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Döbeln Döbeln: 250 Jobs bei Erntebrot gesichert
Region Döbeln Döbeln: 250 Jobs bei Erntebrot gesichert
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00:18 18.11.2016
Wie im letzten Jahr zeigen Erntebrotmitarbeiter (hier Steffen Höning und Michael Hass) am Sonnabend, wie der beliebte Erntebrot-Stollen gebacken wird.  Quelle: Sven Bartsch/Archiv
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Döbeln

 Die Döbelner Bäckerei Erntebrot ist gerettet. Die Sanierung des Betriebes steht vor dem Abschluss. Im seit März laufenden Insolvenzsplanverfahren sind die aktuell 250 Arbeitsplätze des Unternehmens jetzt wieder sicher. Das Insolvenzplanverfahren soll zum Jahresende abgeschlossen werden. Damit könnte Erntebrot ab 2017 wieder in eigener Regie arbeiten.

„Wir liegen im Plan und beabsichtigen das Verfahren durch eine Insolvenzplanlösung zu beenden“, sagt dazu der Döbelner Rechtsanwalt Stefan Ettelt, dessen Kanzlei die Sanierung des Döbelner Betriebes maßgeblich betreut. Die Kanzlei gehört mit bundesweit mehr als 107 begleiteten Insolvenzverfahren zu den führenden Kanzleien für moderne gerichtliche Sanierungsverfahren.

Noch im November soll der Insolvenzplan eingereicht werden. Dabei handelt es sich um einen mit den wichtigsten Gläubigern und dem Gläubigerausschuss abgestimmten Vergleichsvorschlag. Darin wird sich über einen Fortbestand des Unternehmens mit entsprechenden Verpflichtungen geeinigt. Der Insolvenzplan soll noch in diesem Jahr den Gläubigern vorgelegt werden. Erhält der Plan die Zustimmung, was sehr wahrscheinlich ist, wäre das Insolvenzverfahren praktisch beendet und Erntebrot könnte das gerichtliche Sanierungsverfahren Anfang 2017 verlassen.

In enger Abstimmung mit dem gerichtlich eingesetzten Sachwalter, dem Chemnitzer Rechtsanwalt Dr. Dirk Herzig von der bundesweit tätigen Kanzlei Schultze & Braun erarbeiteten die Erntebrot-Geschäftsführer Elke Lehmann und Alexander Großmann gemeinsam mit den Sanierungsexperten der Kanzlei Kulitzscher & Ettelt ein Sanierungskonzept für den angeschlagenen Bäckereibetrieb. Dieses Konzept wurde weitgehend umgesetzt, nachdem der Gläubigerausschuss zugestimmt hatte. Erntebrot hat damit in den letzten Monaten eine Roßkur durchlaufen. Das Filialnetz wurde seit März von 74 Geschäften auf 39 verkleinert. Daraus ergeben sich optimierte Fahrwege und eine kleinere Fahrzeugflotte bei der Belieferung der Läden. Die Reduzierung der Filialen kostete allerdings auch 90 Arbeitsplätze.

„Viele ehemalige Filialen wurden von regionalen Mitbewerbern übernommen. In vielen Fällen ist es dabei auch gelungen, dass unser Personal zu den neuen Betreibern wechseln konnte“, schildert Erntebrot-Geschäftsführerin Elke Lehmann.

Die Krise bei dem Döbelner Traditionsunternehmen resultierte insbesondere aus einem verschärften Wettbewerb und einer geänderten Geschäftspolitik verschiedener Supermarktketten, die auf eigene Backshops setzen, statt auf das Bäckerhandwerk in der Vorkassenzone. Die Erntebrot-Geschäftsführung hatte hierauf bereits im Jahr 2015 reagiert und die ersten Sanierungsschritte eingeleitet. Damals wurden schon über 30 unrentable Filialen geschlossen. Allerdings belasteten etwa länger laufende Mietverträge noch das Betriebsergebnis. Nach intensiver Abwägung aller weiteren Sanierungsmöglichkeiten hatten sich die Geschäftsführer Alexander Großmann und Elke Lehmann schließlich im März dazu entschieden, beim Amtsgericht Chemnitz einen Antrag auf Eröffnung eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung zu stellen, um die bereits eingeleitete Sanierung im Rahmen dieses Verfahrens zu Ende zu führen.

„Wir danken, dem Sachwalter Dr. Dirk Herzig, der Kanzlei Ettelt und unseren Kunden und Lieferanten für ihre Unterstützung bei unserem Weg“, so Elke Lehmann. Mit Unterstützung vieler Partner, unter anderem der Döbelner Stadtwerke, lädt Erntebrot am Sonnabend zum 16. Mal zum Tag der offenen Tür ein. Dabei können Kinder wieder Plätzchen backen, lassen sich die Erntebrot-Mitarbeiter von den Besuchern beim Backen von Brot und Stollen über die Schulter schauen und gibt es einen regionalen Weihnachtsmarkt auf dem Betriebsgelände. Für Unterhaltung sorgen zudem Böttcher und Fischer mit ihrer Show.

Von Thomas Sparrer

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