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Döbeln: Von wegen Adventsfrieden

Döbeln: Von wegen Adventsfrieden

Die Sächsische Ehrenamtskarte wird in Döbeln eingeführt. Der Stadtrat hat das mit 17 Ja- zu sechs Nein-Simmen beschlossen. Die Karte soll dem ehrenamtlich engagierten Inhaber monetäre Vergünstigungen bringen, möglichst auch bei Einrichtungen und Geschäften vor Ort.

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Gut besucht waren gestern Abend die Geschäfte und Stände in der Döbelner Ritterstraße, wie hier am Antiquariat Alt-Papier. Die Händler hatten zum Nacht-S(c)hoppen bis 24 Uhr eingeladen - das heißt zum Einkaufsbummel und zum gemütlichen Plausch beim Glühwein. Viele Döbelner und Gäste der Stadt nutzten das Angebot, in den Läden herrschte noch weit nach der regulären Öffnungszeit ein reges Begängnis. Kerzen, Fackeln und weihnachtliche Beleuchtung sorgten fürs richtige Flair.

Quelle: Wolfgang Sens

Döbeln. Sylvio Kolb, Lokführer und Sozialdemokrat und Hans-Joachim Egerer, Oberbürgermeister (OBM) und Christdemokrat, mögen sich nicht gerade. Bei der Diskussion um die Ehrenamtskarte am Donnerstagabend in der Ratssitzung wurde das einmal mehr deutlich.

Wer dachte, das vermeintlich selbstverständliche Anliegen wird von den Stadtvätern schnell durchgewunken, der täuschte sich gewaltig. Zwar schienen sich alle einig, dass das Ehrenamt gewürdigt werden muss. Doch Nickligkeiten, schwache Nerven und ein liberaler Geistesblitz entfachten eine lange Debatte mit Unterhaltungswert. Bei Ehrenamtlichen hätte sie für Kopfschütteln gesorgt.

Zunächst verlief noch alles friedlich: Sylvio Kolb von der SPD-Fraktion trug als Initiator vor, weshalb es die Rabatt-Karte auch in Döbeln geben sollte: "Ohne Ehrenamtliche wäre unsere Gesellschaft nicht nur arm, sondern ziemlich armselig." Er führte negative Beispiele von mittelsächsischen Kommunen auf, wo es die Ehrenamtskarte gibt, aber kaum genutzt wird. "Deshalb ist es wichtig, Kooperationspartner vor Ort zu finden und die Karte so mit Leben zu erfüllen." Und er nannte Weißwasser als positives Beispiel. "Nach Aussage der dortigen Stadtverwaltung liegt der Aufwand pro Antrag bei nicht einmal fünf Minuten. Dort wird die Karte an die künftigen Inhaber sogar feierlich im Rathaus übergeben." So weit, so gut.

Oberbürgermeister Egerer ging mit all dem mit. "Ich möchte ausdrücklich zu Protokoll geben, dass ich nicht gegen die Ehrenamtskarte bin." Doch an einem Punkt des auch von Stadträten der FDP, der Linken und Freien Wählern unterzeichneten Antrages störte sich das Stadtoberhaupt. Und zwar an dem Auftrag, dass er sich mit Landrat Volker Uhlig (CDU) ins Benehmen setzen und möglichst eine landkreisweite Einführung der Ehrenamtskarte erwirken solle. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass ich die Arbeit des Landrates machen soll, während unsere Stadt sechs Millionen Euro Kreisumlage zahlt." An SPD-Fraktionschef Axel Buschmann richtete Egerer die Frage, weshalb die Sozialdemokraten nicht selbst einen entsprechenden Antrag im Kreistag stellen. Egerer fühlte sich durch den Passus sichtlich von Kolb provoziert. Doch die Sozialdemokraten beharrten nach kurzer Auszeit auf der Formulierung, weshalb Egerer (und vermutlich auch einige andere CDU-Fraktionsmitglieder) letztlich dagegen stimmten.

Als Jörg Neumann (FDP) schließlich den Antrag stellte, das Einführen der Ehrenamtskarte mit einigen 10 000 Euro aus dem städtischen Haushalt zu untersetzen, wurde darüber letztlich zwar gar nicht abgestimmt. Doch weil Kolb später auf das Thema zurück kam, war es mit der Adventsstimmung gänzlich vorbei. Kolb: "Die SPD möchte Jörg Neumanns Vorschlag aufgreifen. Das dafür notwendige Geld kann aus der Rücklage genommen werden." Da platzte dem bis dahin ruhig gebliebenen OBM der Kragen. Sehr laut wies er Kolb darauf hin, dass er Konfrontation haben kann, wenn er wolle. "Ich möchte meinem Nachfolger in zwei Jahren eine ordentliche Haushaltssituation hinterlassen", verdeutlichte Egerer barsch seine Auffassung, dass man nicht da mal 10 000 Euro und da mal 10 000 Euro verpulvern sollte. Werner Busch (Die Linke) mahnte zur Mäßigung. Und Egerer entschuldigte sich einige Minuten später auch bei Kolb für seine heftige Reaktion: "Sie versuchen aber immer wieder mich zu provozieren." CDU-Fraktionschef Bernhard Maluck kickte fast am Ende der Sitzung dann noch einmal nach und warf Kolb Polemik vor. Der Adventsfrieden an diesem Abend war dahin.

Olaf Büchel

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