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Döbeln Döbeln: Stiefel-Dokumente beschäftigen Landgericht
Region Döbeln Döbeln: Stiefel-Dokumente beschäftigen Landgericht
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23:00 03.12.2012
Döbeln/Chemnitz

Allein der Streitwert - 6000 Euro - rechtfertigt, warum das Amtsgericht Döbeln die Sache an die Strafkammer des Chemnitzer Landgerichtes weitergereicht hatte. Dort wird heute die Frage zu klären sein, ob Wolfgang Müller zwei ihm überlassene Dokumente missbräuchlich verwendet hat. So lautet jedenfalls der Vorwurf des Roßweiner Unternehmers, der sich als rechtmäßiger Eigentümer sieht. Es handele sich um "weltweit einmalige Originalurkunden", wie die Tochter des Schrotthändlers, Sandra Richter, feststellte.

1925 hatte Ferdinand Reichel, Obermeister der Döbelner Schuhmacher-Innung, die Idee, zum 600-jährigen Jubiläum der Innung einen Riesenstiefel zu bauen. Von Januar bis August 1925 baute er ihn mit sechs Schuhmachermeistern der Region, stellte ihn erstmals zur Fachausstellung im August 1925 aus. Einer der sechs Schuhmacher hieß Ernst Schmalfuß. Die erste Urkunde, die heute zum Gegenstand des Justizfalles wird, belegt die Auszeichnung mit einer Goldmedaille, die der Mit-Erbauer des Riesenstiefels, Emil Schmalfuß, 1925 zur Industriemesse erhielt, als er den Riesenstiefel zum Innungsjubiläum erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Die zweite Urkunde ist sein Meisterbrief.

"Beide Dokumente hat mir Herr Richter zum Zwecke der Vermarktung des zweiten Döbelner Riesenstiefels angeboten, als er erfuhr, dass dieser gebaut wird", erklärte Müller gestern auf Anfrage. In einem Schriftstück zur Dauerleihgabe sei 2003 vereinbart worden, dass Müller Richters Dokumente solange behalten dürfe, "wie der nachgebaute Stiefel in meinem Besitz ist", erklärte der Döbelner.

Neun Jahre hörten Müller und Richter nichts voneinander, bis Stadtrat und Rechtsanwalt Müller, dessen Faible für außergewöhnliche Marketingstrategien - insbesondere in Bezug auf seine Wahlheimat - bekannt ist, Reproduktionen der Urkunden zeigte. "Als wir mit dem Stiefel zum Tag der Sachsen nach Freiberg gefahren sind, um die Stadt Döbeln zu vertreten, haben wir Kopien der Unterlagen gezeigt, um den Betrachtern eine historische Einordnung des Riesenstiefels zu ermöglichen", erklärte Wolfgang Müller. Um die Originale nicht zu beschädigen, fertigte Müller Duplikate an, ließ diese in Alu-Rahmen einfassen und nahm sie mit auf Werbetour.

Davon bekam schließlich auch Heinz Richter Wind. Er reichte neun Jahre nach der Leihgabe Klage zur Herausgabe der Dokumente ein. "Ich habe nie mein Einverständnis gegeben, dass Kopien gemacht werden. Ich möchte die Originale jetzt wieder haben, was mir Herr Müller aber verweigert", monierte der Schrotthändler. Der hatte die Dokumente Anfang der 90er Jahre bei einer privaten Haushaltsauflösung gekauft und einige Jahre später Wolfgang Müller "zur treuhänderischen Verwaltung" übergeben. "Ich dachte, es hilft ihm vielleicht dabei, Werbung für seinen Stiefel zu machen", so Heinz Richter gestern. Sein wieder gewonnenes Interesse an den Dokumenten ließ er unkommentiert: "Ich will die Unterlagen einfach zurück haben." Kurios: Wolfgang Müller hätte nach eigener Aussage nichts dagegen, die Originale auszuhändigen. "Allerdings möchte Richter mir auch untersagen, die Reproduktionen im Zusammenhang mit der geplanten Dauer-Präsentation des zweiten Döbelner Riesenstiefels zu zeigen", so Müller. Der errichtet für seinen Stiefel gerade in der Döbelner Theaterstraße - direkt an der Strecke der Döbelner Pferdebahn und gegenüber des Mittelsächsischen Theaters - eine Lückenbebauung mit einer attraktiven Glasfassade. Dahinter soll der Lederstiefel möglichst mit den Kopien der Schmalfuß-Dokumente präsentiert werden.

Am materiellen Wert der Originale und dem daraus ermittelten Streitwert für die Klage scheiden sich im Übrigen die Geister. Im Internetauktionshaus "ebay" lassen sich säckeweise historischer Unterlagen wie Meisterbriefe ersteigern. Das Kaufgebot für den Goldenen Brief eines Leipziger Bäckers anno 1908 ging dort für 16,50 Euro weg.

Thomas Lieb

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