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Döbeln: Bart ab Denise Klette und Markus Weinert vom Old Town Pub im Porträt

Döbeln: Bart ab Denise Klette und Markus Weinert vom Old Town Pub im Porträt

Seit gestern Abend ist aus dem bärtigen Holzmichl wieder der Kneiper vom Döbelner Old Town Pub geworden. Friseurin Simone Richter aus Ostrau stutzte die Matte und den roten Bart von Wirt Markus Weinert.

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Nicht die Schöne und das Biest sondern die Betriebswirtin und der Wirt im Betrieb - das sind Denise Klette und Markus Weinert vom Old Town Pub. Gestern war Eröffnung und sein seit der Juni-Flut gewuchertes Haar kam feierlich unter die Schere.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. "Du musst dich mal wieder rasieren. Du siehst aus wie der Waldschratt", sagte ein Helfer am Tag fünf nach der Juni-Flut zu Markus Weinert. Mit Hilfe von unzähligen Freiwilligen war an diesem Sonnabend gerade innerhalb weniger Stunden der gesamte Innenputz des Pups abgehackt und auf drei Schuttcontainer verfrachtet worden. "Wir haben gerackert. Ich war einfach nur noch zum Arbeiten und Schlafen gekommen. So versprach ich: Der Bart kommt erst ab, wenn die Bude wieder offen ist." Drei Monate später freut er sich nicht nur auf die Eröffnung. "Ich mach drei Kreuze, wenn die Matte wieder ab ist. Ich hätte die Fusselgusche zwischendrin schon gern mal abrasiert." Weinis Freundin Silvia fand den Bart dagegen gar nicht so übel.

Umgebaut, flutsicher, schöner. Mit neuer hochmoderner Küche und irgendwie auch mit der selben Seele wie vor der Flut empfing das Pub gestern Abend die Gäste erstmals wieder. Mit Handwerkern und Helfern gab es am Donnerstag einen Probelauf. Vermieter Wolfgang Müller war mit 48 Häusern abgesoffen. Er ließ Weini beim Wiederaufbau freie Hand.

Das Old Town Pub ist so etwas wie das erste Kind von Markus Weinert. Der gelernte Gas-Wasser-Installateur erfüllte sich mit 22 seinen Traum, Wirt zu werden, als er an der Ritterstraße das erste Old-Town-Pub übernahm. "Wer nichts wird, wird Wirt", heißt ein böses Sprichwort. "Wer das verpasst, bleibt ewig Gast", ergänzt Denise Klette lachend. Als Markus im Februar 2002 sein erstes Pub eröffnete, büffelte seine heutige Geschäftspartnerin noch am Lessing-Gymnasium fürs Abi. Weinis beliebte Gaststätte an der Ritterstraße soff bei der Jahrhundertflut 2002 ordentlich ab. Der junge Mann krempelte danach die Ärmel hoch und baute den Laden zunächst auf eigene Rechnung wieder auf. Wegen der Kosten, die mit der Miethöhe verrechnet werden sollten, kommt es aber mit dem Vermieter zum Streit. Weini bekommt zwar Recht. Doch als Ende 2006 der Kubaner sein Restaurant in der Theaterstraße aufgibt, fragt er den Wirt aus der Ritterstraße, ob er in den laufenden Mietvertrag einsteigen will und schleppte ihn zu Vermieter Wolfgang Müller. Obwohl der noch ein paar andere Gastronomen am Start hatte, gibt er dem jungen Mann eine Chance. Drei Monate nach der Abschiedsparty von Kubaner Noel an Silvester 2006 eröffnete Markus Weinert am 17. März 2007 sein Pub. Wie der aussehen sollte, davon hat Weini ganz klare Vorstellungen: "Immer habe ich von einem Pub und einem Speiserestaurant geträumt. Beides war nun möglich", schwärmt er. Mit Burgern, Steaks, Salaten und amerikanischem Fingerfood beginnt er. Ein Koch, eine Spülkraft sind die ersten Angestellten. "Heute haben wir zehn Mitarbeiter, davon fünf Köche im Zweischichtsystem", sagt Denise. Auch sie hatte in früher Jugend davon geträumt, einmal selbstständig zu sein. Dass sie bereits mit 22 Verantwortung für zehn Mitarbeiter trägt, hatte sie sich aber nicht ausgemalt. Die gelernte Touristikassistentin und Betriebswirtin hatte als Gast im Pub beim Bezahlen der Rechnung Wirt Weini gefragt, ob er noch Verstärkung brauche und ihm ihre Telefonnummer gegeben. Am nächsten Tag rief er zurück. Denise wurde angestellt. "Mittag is fertsch" ist seit 2009 ein griffiger Slogan. Mit dem Koch und zwei Gästen beim Flaxen im Biergarten reift Weinis Idee, Mittagstisch anzubieten. Mit elf Mittagessen an einem Tag starten sie. Die Zahl schnippt Woche für Woche nach oben. Weini startet gegen die Skepsis aller Zweifler mit einem regelmäßigen Sonntagsbrunch und mit einem Catering-Service die nächsten Offensiven. Der Laden brummt. Privat werden beide ein Paar. Betriebswirtin Denise steigt zudem 2010 als Geschäftspartnerin ein und setzt sich offiziell auch den Hut auf. Als ihre private Beziehung zerbricht, kriegen sie es nach einiger Anlaufzeit hin, als reine Geschäftspartner wieder ein Duo zu werden. "Teller sind damals nicht geflogen, aber es war nicht leicht. Man konnte sich ja kaum aus dem Weg gehen", sagt Denise. Zwischenzeitlich sind beide Freunde und Geschäftspartner. Sie verstehen sich auch mit den neuen privaten Partnern des anderen gut. "Denise ist Betriebswirtin und ich bin der Wirt im Betrieb", sagt Weini. Er verantwortet Küche, Wareneingang, Angebote, Bestellungen, Rechnungen und ist für alle der "Weini". Denise schaut auf die Zahlen, verantwortet Personal, Buchhaltung, Service und vertritt die Kneipe juristisch.

Als dieses Duo haben sie den Wiederaufbau Dank vieler Helfer in nur drei Monaten geschafft. Denise wohnt heute mit Freund André in Goselitz. Markus hat zwischenzeitlich bei Freundin Silvia am gemeinsamen Wohnort in Petersberg noch weitere Leidenschaften entdeckt. Silvias Vater begeisterte ihn für die Imkerei. Und so herrscht Weini heute über 15 eigene Bienenvölker. Seine Honigernte in rund 800 Gläsern vertreibt er auch über den Pub. Zudem hält er in Petersberg 120 Enten. Die als Entensülze, Enten-Ragout-Fin, als Ente klassisch mit Rotkohl und Klößen oder auch als Ente an karamelisierten Orangen die Speisekarte bereichern. Und noch etwas wird Weinis Leben künftig bereichern: Ein kleiner Wirt oder eine kleine Wirtin wächst seit fünf Monaten im Bauch von Freundin Silvia. Wenn alles gut geht, gibt es im Januar eine Bullerparty im Old Town Pub.

Thomas Sparrer

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