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Döbeln: Amtsgerichtsdirektor Dominik Schulz nun auch Vizepräsident

Döbeln: Amtsgerichtsdirektor Dominik Schulz nun auch Vizepräsident

Justiz kann eine ernste Sache sein, sie muss es aber nicht. Das weiß, wer mal eine Verhandlung verfolgt hat, die Dr. Dominik Schulz leitet. Das hat Unterhaltungswert.

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Damit er abends seiner Tochter noch ein paar Zeilen aus dem Kinderbuch vorlesen kann, muss Dominik Schulz zeitig aufstehen, damit er alles schafft, was auf dem Tagesplan eines Amtsgerichtsdirektors und Vize-Präsidenten steht. Denn diese Funktionen hat er zurzeit beide inne - in Döbeln und in Leipzig.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Zurzeit sieht ein Tag bei Dominik Schulz so aus: Um 4 Uhr klingelt der Wecker, Rausgehen mit den drei Hunden, zurück um 5.15 Uhr. "Dann setze ich mich aufs Trimmrad, weil ich sonst zu fett werde." Zehn Kilometer, 15 Minuten, duschen. Seine Frau Eva hat derweil ein Knürchen gemacht. So heißt bei Schulzens die Brotbüchse mit Bemme und Apfel. Um 6.15 Uhr mit dem Auto von Limbach-Oberfrohna nach Burgstädt, dort in den Zug nach Leipzig, um 8 Uhr sitzt Schulz am Arbeitsplatz - wenn er nicht Döbeln-Tag hat, der ist zurzeit jeden Donnerstag. Gegen 19.30 Uhr ist er zurück, da ist der Sandmann gerade eine halbe Stunde zu Ende, Schulz eilt direkt an die Bettkante seiner fünfjährigen Tochter, um mit ihr noch ein paar Seiten zu lesen, und dann fällt er auch schon fast selbst ins Bett.

"Ich wurde sehr herzlich aufgenommen in Leipzig", sagt Dominik Schulz. "Aber im Moment ist das alles verdammt anstrengend." 550 Mitarbeiter arbeiten am Leipziger Gericht, 43 in Döbeln.

Dominik Schulz wird in Nördlingen geboren, im Donau-Ries-Kreis, er wächst auf in Dinkelsbühl, "der normale spießige Lebenslauf eines Schülers in Bayern". Nach dem Abi, einem sehr guten, geht er zwei Jahre zur Bundeswehr, macht eine Offiziersausbildung, ist mit 20 Fähnrich, hat das Kommando über 40 Leute. "Da hat man viel über Menschenführung gelernt, und ich glaube, ich habe sehr viel falsch gemacht."

Er geht zu den Fallschirmspringern. Der junge Mann wiegt 56 Kilo; und er stürzt sich mit 60, 70 Kilo Ausrüstung aus dem Flugzeug. 460 mal ist er gesprungen. "Ein paar mal bin ich schrecklich auf die Schnauze gefallen." Wieso das alles? "Am Anfang hat man gedacht, das sind ganze Männer." Dominik Schulz hat immer zu den Jüngsten gehört. "Das hat mich gepackt, ich wollte mutig sein, darum habe ich das gemacht."

Vier Semester Pharmazie - an diese Erfahrung hat Dominik Schulz einen dicken Haken gemacht. Arzneimittelpflanzen, Apotheker, weißer Kittel - all das fasziniert ihn, als er 1989 an die Uni Regensburg kommt. Dass die ersten Jahre mit dem späteren Beruf nicht viel zu tun haben, geht dem jungen Studenten bald auf; er besucht die ersten Jura-Vorlesungen. Acht Semester, Staatsexamen, Referendariat, Promotion über "Organisationspflichten in einer Anwaltskanzlei", zweites Staatsexamen. Während der Ausbildung lernt er seine spätere Frau Eva an einem Referendarsstammtisch kennen. Aber, anders als sonst: "Da habe ich mich nicht rangetraut."

Am 21. Dezember 1996 hat Dominik Schulz ein Vorstellungsgespräch in Dresden, drei Tage später, an Heiligabend, seine Zusage für den Landesgerichtsbezirk Chemnitz. Zu der Zeit laufen Eva und er sich wieder über den Weg; bei beiden ist noch nicht viel festgelegt, und sie kommt einfach mit nach Sachsen.

1996, Mitte Februar, Dominik Schulz und seine Freundin steigen aus dem Zug. Es ist ein nasskalter Tag, Chemnitz zeigt sich nicht von seiner besten Seite. Das Hotel, das sie während der Wohnungssuche bewohnen wollen, wird umgebaut. Dicke Qualmwolken stieben aus dem Gebäude. "Da habe ich gesagt: Eva, komm, wir gehen zurück." Die nette Dame am Empfang des Chemnitzer Hofs will die Gäste in ein Fünf-Sterne-Hotel umbuchen. "Aber das konnte ich mir nicht leisten." Man zeigt sich kulant, bewirtet und bedient die beiden bestens. "Das war alles sehr freundlich." Eine familiäre Bindung gibt es auch, Schulz' Großvater kommt aus Chemnitz.

Die erste Wohnung ist nicht auf dem neuesten Stand; kommuniziert wird mit einem alten C-Netz-Gerät, einem Klotz von Telefon. Von Chemnitz aus geht es nach Hohenstein-Ernstthal ans Amtsgericht, dann ans Land- und ans Verwaltungsgericht Chemnitz, ins Ministerium nach Dresden, ans Amtsgericht Stollberg, noch einmal nach Hohenstein-Ernstthal und dann ans Oberlandesgericht Dresden. "Das war bisher meine schlimmste Zeit", erinnert sich Schulz. Um sechs Uhr am Arbeitsplatz, gegen 21 Uhr wieder nach Hause, eine Tafel Schokolade, am nächsten Tag das Ganze wieder von vorne, "Zehn Kilo habe ich zugenommen in zehn Monaten."

2006 wird Schulz Chef in Döbeln, erst glaubt er es nicht, als ihn das Navigationssystem beim ersten Besuch zur Rosa-Luxemburg-Straße 16 führt. "Das ist ja ein Schloss und kein Gericht." Zu der Zeit ist seine Frau hochschwanger. "Ich wollte eigentlich lieber bei ihr sein als zwölf Stunden in Döbeln." Seine Mitarbeiter unterstützen ihn. "Ich hätte sonst noch mehr Probleme gehabt, und ganz ehrlich: Ich hatte große Probleme. Die Tagesroutine war vollkommen neu."

Döbeln gefällt ihm; privat hat sich die Familie aber in Limbach-Oberfrohna niedergelassen, und das soll so bleiben. Von dort startet der Autofreak im Sommer gerne mal mit dem Cabrio. Wenn Zeit ist, entert die Familie am Wochenende die Spielplätze der Umgebung. "Ansonsten tun wir das, was Eltern mit kleinen Kindern so tun: das Kind überall hinfahren." Im großen Garten wachsen die ersten Erdbeeren, das hatte sich Tochter Annika so gewünscht. Gartenarbeit ist ein schöner Ausgleich; neulich hat Schulz morgens vor der Arbeit noch ein paar Säcke Grünzeug zur Kippe geschafft - mit Anzug und Krawatte. Geschmunzelt haben nicht nur die Leute vom Abfallbetrieb, sondern auch die Mitarbeiter am Gericht, weil ihr Chef bei der Verhandlung die ganze Zeit an seinem leicht verschmutzten Hemdsärmel herumgenestelt hat.

Wichtig für die Familie: Es stimmt mit den Nachbarn. "Schon beim Bauträger fanden wir uns großartig und verstehen uns nach sieben Jahren wie am ersten Tag." Ein Riesenspielplatz, hinter den Häusern, keine Zäune. Schulz weiß, wie es anderen geht. Bei Gericht landen Fälle, die eigentlich nicht sein müssten. Der flatternde Planenzaun, der den Nachbarn stört, die Konifere, die zu viel Schatten wirft, die Kiefer, die an der falschen Stelle ihre Nadeln abwirft. Erst vor kurzem ging es in einer Erbsache um die Herausgabe eines Gummibaums. "Bagatellverfahren", sagt Schulz, "verstopfen die Kanäle der Justiz." Trotzdem: Auch für so etwas sind Gerichte da, betont Schulz. Und trotzdem: Auf die kurzen Verfahrenslaufzeiten in Döbeln ist er stolz. Aber vielleicht bleibe manchmal weniger Zeit für Wichtiges. "Wenn ein Handwerksmeister auf 5000 Euro klagt und seine Leute nicht bezahlen kann, hat das Auswirkungen."

Entspannung findet Schulz zu Hause auf seiner Le-Corbusier-Liege. "Da höre ich über Kopfhörer schottisch-irischen Folkrock oder Rammstein." Mehr Entspannung gibt's nicht. In den Urlaub? - "Ich kann das nicht, ich habe da irgendwie einen Denkfehler." Nur einmal war er 1997 mit seiner Frau auf Mallorca - die arbeitet nach einiger Zeit als Anwältin übrigens im Landratsamt Mittweida.

Dass es ihn nicht in die Ferne zieht, liegt daran, dass der 43-Jährige viel mit seiner Arbeit verbindet. "Ich habe das Amtsgericht Döbeln immer auch als Familie gesehen, und wenn der Vater nicht bei seiner Familie ist, dann macht er sich Sorgen." Björn Meine

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