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Döbeln: Jubelst Du schon oder fieberst du noch?

Döbeln: Jubelst Du schon oder fieberst du noch?

Es ist die Katastrophe für jeden Fan. Wenn gejubelt wird, bevor das Tor fällt, macht WM keinen Spaß. Die unterschiedlichen Übertragungsraten zwischen analogen und digitalen Empfangsgeräten lässt in Döbelner Sportbars das Bier schal werden.

 

 

 

Im Prinz Albert Inn von Inhaber Christian Dettke beispielsweise. Wenn's gemüllert hat, weiß es die andere Straßenseite im Schnitt zehn Sekunden vorher. Statt grenzenlosen schwarz-rot-geilen Jubels bricht dann das blanke Entsetze aus. "Zum kotzen", bringt es Dettke auf den Elfmeterpunkt. Und er ist sich nicht sicher, ob die bessere Bildqualität beim digitalen Empfang den verspäteten Achtel-Finaleinzug wettmachen kann.

 

Dass die einen noch fiebern, während die anderen schon jubeln kann doch eigentlich gar nicht sein, wenn beide Kneiper ihr Fernsehsignal aus dem Kabelnetz beziehen. Kann es doch, sagt Hannes Lindhuber, Pressesprecher von Telecolumbus, einem großen Kabelfernsehanbieter in Döbeln. "Die Signalaufbereitung durch den Kabelnetzbetreiber, zum Beispiel bei der lokalen Signalaufbereitung in einer örtlichen Kopfstelle oder bei der Verbreitung des Signals über ein Backbone, können die Zeit beeinflussen, die es dauert, bis ein TV-Signal auf den Bildschirm kommt." Grundsätzlich gilt: Je digitaler und je mehr Geräte wie etwa ein Beamer am Kabelnetz hängen, desto langsamer landet das Fernsehbild auf dem Schirm oder der Videoleinwand. Außerdem beeinflusst diese Zeitspanne, welche Geräte der Kunde dazwischengeschaltet hat und ob das Signal verschlüsselt ist oder nicht. Auch ob Fernsehbild im gestochen scharfen, hochauflösendem HD-Format empfangen wird, ist für die Übertragunsgdauer relevant.

 

Richtig große Unterschiede gibt es in den Arten der Medien, die Menschen nutzen, um sich den Fußball ins Wohnzimmer zu holen: Radio, Fernsehen über Kabel oder Satellit oder Übertragungsangebote im Internet. Am schnellsten ist dabei das gute alte UKW-Radio. Nachteil: Man sieht kein Bild. Vorteil: Es ist wesentlich angenehmer und auch spannender, den Reportern im Radio zuzuhören, als ihren Kollegen vom Fernsehen.

 

"Das Radiosignal verbreitet sich ja theoretisch mit Lichtgeschwindigkeit", sagt Professor Michael Hösel, der an der Medien-Fakultät der Hochschule Mittweida Verfahrenstechnik lehrt. Am langsamsten sind darum die sogenannten Live-Streams im Internet. Bis zu 60 Sekunden können vergehen, bis der Zuschauer sieht, was in Brasilien gerade auf dem Platz passiert ist. "Je häufiger das Signal umgewandelt wird, desto länger dauert es", sagt Prof. Hösel. Die bewegten Bilder im Internet-Stream wandelt ein Computer zunächst in ein Digitalformat um. Das wiederum durchläuft einen Zwischenspeicher und einen Puffer. Und das verlangsamt die Übertragung eben deutlich.

 

Nun könnte man eigentlich zu jeder internationalen Fußball-Meisterschaft das Thema der unterschiedlichen Übertragungsgeschwindigkeiten herauskramen und Internet mit Radio und Fernsehen vergleichen. Dass es aber in zwei Jahren zur Europameisterschaft oder in vier Jahren zur nächsten WM immer noch arg zeitversetzt "müllert", muss nicht zwangsläufig so sein. Zum einen kann Thomas Müller aus dem Nationalkader ausscheiden, zum anderen ist da noch die technische Entwicklung, die bekanntlich voranschreitet. "Die unterschiedlichen Übertragungsgeschwindigkeiten werden sich aufheben", ist sich Prof. Hösel sicher. "Es ist nur eine Frage der Zeit."

Lieb

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