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Döbeln Döbeln: Mordgelüste auf 42,2 Kilometern
Region Döbeln Döbeln: Mordgelüste auf 42,2 Kilometern
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21:32 15.08.2014
Baustelle vor der Einfahrt zum Gewerbegebiet Fuchsloch. Quelle: Sven Bartsch

Spätestens an deren Ziel (wenn man dort ankommt) - ist nach 42,2 Mehrkilometern und mindestens drei Fragezeichen mehr auf der Stirn das Messer in der Hosentasche von selbst aufgeklappt. Die DAZ hat den Selbstversuch unternommen, ist die Strecke abgefahren und hat Menschen getroffen, die einer lebenslänglichen Haftstrafe knapp entkommen sind.

Sven Schlesier, LKW-Fahrer aus Roßwein kennt sich aus. Hat für die Wahl und Ausschilderung der Mammut-Umleitung aber kein Verständnis. "Die Beschilderung ist für uns LKW-Fahrer der Hammer", sagt er und meint es nicht euphorisch. An der A 14-Abfahrt Döbeln-Ost erfährt der Autofahrer, dass er zum Fuchsloch über Nossen muss. Wenige Meter nach der Abfahrt sind vier Zentimeter der Bundesstraße abgefräst. Es stinkt nach frischem Teer, kein Durchkommen. Isabel Siebert, Lasuv-Sprecherin: "Der erste Bauabschnitt erstreckt sich vom Abzweig Gewerbegebiet Fuchsloch bis zur K 7597, hier erfolgt auf 1,4 Kilometern Länge eine Deckenerneuerung mit vier Zentimetern Dicke. Die Arbeiten haben am 4. August begonnen und werden voraussichtlich bis zum 22. August abgeschlossen werden. Seit heute bis einschließlich Sonntag ist die Zufahrt aus Richtung der Anschlussstelle Döbeln-Ost wegen Schwarzdeckeneinbau nicht möglich."

Also zurück. Die Kehrtwende machen an der Stelle nicht nur 40-Tonner. Auch PKW hofften bis zum letzten Meter auf eine illegale Möglichkeit. Was wohl auch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) geahnt haben muss, die einen gnadenlosen Streckenposten am Sperrschild postiert, der alles zurückschickt, was zwei und mehr Räder hat. Der Umleitung "Nossen" folgen. Durch die Gake, durch Döbeln. Nach 4,3 Kilometern der erste Hinweis darauf, dass man immer noch richtig ist. Von der Dresdener geht es durch den Kreisel auf die Leipziger Straße. Der Brummi-Fahrer knurrt spätestens hier zum ersten Mal laut. Rollen nach Großbauchlitz. Wahlkampfplakate leuchten von der Seite - nur Kerle. Nichts für Trucker. Trostlosigkeit auf weiteren knapp zwölf Kilometern, die über die 169 führen. Beifahrer erleben am Vormittag nur live, wie ein Landwirtschaftsfahrzeug bei Ebersbach beim Einparken aufs Feld ein Baum überfährt. Ansonsten lenkt der Zeitdruck und knapp 16 Kilometer Umweg von der Idylle weidender Kühe und einer Pferdeschule in Neudorf ab. Umleitung "Nossen", mal wieder eins der richtungsweisenden, gelben Schilder, lenkt am Grünen Haus auf die Staatsstraße 36. Die Umleitung ist längst zur Unleitung mutiert. Ein holländischer Transporter gibt auf. Bremst an der Kreuzung. Bleibt stehen. Streng nach StVO-Regeln gefahren, sind am Umspannwerk Etzdorf 27 Minuten seit der Abfahrt von der A 14 vergangen. Wenigstens ein anderer Wahlbezirk beginnt. Andere Gesichter an den Laternen. Daniela Kluge von der CDU hat das optische Zeug dazu, frustrierte Trucker-Gesichter aufblitzen zu lassen. Wenn, ja wenn in Nossen nicht dieses Schild stehen würde: Umleitung zu Ende. Und nun? Hoffentlich schafft es der holländische Vier-Achser nicht bis hier hin. Der Mann war dem versuchten Totschlag schon am Grünen Haus gefährlich nahe. Anderen bleibt nur die Logik, die das Navigationsgerät die vergangenen 31,2 Kilometer nie hatte. Richtung Döbeln fahren. Neue Umleitungshinweise nach Meißen/Wilsdruff ignorieren und sich von den Werbetafeln ablenken lassen, die eine Erotikmesse ankündigen.

Wer jetzt nicht aufpasst, fährt direkt ins Verderben. Kreuzung an der Anschlussstelle Nossen-Ost. Nach einer Dreiviertelstunde Arbeitszeit und unstillbarer Sehnsucht nach Autobahn-Beton wirkt die Auffahrt nach Leipzig wie ein Tütchen Kokain auf den Junkie. Wer abbiegt, landet exakt dort, wo vorhin alles begann. Der gewaltsame Exitus des Streckenpostens wäre besiegelt. Wer es schafft, dem Sackgassenschild auf der B 175 in Richtung Döbeln zu widerstehen, schafft es über Priesen, Leschen und Juchhöh zu einer Baustellenampel. Die regelt den Verkehr ins und aus dem Fuchsloch. Auf einem Firmengrundstück stehen die Trucker Matthias Schumann und Wolfgang Riedel. "Sag' dazu nicht Umleitung", warnen sie den Journalisten. "Das ist Irrsinn, aber keine Umleitung", schimpft Riedel eine Stunde, nachdem auch er "mit der Kirche ums Dorf" fahren musste, Zeit und Geld verloren und die Missgunst seines Auftraggebers gewonnen hat. Isabel Siebert kann Beruhigung versprechen. "Ab Montag wird der Hinweis an den Plantafeln der Autobahnrampen der Anschlussstelle Döbeln-Ost angebracht." Der Hinweis, dass von der A 14 Döbeln-Ost eine Zufahrt zum Fuchsloch wieder möglich gemacht werden soll. Vielleicht werden dann auch die Großsteinbacher wieder freundlicher schauen. "Die LKW, die die Schleichwege kennen, fahren jetzt bei uns durch."

Thomas Lieb

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