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Döbeln: Voller Elan in ein neus Leben

Döbeln: Voller Elan in ein neus Leben

Die Kaffeekanne war ihr zweites Zuhause. 20 Jahre lang hat Monika Polster bei der Volkssolidarität gearbeitet und die Begegnungsstätte mit den vielen Kaffeekannen im Wappenhenschstift geleitet.

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Fahrradfahren ist neben Skilanglauf und Wandern die Leidenschaft von Monika Polster. Dafür hat die 65-Jährige nun im Ruhestand mehr Zeit. 20 Jahre lang leitete sie bis vergangene Woche die Begegnungsstätte der Volkssolidarität in Döbeln zunächst in der Dresdner Straße und zuletzt im Wappenhenschstift.

Quelle: Wolfgang Sens

Döbeln. "Es ist einfach schön, jetzt zurückzublicken. Ich hatte ein tolles Arbeitsleben. Dafür bin ich sehr dankbar. Ebenso war der Abschied vom Team und von den vielen Gästen unserer Begegnungsstätte sehr bewegend", sagt Monika Polster. Jetzt freut sie sich aber genauso auf ihr neues Leben im Ruhestand: Auf das früh länger schlafen können und auf das abends länger fernsehen.

Bis vorletzten Montag begann ihr Arbeitstag in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität früh 7.15 Uhr und endete abends gegen 17 Uhr. Vor 20 Jahren war die gelernte Krankenschwester zur Volkssolidarität gekommen. Sie hatte den Beruf von der Pike auf am Krankenhaus Döbeln gelernt, war zehn Jahre im Krankenhaus in Hochweitzschen tätig, bevor sie schließlich Betriebskrankenschwester im Elektromotorenwerk Hartha, Betriebsteil Döbeln, wurde. Mit der Wende wurden diese Strukturen beseitigt. In ein Arztzimmer wollte sie damals nicht unbedingt zurück und so landete Monika Polster beim Kreisverband der Volkssolidarität in Döbeln. Zunächst arbeitete sie hier im Büro. "Da war ich der unglücklichste Mensch überhaupt. Denn im Büro am Schreibtisch zu sitzen, ist überhaupt nicht mein Ding", erinnert sie sich.

Die marode alte Haustür des Volkssoli-Gebäudes an der Dresdner Straße 11 in Döbeln wurde schließlich zu ihrem Schicksal. Sie hatte unzählige Fenster- und Türenbauer der Region angeschrieben und um Hilfe gebeten. Einer reagierte, sponserte der Volkssolidarität die neue Haustür und wurde viele Jahre lang ehrenamtlicher Vorstandschef des Sozialverbandes. Die Haustüraktion machte Eindruck und der damalige Geschäftsführer gab Monika Polster eine Chance. "Ich sollte eine Begegnungsstätte aufbauen, krempelte die Ärmel hoch und fand viele Verbündete. Durch die Vorruhestandsregelungen der 90er Jahre hatten viele Mittfünfziger auf einmal Zeit und Lust, etwas zu tun", so Monika Polster. "Es war eine tolle Zeit, in der wir viel anschieben konnten. Es wurden Rad- und Sportgruppen gegründet, die bis heute zum Beispiel bei der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt weiter existieren. Es entstanden neue Freundschaften und Aktivitäten. Die Gruppen übernahmen selbst Verantwortung." Seniorenarbeit aufzubauen und zu zeigen: "Ihr seid noch wer, Ihr könnt noch was tun", darin sieht Monika Polster damals ihre wichtigste Aufgabe.

Über den früheren Geschäftsführer und den Vorstandschef, die später nach einer zweifelhaften Finanztransaktion und einem Skandal den Verband verlassen mussten, bricht Monika Polster keineswegs den Stab. "Vielleicht haben sie Fehler gemacht. Doch beide hatten für die Volkssolidarität eine Vision und haben in ihrer Amtszeit vor allem vieles richtig gemacht. Die Volkssolidarität wurde damals erst zu dem gemacht, was sie heute ist: Ein starker Sozialverband, der auch ein wichtiger Arbeitgeber im sozialen Bereich ist. Die Seniorenwohnanlage im Wappenhenschstift entstand in dieser Zeit und bereichert das Stadtbild", ist Monika Polster überzeugt.

Die Fertigstellung der Wappenhenschanlage bescherte ihr 2003 eine neue große Aufgabe. Im Haus soll sie eine neue, größere Begegnungsstätte der Volkssolidarität aufbauen. "Das hatte eine andere Dimension. Ich grübelte ein paar schlaflose Nächte lang, ob ich der Aufgabe auch gewachsen bin", gesteht Monika Polster. Die Kaffeekanne ist zwischenzeitlich bestens etabliert. Das Händeschütteln und Umarmen, der tränenreiche Abschied nahm deshalb gar kein Ende, als Monika Polster genau am Montag nach der Feier ihres 65. Geburtstages ihren letzten Arbeitstag hatte. Das ganze Haus und viele regelmäßige Besucher der Kaffeekanne aus der ganzen Stadt waren gekommen. "Es war rührend schön", sagt Monika Polster glücklich.

Glücklich ist sie aber auch jetzt in ihrem gerade begonnenen, neuen Leben im Ruhestand. Jetzt ist endlich mehr Zeit, um alte Freundschaften zu pflegen, die noch ungelesenen Bücher im Bücherregal zur Hand zu nehmen. Vor allem aber ist jetzt Zeit für Aktivitäten. "Fahrradfahren, Schwimmen, Skilanglauf, Wandern - wir sind schon immer eine sehr aktive Familie", sagt sie über sich, ihren Mann, Sohn Dirk und Tochter Katja sowie die vier Enkel. Spontane Kurzurlaube, sobald das Wetter schön ist, sind nun der Plan. Monika Polster liebt das Gewühl einer Großstadt und bekam deshalb schon zum 60. Geburtstag eine Hamburg-Reise von den Kindern geschenkt. Und sie liebt den kraftvollen, herben Charme der Nordsee. Dafür ist jetzt Zeit. "Ich bin nicht tot zu kriegen und sprühe gerade vor Elan", sagt sie.

Thomas Sparrer

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