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Döbeln: Südafrikaner Frank Schütte bereitet sich auf Pfarrerberuf vor

Döbeln: Südafrikaner Frank Schütte bereitet sich auf Pfarrerberuf vor

Seine Heimat ist Luftlinie 8700 Kilometer entfernt. Frank Schütte ist Südafrikaner, lebt eigentlich in Pretoria und will Pfarrer werden. Zurzeit arbeitet er als Gast-Vikar in der evangelischen Gemeinde von Döbeln.

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Gern geht der Theologe Frank Schütte in ein deutsches Café, um die frisch gemahlene und dampfende, duftende Bohne zu genießen. Erst recht, wenn die Aussicht aufs Döbelner Kleinstadtflair so bombastisch und die Atmosphäre so gemütlich ist. Denn in seiner Heimat Südafrika ist es in der kalten Jahreszeit in den Gebäuden deutlich kälter als bei uns.

Quelle: W. Sens

Döbeln. Auf den ersten Blick geht der 31-Jährige glatt als Deutscher durch. Er ist weiß, spricht fließend unsere Sprache. Ein leichter, angenehmer Akzent in der warmen Stimme verrät schließlich das Fremde. Seine Vorfahren stammen aus Deutschland, sind 1850 - also vor sechs Generationen - als Handwerker und Missionarin über die Hermannsburger Mission nach Südafrika gekommen, eigentlich war damals Äthiopien das Ziel. Es entstand eine große deutsche Gemeinschaft am südlichen Zipfel des schwarzen Kontinents. "Heute sind die deutschsprachigen Südafrikaner absolute Minderheit", sagt Schütte. Doch sie pflegen mit einer eigenen großen Bildungseinrichtung vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse und einer Kirchgemeinde ihre Wurzeln.

Frank Schütte hat drei ältere Geschwister, eine Schwester, die in Australien lebt, zwei Brüder sind in Pretoria. Sein Vater ist Bauingenieur, die Mutter arbeitet in einer deutschen Schlachterei in der Hauptstadt der Republik Südafrika. Er selbst hat sich nach der Schule als junger Mann wiederholt in Betriebswirtschaft versucht, mal per Fernstudium, mal direkt an der Uni. Doch das war es nicht. "Ich habe mehr gearbeitet als studiert." Er jobbte bei einem Fotografen und Grafiker, machte dann sein eigenes kleines Geschäft auf mit einem Service für Swimmingpools: "In Südafrika haben fast alle in der Mittelschicht einen Pool Zuhause." Zwar träumte der Audi-Fan von einem R8, ein schneller und teurer Sportwagen dieser Marke. Aber: "Ich habe gemerkt, ich bin nicht hart genug, um mich in der Wirtschaft durchzuboxen."

Was will ich wirklich?, fragte sich Frank Schütte. Freunde und Bekannte halfen ihm, Antworten zu finden: Mit Jugendlichen, mit Menschen arbeiten, sich aktiv für mehr Gleichheit und Gerechtigkeit in Südafrika einsetzen, Pfarrer werden. Ein Gespräch mit dem Bischof, das sein Onkel - selbst ein Pfarrer - arrangierte, sollte letzte Klarheit bringen, ging aber nach hinten los. "Wenn du kannst, lass es!", sagte der Bischof zu mir. Der Geistliche wollte davor warnen, in diesem Beruf eine Idylle zu sehen. Verlangt er doch - gerade in Afrika - alles von einem ab. Erfordert Einsatzbereitschaft rund um die Uhr, ist schwierig für die ganze Familie und ein R8 lässt sich damit auch nicht verdienen.

Doch Schütte hatte sich schon entschieden, eine Woche später begann er sein fünfjähriges Theologiestudium an der Uni in Pietermaritzburg, unweit vom Fußball-WM-Spielort Durban. Inzwischen hat der Südafrikaner sein erstes theologisches Examen in der Tasche und ein praktisches Ausbildungsjahr in Namibia absolviert. Die zweite Vikariatszeit ist in Döbeln, über die Evangelische Kirche Deutschlands zustande gekommen und umfasst in 21 Monaten einen schul- und gemeindepädagogischen Teil sowie praktische Arbeit in der Gemeinde. Schüttes Frau Nina, eine Lehrerin, in Deutschland geboren, in Belgien aufgewachsen und dann durch die Arbeit der Eltern nach Südafrika gelangt, ist mit ihm gekommen und kann an der Grundschule in Technitz unterrichten.

Unterrichten wird nach ersten Hospitationen ab nächster Woche auch der Vikar - Religion am Lessing-Gymnasium. "Ich freue mich auf gute Gespräche mit den Schülern, will nicht missionieren, sondern mithelfen beim Entdecken, dass Religion eine Rolle in der Gesellschaft spielt." Ohnehin sei der Formel 1- und Vettel-Anhänger nicht der Mann mit dem Heiligenschein. "Das passt nicht zu mir. Ich denke, Glaube und das Leben genießen gehören zusammen." Entsprechend wohl fühlt sich Schütte in der Kleinstadt Döbeln. Er mag die möblierte Dachgeschosswohnung in der Straße des Friedens, die große Auswahl an Wurstaufschnitt und Brotaufstrichen, das sächsische Bier und, anders als in seiner Heimat im Herbst, die wohlige Wärme in den Geschäften und Cafés. Was er vermisst, ist ein gutes, bezahlbares Stück Fleisch für ein gutes Steak. Mit seiner Frau freut sich der Vikar auf die Winter- und Adventszeit in Deutschland, auch auf die Weihnachtsmärkte.

Über all dem vergisst der angehende Pfarrer nicht sein Ziel, seine Heimat, wo die Arbeitslosigkeit extrem und Betteln an der Tagesordnung ist. Wo es zwar eine stark wachsende schwarze Mittelklasse, aber trotzdem noch viel Not und Armut gibt. Wo es gerade der älteren Generation der Weißen noch nicht gelungen ist, die schwarzen Mitbürger auf Augenhöhe kennenzulernen. Frank Schütte: "Als Lehrer und Pfarrer haben wir da eine große Verantwortung. Das zieht uns zurück." Olaf Büchel

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Landkreis: Mittelsachsen

Fläche: 91,64 km²

Einwohner: 24.157 Einwohner (Dezember 2016)

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