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Döbeln Döbeln: Polizei weiß nichts von Schlag mit Flasche
Region Döbeln Döbeln: Polizei weiß nichts von Schlag mit Flasche
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01:14 15.10.2018
Auf Facebook macht die Behauptung die Runde, ein Afrikaner habe einen Deutschen mit einer Flasche geschlagen. Quelle: dpa
Döbeln

Das Bild sieht dramatisch aus. Veröffentlicht auf einer rechten Facebook-Seite, die überwiegend Straftaten von Migranten thematisiert, zeigt es den blutenden Hinterkopf eines jungen Mannes. Täter und Opfer hätten sich beschimpft, heißt es dort, dann habe es eine Schlägerei gegeben, wobei der Täter mit einer Bierflasche zugeschlagen habe. Vor dem Eiscafé habe sich das zugetragen. „Fakt ist: Der Täter ist ein schwarzer Asylbewerber und soll wohl immer Sandalen tragen“, heißt auf der asylkritischen Facebookseite. Wer etwas gesehen hat, soll sich melden. Man versuche die Hintergründe zu ermitteln.

Fake-News in den Kommentaren

In den Kommentaren melden sich viele, allerdings ohne was zur Sache zu sagen. Stattdessen kübeln viele Kommentatoren Hetze gegen Ausländer in die Kommentarspalten. Ein Nutzer postete eine angebliche Dienstvorschrift der Polizei in Nordrhein-Westfalen, wonach Polizisten keine Strafverfahren gegen Tatverdächtige mit Migrationshintergrund einleiten sollen. Das ist eine Fälschung. Der für die Landespolizei zuständige nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) stellte das bereits vor einem Jahr klar, als die angebliche Dienstanweisung im Internet kursierte. „Dieses Dokument ist ein Fake! Ich habe keine „Vorschriften zur Verhaltensweise der Polizeibeamten des Landes Nordrhein-Westfalen“ unterschrieben. Die im Internet veröffentlichten Seiten sind eine dreiste Fälschung. Bitte nicht drauf reinfallen!!!“, schrieb der Politiker auf Facebook. Es wäre zudem eine rechtswidrige Anweisung. Polizisten müssen tätig werden, wenn sie von Straftaten erfahren – Spuren sichern, Zeugen finden, befragen, Tatverdächtige feststellen. Andernfalls würden sie sich selbst strafbar machen – wegen Strafvereitlung im Amt. Und der Innenminister, der das Wegsehen anordnet, wegen Anstiftung.

National gemischtes Trinkgelage artet aus

Zurück nach Mittelsachsen. Zu dem angeblichen Vorfall vor dem Döbelner Eiscafé fragte die DAZ bei der Polizei nach. Diese sei schließlich vor Ort gewesen. Polizeihauptkommissarin Jana Ulbricht, die Leiterin der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz, ließ umfangreich recherchieren. Ergebnis: „Es gibt keinen Vorfall der zu dem geschilderten passt. Wir können den Beitrag keinem Sachverhalt zuordnen.“ Das Einzige, was in die Nähe rückt, ist nach Worten Jana Ulbrichts ein Trinkegelage, das deutsche und ausländische Teilnehmer am 21. September gemeinschaftlich an der Bahnhofstraße veranstalteten und das in eine körperlichen Auseinandersetzung ausartete. Bei dieser hatte aber keiner der Beteiligten am Ende eine Kopfplatzwunde, sondern Schnittwunden an den Armen, die laut Polizeisprecherin von einer abgebrochenen Flasche stammen könnten. Zu den auf der Facebookseite bekundeten privaten Ermittlungsversuchen sagt die Hauptkommissarin: „Für Strafverfolgung ist die Polizei und die Staatsanwaltschaft zuständig.“

Kommentar: Rechte Hetzer sind keine Polizei

Aus der Kategorie: Was die Presse verschweigt – so ist der Eintrag über den angeblichen Angriff eines Asylbewerbers auf einen Deutschen auf der asylkritischen Facebookseite überschrieben. Nur, was soll die Presse verschweigen, wenn der angebliche Vorfall wahrscheinlich nur in den Köpfen der Seitenbetreiber existiert. Fakt ist: Hätte es einen solchen Angriff gegeben, zu dem auch die Polizei gerufen wurde, dann würde diese davon wissen und mindestens wegen gefährlicher Körperverletzung ermitteln. Und dann hätte die Zeitung auf Nachfrage davon erfahren und darüber berichtet. Weil es ein öffentliches Interesse daran gibt, wenn einer mitten in der Stadt eine Bierflasche über den Kopf gezogen bekommt. Da spielt auch die Nationalität des Tatverdächtigen keine Rolle. Es ist ein Hohn, dass die Verantwortlichen für den Eintrag auf der Facebookseite dann auch noch so tun, als würden sie zu dem Sachverhalt ermitteln und Zeugen suchen. Dabei zeigen sie mit den Worten „Fakt ist: Der Täter ist ein schwarzer Asylbewerber“, wie voreingenommen sie an den Sachverhalt herangehen. Wer Täter ist, entscheiden aber in Deutschland zum Glück ordentliche und unabhängige Gerichte, bei denen Richterinnen und Richter arbeiten, die allesamt sehr erfolgreich Jura studiert haben und nicht irgendwelche rechte Stimmungsmacher. Die sollten lieber erstmal erklären, woher das Bild des angeblichen Geschädigten stammt. Und warum hat es nicht die Polizei bekommen, wenn sie den Vorfall aufklären soll, sondern erst bei der Nachfrage der DAZ von dessen Existenz erfahren? Dirk Wurzel

Von Dirk Wurzel

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