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Döbeln Döbeln: Sprechende Wohnung gibt Sicherheit
Region Döbeln Döbeln: Sprechende Wohnung gibt Sicherheit
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22:16 23.05.2013
Der Tablet-Computer an der Wand zeigt, wer vor der Tür steht und könnte die ganze Wohnung von Gertraude und Roland Claus steuern. Die Technik ist viel einfacher zu bedienen, als die Senioren dachten. Offene Fenster, vergessene Elektrogeräte, überlaufendes Wasser oder auch Notfälle erkennen die Sensoren und sorgen für Abhilfe. Quelle: Wolfgang Sens

An der Pinnwand in der Küche steckt ein moderner Tablet-Computer in einer Halterung. Auch der Küchenherd hat ein Touchscreen-Bedienfeld, wie man es bei 80-Jährigen wohl eher nicht vermutet. Ansonsten sind aber nur an den Decken kleine Sensoren mit einer ab und an grün blinkenden Leuchtdiode zu sehen, die irgendwie an Rauchmelder erinnern.

Stefan Viehrig und Bernd Wetzig vom Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt besuchten gestern die beiden Senioren, um ihre Erfahrungen mit der ersten im Projekt "Alter Leben" mit vielen Raffinessen ausgestatteten Wohnung zu erfragen. Schon beim Klingeln an der Tür zeigt die Technik, was sie kann. Eine freundliche Frauenstimme spricht aus einem versteckten kleinen Lautsprecher in der Wohnzimmerdecke: "Es ist jemand an der Tür.". Das I-Pad in der Küche zeigt sofort ein Kamerabild des Besuchers. Roland Claus führt gleich seine Lieblingsaktion vor. Er betätigt den Hauptschalter der Wohnung neben der Wohnungstür. Wieder spricht die Frauenstimme: "Vor dem Verlassen der Wohnung bitte die Fenster schließen!". Früher hat man vor dem Gehen immer noch drei mal geguckt, ob alles aus oder zu ist. Jetzt ist man immer beruhigt, wenn man die Wohnung verlassen hat", sagt er. Die Technik schaltet außer beim Kühlschrank den Strom in der ganzen Wohnung ab und überwacht die Räume. Wassersensoren würden einen vergessenen Wasserhahn oder ein überlaufendes Waschbecken erkennen und die Leitungen schließen. "Wenn wir einen Lichtschalter in der Wohnung länger als zehn Sekunden drücken, dann wird unsere Enkelin auf ihrem Handy informiert", beschreibt Gertraude eine andere Funktion, die das Paar zum Glück noch nicht im Ernstfall gebraucht hat. "Diese Notfallaufschaltung auf das Handy der Angehörigen ginge perspektivisch natürlich auch als Nachricht an den Pflegedienst oder den Hausarzt. Ja selbst beim heimischen Blutdruckmessen könnten die Daten durch ein weiter ausbaufähiges System an den Hausarzt vermittelt werden", sagt Stefan Viehrig, Vorstand der Genossenschaft. Das wird aber erst interessant, wenn mehr als eine Wohnung solche Funktionen hat und sich dann auch örtliche Partner für eine solche Sozialbetreuung finden. Im Moment hat die WGF noch nicht mal heimische Handwerker für das System gefunden.

Roland und Gertraude Claus wollen die Technik nicht mehr wissen und haben sich daran schnell gewöhnt. Das I-Pad bleibt aber in der Regel immer in seiner Wandhalterung, obwohl damit vom Fernseher bis zu Herd oder Spülmaschine alles vom Wohnzimmersessel aus regelbar wäre. Richtig gut klar kommt Gertraude mit dem hochmodernen Touchscreen-Herd. Im November war das Paar aus Lüttewitz nach Döbeln-Ost gezogen. "Die Plätzchen und die Ente zu Weihnachten sind im neuen Herd perfekt gelungen", freut sich die Hausfrau. Und wenn es Probleme gegeben hätte, fungiert Martin Preißer (37), der Mann der Enkelin, als Technikvermittler. Er half der Wohnungsgenossenschaft bereits beim Aufnehmen der Erfahrungen mit den Systemen.

Die Wohnungsgenossenschaft Fortschritt hat jetzt Geld im Budget eingestellt, um im Wohngebiet Döbeln-Ost I weitere Wohnungen auszustatten und damit Synergieeffekte zu nutzen. Leerstand gibt es aber im Moment kaum.

Ziel sei es jetzt, Technik-Pakete für 1500 Euro Pro Wohnung mit den Herstellern zu vereinbaren, die beim Renovieren auf Wunsch der Mieter einfach eingebaut werden können, sagt Vorstand Stefan Viehrig.

Der Pool an Technik für die Wohnungen des Pilotprojektes "Alter Wohnen" vom Verband der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften wächst monatlich.

Thomas Sparrer

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