu hören, die seinen Mandanten womöglich hätten entlasten können.

Schon gesessen und zur Tatzeit auf Bewährung draußen

Ein Blick auf dessen Vorstrafenregister schafft Klarheit, weshalb der 33-Jährige und sein Verteidiger mit einiger Vehemenz versuchten, den Tatvorwurf vom Tisch zu fegen: Der Mann ist fünfmal wegen Diebstahls vorgeahndet, hat deswegen bereits gesessen und stand unter Bewährung, als er nach Ansicht von Strafrichterin Magdalena Richter die Diskoleuchte klaute. „Die Einlassung des Angeklagten halte ich für eine blanke Schutzbehauptung. Ich bin genauso wie die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass die beiden Zeugen gesehen haben, wie zwei Leute an der Bude standen, einer die Leuchte abschraubt und dem anderen in den Rucksack steckt“, sagte sie, als sie ihr Urteil begründete: Drei Monate Haft ohne Bewährung. Der Angeklagte weinte dabei. Für ihn geht es um mehr, als drei Monate, sollte das Urteil rechtskräftig werden. Dann droht ihm der Widerruf der Bewährung und er fährt zusätzlich noch für fünf Monate ein. Zu dieser Strafe hatte ihn das Amtsgericht Chemnitz 2014 wegen Diebstahls verurteilt. Sein mutmaßlicher Komplize ist derzeit untergetaucht, weshalb der 33-Jährige am Montag allein auf der Anklagebank saß.

Von Dirk Wurzel

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