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Döbeln: Fleischermeister Frank Ferchland im Porträt

Döbeln: Fleischermeister Frank Ferchland im Porträt

Egal ob er von seiner Pikant-Salami schwärmt, stolz auf den sächsischen Leberkäse zeigt, der diesen Namen noch verdient oder genussvoll in die Kümmel-Bratwurst beißt, die gerade frisch aus dem Rauch kommt - dass Frank Ferchland durch und durch Fleischer ist, das spürt man jede Sekunde.

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"In Sachsen gibt's die Bratwurst mit Kümmel", sagt Fleischermeister Frank Ferchland und beißt genussvoll hinein, wie er es schon als Kind gern getan hat.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Seine Verbitterung ist inzwischen einer gewissen Traurigkeit und Erstauntheit gewichen. Seit dem Ferchland verkündet hat, dass er zum Monatsende seinen kleinen Fleischwarenbetrieb samt Laden an der Roßweiner Straße dicht macht, sind ihm die Leute die Bude eingerannt. Viele wollten noch eine der legendären ausgereiften Pikant-Salamis mit der weißen Hülle aus natürlichem Schimmel ergattern, die der Fleischermeister nach alten Rezepten herstellte. Jetzt sind sie ausverkauft. Wegen der notwendigen Reifezeit von mindestens vier Wochen gibt es keine neuen.

Wenn der Döbelner davon erzählt, wie er vor Jahrzehnten mit seinen Kollegen im Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Pikant gebuckelt hat, um eben diese Wurst zur Legende zu machen, dann zittert seine Stimme. Sein ganzes Berufsleben lang hat er versucht, die Traditionen des sächsischen Fleischerei-Handwerkes und dessen Erzeugnisse hochzuhalten, auch während seiner Zeit in der industriellen Produktion. "Ich habe nichts gegen die Thüringer Rostbratwurst. Aber bei uns gibt es um Weihnachten herum nun mal die Sächsische Weißwurst. Wir sagen auch Nacksche dazu." Tonnenweise hat er sie hergestellt, Menschen standen Schlange, um sie zu bekommen.

Das alles will er nun aufgeben wegen einer Straßenbaustelle - die ihm, zugegeben, monatelangen Ärger und Umsatzschwund eingebracht hat, und die noch immer nicht abgeschlossen ist? Wer dem prinzipientreuen Mann gut zuhört, der spürt, dass es gar nicht der Straßenbau ist, auch nicht der wirtschaftliche Schaden. Der wäre noch verkraftbar. Es ist diese maßlose Ignoranz, die ihn wurmt, die ihm aber alle an der Baumaßnahme Beteiligten entgegenbringen, vom Bauarbeiter bis zum Amtsleiter. Es ist der Stolz eines Handwerkers, der Trotz eines fleißigen Unternehmers und die generelle Haltung, sich mit einem Problem nicht einfach zufrieden zu geben. Es liegt in diesem Fall nicht in seinen Händen, es zu lösen. Doch er kann einen Schlussstrich ziehen und damit für einen kleinen Aufschrei sorgen. Die - jetzt vergebliche - Salami-Nachfrage zeigt, es ist ihm gelungen. Ganz offiziell sagt Ferchland: "Ich habe 46 Arbeitsjahre hinter mir. Immer wenn ein Jahr abgeschlossen war wusste ich, dass ich doppelt so viel gearbeitet habe, wie ein normaler Arbeitnehmer. Da muss ich mich jetzt für diese Entscheidung nicht rechtfertigen."

Der in Döbeln geborene und in der Feldstraße aufgewachsene Frank Ferchland kam früh auf den Wurstgeschmack. Es war vor allem diese Vorliebe, die ihn den Beruf des Fleischers erlernen ließ. Schnell arbeitete er sich bei Pikant hoch, war der jüngste Meister im Kombinat und schon mit 27 Jahren Vize-Produktionsleiter. Dreimal wollte er nach der Wende noch mehr Verantwortung tragen, selbst Unternehmer werden. Doch die Übernahme des Pikant-Betriebes und später des Riesaer Schlachthofes von der Treuhand scheiterte jeweils an zahlungskräftigeren Investoren, die sich später doch als die falsche Wahl entpuppten. Beim dritten Mal klappte es. Ferchland baute ab 2001 sukzessive seine Firma in der Roßweiner Straße auf, mit Fleischerei, Imbiss, Catering. Es sollte eigentlich der letzte Abschnitt im Berufsleben sein.

"Ich hatte immer eine Hand im Betriebswirtschaftlichen und die andere Hand in der Produktion", beschreibt der Fleischer, dass er trotz seiner langjährigen Leitungsfunktionen nie den Bezug zum eigentlichen Handwerk verloren hat. Und auch den Bezug zum Kunden nicht: "Ich hab mir auch immer gern die Schürze umgebunden, mich hinter die Verkaufstheke gestellt und Rouladen geschnitten." Einmal im Leben war er richtig krank. Er hätte es als Betriebsleiter nicht gemusst, doch er schleppte 60 Kilo schwere Fleischteile, verletzte sich die Schulter, die operiert wurde.

Ferchland mag Fußball, einst als Aktiver hat er es in der Armeezeit mit Vorwärts Teltow bis in die zweite DDR-Liga geschafft. Er liebt schnelle Autos, besitzt seit 20 Jahren einen seltenen Honda Prelude, den er schon lange nicht mehr ausgefahren hat. Da ist der große Garten in der Nähe der Eigentumswohnung, in dem er sich gern mit seiner Frau Monika aufhält, mit der er seit 41 Jahren verheiratet ist. Da sind die Töchter Silke, Unternehmerin in Süddeutschland sowie Ricarda, erfolgreiche Architektin in Berlin, nicht zu vergessen die neun Jahre alte Enkelin Luna Lucia. Alles Gründe, sich in Zukunft mehr Zeit für sich und die Seinen zu nehmen.

Wie es wirklich weitergeht, weiß Frank Ferchland nicht, oder er will es noch nicht verraten. "Es gibt so viel aufzuarbeiten. Mein Kopf ist voll. Ich muss erst mal Abstand hierzu gewinnen", sagt er und zeigt auf seinen Betrieb. Darauf angewiesen, ihn zu verkaufen, sei er nicht. Bleibt die Hintertür, doch eines Tages weiterzumachen, wenn die Straßen ringsum wieder frei sind? War das Ganze etwa nur ein Salami-Marketing-Coup? Ferchland lacht: "Etwa so wie die Puhdys, die schon zigmal auf Abschiedstournee waren?" Er schüttelt mit dem Kopf. Dann hält er es aber doch wie sein Fußball-Idol Jupp Heynckes: "Sage niemals nie!" Olaf Büchel

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