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Döbeln Döbeln: Messermann war bei der Stasi
Region Döbeln Döbeln: Messermann war bei der Stasi
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18:30 13.09.2018
Ein Rentner griff vorm Marktkauf zum Messer und bedrohte einen Mitarbeiter. Quelle: dpa
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Döbeln

Ein räuberischer Radieschendieb soll ein 70-jähriger Döbelner sein. Laut Anklage habe er am 28. März einen Bund weggeworfener Monatsrettiche aus dem Biomüll-Container auf dem Marktkauf-Gelände in Döbeln-Ost genommen. Müll oder nicht – Diebstahl ist es nach herrschender juristische Meinung trotzdem.

Bis zur Konterrevolution Berufssoldat

Als ihn ein Mitarbeiter am Fahrradgepäckträger festhielt und aufforderte, die Radieschen zurückzutun, habe der Rentner ein Messer gezückt und damit vor dem Mann herumgefuchtelt und gedroht, ihn abzustechen. Auf die Frage nach seinem Beruf antwortete der Angeklagte: „Bis zur Konterrevolution war ich Berufssoldat.“ Später sollte er zugeben, hauptamtlich für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet zu haben.

Einzelkämpfer mit eigenen Regeln

„Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich Tiere“, sagte der Angeklagte. Er füttere die Amseln im Winter mit Äpfeln. Aber doch nicht mit Radieschen. Und nur solche lagen an diesem Tag im Abfall. „Ich habe nichts rausgenommen und ihn nicht bedroht.“ Zwar gab er zu, das Messer rausgeholt zu haben. Aber aus Notwehr, damit der Marktkauf-Mitarbeiter sein Fahrrad loslasse. Und außerdem sei er Einzelkämpfer und lasse sich keine Vorschriften machen. Zudem hätte ihn der Mitarbeiter des Marktes früher bedroht und beleidigt, wenn er sich aus den Containern bediente. Der Marktkauf-Mitarbeiter kannte den Angeklagten schon eine Weile, als er ihn am 28. März wegen der angeblich aus dem Müll gestohlenen Radieschen ansprach. Er habe den Mann damals etwas rausnehmen sehen. So schilderte es auch seine Kollegin. Die Drohung mit dem Messer verfehlte jedenfalls bei dem Angestellten seine Wirkung nicht. Er zog sich sofort zurück. Vor Gericht erinnerte er sich auch, mit dem Tode bedroht worden zu sein.

Schon die nächste Anzeige

Ein Polizeihauptmeister des Döbelner Reviers hatte den Angeklagten dann eine Stunde nach der Tat vor dessen Wohnhaus angetroffen. Radieschen hatte er nicht im Beutel, den Vorwurf mit dem Messer räumte er gegenüber den Beamten aber ein. Wie der Polizist sagte, gab es einige Zeit später schon wieder eine Anzeige gegen den Rentner, weil er vor dem Marktkauf mit einem Messer rumgefuchtelt habe. „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass jemand meint, seine Interessen mit dem Messer durchzusetzen“, sagte Polizeihauptmeister.

Hochgradige Aggression

Den Radieschendiebstahl sollte das Schöffengericht letztlich nicht als erwiesen sehen. Also konnte der Angeklagte auch nicht mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben seine Beute verteidigen. Somit verurteilte das Gericht den Ex-Stasimann nicht wegen des eigentlich angeklagten schweren räuberischen Diebstahls im minder schweren Fall (Mindeststrafe: Ein Jahr Haft), sondern wegen Bedrohung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen á 20 Euro. Das Messer zog das Gericht ein. „Wir haben gerade genügend Probleme mit Menschen, die mit gefährlichen Geräten, wie zum Beispiel Messern, rumlaufen“, sagte Richterin Karin Fahlberg, die Vorsitzende des Schöffengerichtes, als sie dessen Urteil begründete, das nicht rechtskräftig ist. „Sie möchten sicher auch nicht auch nicht, dass ich in Ihre Wohnung komme und im Müll rum wühle“, verdeutlichte sie dem Angeklagten. Sie bescheinigte ihm zudem, eine „hochgradige Aggression“ auszustrahlen. Als er nach dem Prozess die Rosa-Luxemburg-Straße hinunter radelte, zeigte der Stasi-Mann erneut, dass er sich nichts vorschreiben lässt. Die rote Ampel an der Kreuzung Ritterstraße ignorierte er einfach.

Von Dirk Wurzel

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