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Döbeln: Wo der Flutschlamm noch im Keller liegt

Döbeln: Wo der Flutschlamm noch im Keller liegt

154 Millionen Euro Schaden richtete das Jahrhunderthochwasser vor zehn Jahren in Döbeln an. 311,5 Hektar des Stadtgebietes waren überflutet.

Döbeln.

 

 

 

 

DAZ-Leser Frank Schmidt macht auf die Ruinen gleich am Obermarkt aufmerksam, die in der ansonsten fast komplett sanierten Innenstadt das Bild stören. Direkt am Obermarkt, gegen Tauben und bröckelnde Dachteile weitgehend gesichert, steht das ehemalige Café Ecke. Besitzer Manfred Dittmann ist selbst traurig über den Zustand des Hauses. Seine Frau gehörte zu den Miterben des Hauses. Mittlerweile war die Erbengemeinschaft ausgezahlt worden und gab es schon vor der Flut viele Ideen, die sich wieder zerschlagen haben. "Wir sind auch gerade wieder in Verhandlungen, um das Gebäude zu verkaufen. Doch ich bin in der Zwischenzeit sehr zurückhaltend, denn schon mehrfach platzte ein Verkauf im letzten Moment." Die Flutgelder, welche Dittmanns für das Haus am Obermarkt hätten bekommen können, mussten sie sausen lassen. "Unsere Familie war im August 2002 gleich vierfach von der Flut betroffen. Die Metallbaufirma des Sohnes versank in Schweta in den Fluten, mein Wohngrundstück in Westewitz ebenso und das Wohnhaus des Sohnes an der Uferstraße. Für das Haus am Obermarkt fehlten uns dann einfach die Kraft und die Zeit", schildert Manfred Dittmann. Dennoch wünschte er sich manchmal, er wäre noch jünger. "Es ist ein großes Objekt und dieses zu sanieren, ist eine Aufgabe. Doch die Lage ist toll und ich bin sicher, man kann etwas daraus machen. Aber mit 76 kriege ich heute keine Kredite mehr."

Das Bauamt der Stadt ist mit Manfred Dittmann in gutem Kontakt und sagte bereits zu, dass man einem eventuellen Käufer gern beratend zur Seite steht und ihn unterstützen würde. Im Moment liegt das Haus im noch bestehenden Sanierungsgebiet Innenstadt. Da ginge vielleicht noch etwas.

Schwieriger ist die Lage an der Ruine der ehemaligen Zoohandlung in der Marktstraße. "Hier ist trotz unzähliger Kontaktversuche durch unsere Mitarbeiter kein Eigentümer wirklich greifbar, der sich verantwortlich fühlt", sagt Stadtpressesprecher Thomas Mettcher. Laut Grundbuch ist eine Münchner Gesellschaft Eigentümerin der Ruine.

Das Eckhaus an der Schillerstraße, direkt an der Kauflandkreuzung, ist ein weiteres Sorgenkind mit Flutschlamm im Keller. Der insolvente Eigentümer soll es nach Informationen der Stadt nun an den Bauunternehmer Rolf Fischer verkauft haben. Die Stadt hofft nun, dass Fischer, der bereits mehrere Häuser in Döbeln saniert hat, die Immobilie sichert, sobald der Kauf rechtskräftig geworden ist.

Eine Lösung bahnt sich an der Ruine in der Schillerstraße 13 neben der dortigen Tischlerei an. Das herrenlose Grundstück übernahm die Stadt vom Freistaat kostenfrei und lässt es noch dieses Jahr abreißen. Die Fläche soll für Anwohnerparkplätze genutzt werden. "Diese Lösung, dass die Stadt eine Ruine übernimmt, kann aber nur die Ausnahme sein. Verantwortung für ihre Häuser tragen die Eigentümer und nicht die Stadt und damit die Allgemeinheit", so der Stadtpressesprecher.

Die Ruine in der Ritterstraße 2/Staupitzstraße 1 ist eine solche Ausnahme. Sie hatte die Stadt vor zwei Jahren den Eigentümern zum symbolischen Preis abgekauft, nachdem in dem Bereich regelmäßig der Gehweg wegen Baufälligkeit gesperrt werden musste. Heute ist an dieser Stelle eine innerstädtische und leicht zu pflegende Grünanlage entstanden. Die Langzeitruine an der Theaterstraße ist seit kurzem verschwunden. An ihrer Stelle lässt Immobilienunternehmer Wolfgang Müller ein kleines neues Geschäftshaus errichten.

Th. Sparrer

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