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Döbeln: Woher kommt das Blut im Harmonium?

Döbeln: Woher kommt das Blut im Harmonium?

Woher kommt das Blut im alten Harmonium. Hat sich der Instrumentenstimmer bei der letzten Wartung des Instrumentes im Jahre 1910 verletzt? Oder steckt gar eine Kriminalgeschichte dahinter.

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Pianist, Organist, Komponist und Kantor sowie Spezialist für Harmonien - das ist Matthias Müller (l.). Mit Lebensgefährtin Jennifer Arians erweckte er gestern das alte Harmonium im Döbelner Stadtmuseum wieder zum Leben.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Die Landeskirchliche Gemeinschaft in Döbeln schenkte dem Stadtmuseum vor einigen Jahren das nicht mehr bespielbare Instrument. "Jetzt konnten wir in unserem Etat etwas Geld locker machen, um das Harmonium zu restaurieren und zu reparieren", sagt Kathrin Fuchs. Doch das Geld beschaffen war dabei noch das kleinere Problem. Wer repariert fachgerecht ein uraltes Harmonium? Das war die viel entscheidendere Frage. Mit etwas Glück kam der Kontakt zu Matthias Müller aus Haldensleben zu standen. Der junge Mann ist Organist, Kantor und vor allem er ist Spezialist für das Instrument Harmonium. Zu einem ganz besonderen Liebhaberpreis nahm er gestern das Instrument, das etwa um 1890 von der Bornaer Firma Hofberg gebaut wurde, auseinander. Staub, Schmutz und Holzwurmfras machten deutlich, dass das gute Stück Jahrzehnte lang nicht gespielt wurde. Die Reparatur wurde recht aufwendig und auf dem Blasebalggehäuse fand der Instrumentenspezialist schließlich die Blutflecke. Die können nur in das geöffnete Gerät hineingekommen sein. Möglicherweise im Mai 1910 beim Stimmen des Harmoniums durch die Firma Bernhard Perl Harmoniumfabrik Hartha. Davon zeugt ein Aufkleber im Instrument.

Die robusten Instrumente waren Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt. Im Gegensatz zum Klavier, wo mit Tasten die Saiten angeschlagen werden, werden beim Harmonium mit Luft und Metallzungen Töne erzeugt. "Bei dem in Deutschland üblichen Saugwindharmonium wird mit einem Schöpfbalg Luft aus der Windlade gepumpt und dadurch ein Unterdruck erzeugt. Mit den Tasten werden dann Ventile geöffnet, Luft strömt ein und bringt die Zungen zum Schwingen. Deshalb säuseln deutsche Harmonien so", erklärt Matthias Müller. In Frankreich gibt es Druckwindharmonien, die einen Kirchenraum ähnlich wie eine Orgel füllen können", sagt der Spezialist, der schon in der ganzen Welt solche Instrumente gespielt und repariert hat. Ein holländischer Freund und Organist aus Antwerpen steckte ihn mit der Liebe zum Harmonium an und zeigte ihm das Handwerk. Zwischenzeitlich kauft Matthias Müller überall auch Instrumente an, um Ersatzteile zu gewinnen. Und er hat die wahrscheinlich größte europäische Sammlung von Noten für Harmonium. "Sie glauben gar nicht wie viele berühmte Komponisten ihre Werke zuerst fürs Harmonium komponiert haben", erzählt er begeistert und zählt Namen wie Antonin Dvorak, Sigfrid Karg-Elert und Max Reger auf.

Eine Blüte erlebte das Harmonium gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als es als eine Art Heimorgel und Hausinstrument des bürgerlichen Mittelstands und als Ersatz für Pfeifenorgeln in kleineren Kirchen diente. Das Harmonium im Döbelner Stadtmuseum soll bei nächster Gelegenheit in Verbindung mit Ausstellungen wieder gespielt werden.

Thomas Sparrer @ www.matthiasmüller.org

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