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Döbeln: Wenn der Specht Fassaden löchert

Döbeln: Wenn der Specht Fassaden löchert

Damit ein Specht nicht mehr in die Styroporfassade eines Wohnhauses an der Blumenstraße pickt, hat die Wohnungsgenossenschaft (WGF) Fortschritt Vogel-Attrappen angebracht.

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Den echten Specht scheuchte WGF-Mieter Günther Körner oft weg, als er in die Fassade des Wohnhauses an der Blumenstraße pickte. Nun hat die Wohnungsgenossenschaft "Fortschritt" eine Spechtattrappe anbringen lassen, um weitere Attacken auf die wärmegedämmte Außenwand zu verhindern und damit Schäden zu vermeiden. Das scheint gut zu wirken.

Quelle: Wolfgang Sens

Mit Erfolg, wie die Mieter sagen.

 

Einen gefiederten Fassadenzerstörer beobachtete WGF-Mieter Günther Körner am Wohnblock an der Blumenstraße 54. Vor allem hörte er den Specht, der mit kräftigen Schnabelhieben auf den Putz haute. "Wir haben ihn dann weggescheucht", sagt Günther Körner. Richtig weit weg sei der Vogel aber nicht geflogen, sondern nur bis zur nächsten Birke. Die steht lediglich einen Steinwurf vom Haus entfernt.

 

Unproblematisch ist das Picken an der Fassade nicht. 2012 hat die WGF den Block aufwendig sanieren lassen. Unter dem neuen Putz ist die Wärmedämmung, in diesem Fall besteht diese aus zwölf Zentimeter starkem Styropor. Auf diesem haben die Handwerker bei der Sanierung mit einem speziellen Mörtel ein Armierungsgewebe verklebt. Das verhindert, dass der darauf aufgebrachte sichtbare Edelputz reißt. Der Specht greift also in ein komplexes bautechnisches System ein. Und Augenweiden sind löchrige Fassaden auch nicht. Oft musste die WGF Handwerker schicken, die die vom Specht hinterlassenen Löcher fachmännisch verschlossen. Das ging auf Dauer so nicht weiter. "Zunächst haben wir eine solarbetriebene Vogelabwehranlage installiert", berichtet Lisa Reinhardt, Mitarbeiterin der technischen Hausverwaltung der WGF. Aber die Technik bewährte sich nicht. Darum ließ der Großvermieter eine große Spechtattrappe anbringen. Diese signalisiert den echten Artgenossen nun: "Hier sitzt schon einer, flieg lieber weiter." So erklärt der Kreisnaturschutzbeauftragte Siegfried Reimer das Prinzip der Spechtabwehr mit großem Kunstvogel.

 

Aber warum hacken die langschnäbligen gefiederten Gesellen überhaupt auf die Wärmeisolierung? Styropormaden gibt es schließlich nicht. Siegfried Reimer: "Die Fassade wärmt sich auf und das lockt Insekten an. Der Specht beginnt zunächst diese abzusammeln." Bemerkt der Vogel den hohlen Klang, den ein Klopfen auf eine solch wärmegedämmte Fassade erzeugt, pickt er direkt in Putz und Styropor hinein. Es könnte ja noch was Fressbares darin stecken. Zurück bleiben Löcher. Und die ziehen Nachnutzer an. "Stare, Meisen und manchmal auch Hausrotschwänze nutzen diese Löcher zum Brüten", sagt Siegfried Reimer. Aus diesem Grund konnte die WGF die Beschädigungen in der Fassade erst nach der Brutzeit beseitigen lassen.

 

Die WGF hat die Attrappe eines Schwarzspechtes an der Hauswand angebracht. Nicht ganz klar ist jedoch, ob diese Spechtart auf ihrer fehlgeleiteten Nahrungssuche auch auf Hauswände losgeht. "Möglich", meint Siegried Reimer, hält aber einen Buntspecht als "Wandbohrer" für wahrscheinlicher. "Der Buntspecht macht bei uns die Hauswände kaputt", sagt er. Für ihn ist das Problem nicht neu. Es kann bei mit Styropor gedämmten Häusern recht häufig auftreten. "Mir ist keine Methode bekannt, das zu verhindern", sagt Siegfried Reimer.

 

WGF-Mieter Günther Körner aber schwört auf die Vergrämung mit der Spechtattrappe. "Seitdem ist Ruhe", sagt er. "Das ist doch prima. Die Fassade bleibt heil und die Vögel fliegen woanders hin", findet Naturschutzmann Reimer. Wenn sich die Methode bewährt, will sie die WGF auch an anderen Spechtbrennpunkten einsetzen. Dirk Wurzel

Dirk Wurzel

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