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Döbeln: Lachs nur bei Jahrhundertflut

Döbeln: Lachs nur bei Jahrhundertflut

Der Lachs scheint zurück in der Freiberger Mulde. Doch ihn erwarten Hindernisse. Nicht jedes Wehr hat eine Fischtreppe und so bleibt dem Fisch der Weiterzug in den Oberlauf der Mulde versperrt.

Region Döbeln. Fakt ist: Ohne Hochwasser wäre der Lachs nie bis Klosterbuch gekommen. Zu viele Wehre blockieren den Weg dieser Fischart, die vom Meer die Flüsse hochwandert. Um sich fortzupflanzen und um zu sterben. "Der aktuelle Lachsbestand ist nach hiesiger Meinung durch das außergewöhnliche Flutereignis entstanden. Demzufolge ist eine Wiederholung dieser Besiedlung bei der derzeitigen Situation der Querverbaue nur bei weiteren außergewöhnlichen Hochwasserereignissen ("Jahrhunderthochwasser") zu prognostizieren", teilt Landratsamtsprecherin Cornelia Kluge auf Nachfrage der DAZ die Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde mit. Die sogenannten "Querverbaue", also Stauanlagen, die zumeist Wasser für Turbinen zurückhalten, sind auch dem Döbelner Angler Gerhard Sabow ein Dorn im Auge. "Die Wehre der Kraftwerksbetreiber sind nicht gut für die Fische", sagt er. Zumal nicht alle dieser Stauanlagen über eine Fischtreppe verfügen. Solche Überquerungshilfen für Flossenträger kannte man schon vor 100 Jahren, hat Gerhard Sabow bei seiner Arbeit an Chroniken herausgefunden. "Die Fischtreppen waren damals aus Reisig", sagt der Petrijünger.

Der Einfluss der Unteren Naturschutzbehörde auf die freie Bahn für Fische ist vom jeweiligen Wasserrecht abhängig. "Der Kreis kann erst einmal nichts machen, da der Lachs wegen der Querverbaue auch von den Unterliegern abhängig ist. Nichtsdestotrotz kann der Kreis für die Fließgewässerabschnitte in seinem Zuständigkeitsbereich bewirken, die Querverbaue zurückzubauen oder durchlässig zu machen, zum Beispiel durch Fischtreppen. Das kommt dann gleichzeitig ganz vielen Fließgewässerarten zugute", sagt Kreissprecherin Cornelia Kluge.

Interessant ist indessen der Schutzstatus des Lachses: Nach Gerhard ­Sabows Worten müssen Petrijünger ­gefangene Exemplare genau dokumentieren. "Da müssen wir aufschreiben, wann und wie der Lachs gefangen wurde und am Besten noch ein Foto machen", sagt der Angler. Und für das Fischmahl fällt der Lachs auch aus, denn er ist nach dem Fang wieder ins Gewässer zu setzen. Aus Naturschutzsicht braucht aber kein Angler mit einer Strafe zu rechnen, wenn er einen Lachs fängt und als Mahlzeit mit nach Hause nimmt. Kreissprecherin Kluge: "Es gibt für den Lachs kein naturschutzrecht­liches Tötungsverbot. Daher kann dem betreffenden Angler durch das Bundesnaturschutzgesetz keine Strafe auferlegt werden. Inwieweit der Angler mit dem Töten des Lachses gegen das Fischereigesetz oder eventuell Fischereierlasse verstößt, ist mit der Fischereibehörde zu klären." Zudem gilt der Lachs hierzulande nicht als streng geschützte ­Tierart. Leben die Fische jedoch in Flussbereichen, die zu einem Flora-Fauna-Habitat, also zu einem strengen Schutzgebiet nach europäischem Recht gehören, sind diese Fischbestände pauschal geschützt.

 

 

...dass der Lachs in Deutschland in den 1950er Jahren ausgestorben war. Durch die Aktion Lachs 2000 gelang 1983 am Oberrhein eine erfolgreiche Wiederansiedlung, die 1997 durch die erste Rückkehr eingesetzter Junglachse gekrönt wurde. Der Lachsfang am Oberrhein wird mit einem Fischergalgen betrieben.

...dass der Lachs bis ins 19. Jahrhundert hinein alles andere als eine Delikatesse war, sondern reichlich und preiswert zur Verfügung stand. Angeblich sollen damals sogar Dienstboten dagegen protestiert haben, vom Dienstherrn zu oft mit Lachs verköstigt zu werden. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begannen sich die Verhältnisse zu ändern - durch Überfischung, Gewässerverschmutzung und die Errichtung künstlicher Wasserbauten, die den Lachsen die Wanderung zu den Laichplätzen erschwerte oder teilweise unmöglich machte, wurde Lachs knapp und zunehmend als Delikatesse betrachtet.

Vinnis Blick

Dirk Wurzel

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