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Döbeln nach der Wahl: Wundenlecken am Tag danach

Döbeln nach der Wahl: Wundenlecken am Tag danach

Tag eins nach der Wahl. Mittelsachsen ist so zweigeteilt, wie der Rest des Landes auch. Die mittelsächsische CDU bekommt das Grinsen kaum aus dem Gesicht.

Mittelsachsen. Der Vorstand des FDP-Kreisverbandes Mittelsachsen trifft sich morgen in der Waldheimer Schlossklause zum Wundenlecken. Dieser Termin für die Versammlung wurde allerdings schon einige Zeit vor der Bundestagswahl festgelegt - also ohne das Wissen um das extrem miserable Ergebnis vom Wahlsonntag. "Ich bin tief getroffen vom schlechten Abschneiden der Liberalen auf Bundesebene, so wie alle, die sich aktiv im Wahlkampf engagiert haben", sagte gestern ein niedergeschlagener Bernd Wetzig, Vize-Chef des Döbelner FDP-Ortsverbandes und Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt. Außerdem ist Wetzig schockiert über das vergleichsweise gute Ergebnis der NPD im Wahlkreis Mittelsachsen. "Da kann einem für die Landtagswahl im kommenden Jahr schon Bange werden." Auch den Zuspruch für die AfD (Alternative für Deutschland) auf Bundesebene kann Wetzig, der seit 27 Jahren das liberale Parteibuch in der Tasche hat, nicht nachvollziehen. "Dort gibt es eine Person und ein Thema, das tut schon weh", nimmt der Döbelner Bezug darauf, dass die neue AfD bundesweit etwa genauso viele Stimmen erhalten hat, wie seine etablierte Partei. In Mittelsachsen hat die AfD bei der Zweitstimme die Fünf-Prozent-Hürde locker übersprungen - mit 6,3 Prozent viertstärkste Kraft.

Im Abschneiden der rechtsextremen NPD sieht Henning Homann, Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes, "die realistische Chance, dass die NPD bei den nächsten Landtagswahlen den Wiedereinzug nicht schafft. 3,3 Prozent in Sachsen deuten darauf hin, dass das möglich sein kann. Erste Voraussetzung wäre eine hohe Wahlbeteiligung."

Gedanken, die bei den Christdemokraten von der aktuellen Jubellaune überdeckt werden. In Freiberg und Döbeln war man gestern durchweg begeistert. CDU-Kreisverbandsvorsitzender Christian Rüdiger freute sich über "ein großartiges Ergebnis. Mit Veronika Bellmann und Marco Wanderwitz haben wir zwei Direktkandidaten aus dem Kreisverband der CDU. Was will man mehr." Für die kommenden Tage in Berlin wünscht sich Rüdiger schnell "eine handlungsfähige Regierung ohne Blockadehaltung der möglichen Partner. Es stehen wichtige Aufgaben bevor, die jetzt mit der notwendigen Stärke und Weitsicht angegangen werden müssen", so der CDU-Verbandschef. Der sieht in der Großen Koalition "die beste Konstellation für die kommenden vier Jahre, die nicht einfacher werden."

Landrat Volker Uhlig (CDU) hätte seinerseits nicht mit "einem so klaren Votum für die CDU gerechnet. Freue mich aber natürlich. Mein Glückwunsch gilt Veronika Bellmann, die gezeigt hat, dass sie den richtigen Kurs fährt." Den Landrat freut aber nicht weniger, dass mit Simone Raatz (SPD) eine weitere Stimme in Berlin für Mittelsachsen spricht. "Ein Kreistagsmitglied mit Bundestagsmandat ist für jeden Landkreis eine Bereicherung. Wir haben davon jetzt zwei. Und voraussichtlich zwei mit Regierungsbeteiligung - diese direkte Vertretung in diesem Parlament ist gut für Mittelsachsen", frohlockte Uhlig gestern.

Für die Bundes-FDP gelte es laut Bernd Wetzig jetzt, die Fehler der letzten Jahre genau zu analysieren und neben den bereits gezogenen personellen Konsequenzen möglicherweise noch weitere folgen zu lassen. Er persönlich habe zwar nie etwas gegen den bisherigen Parteichef Philipp Rösler gehabt. Womöglich habe diesem aber eine gewisse Nähe zur Basis gefehlt und auch dessen Herkunft könnte für einige ein Problem gewesen sein. Für einen Neustart der FDP baut Wetzig auf solche Namen wie Lindner, Zastrow oder Kubicki.

Henning Homann empfindet das FDP-Ergebnis als "die logische Quittung für eine schlechte Regierungsarbeit". Räumt aber ein, dass er sich "einen Bundestag ohne liberale Partei in Deutschland nur schwer vorstellen" kann. Die FDP müsse nun schnell aus dem Debakel lernen und einen Neuanfang starten.

Inhaltlich sieht Bernd Wetzig "nicht so viele Defizite" bei der FDP. "Die Früchte der Arbeit der zurückliegenden Jahre, gerade auch auf wirtschaftlichem Gebiet, konnte jetzt allein Angela Merkel ernten." Vielmehr sei schlecht kommuniziert worden, welchen Anteil die FDP an diesen Erfolgen hat. Überhaupt sieht Wetzig im Bereich Kommunikation einen Schwachpunkt bei den Liberalen. Ein weiterer Fehler war seiner Ansicht nach, dass sich die FDP in einigen Punkten nicht stark genug mit liberalen Thesen von anderen Parteien, auch von der Union, abgegrenzt hat.

Wetzig findet es bitter, dass es durch kleine Splitterparteien, wie die AfD oder die Piraten, immer schwieriger wird, der "Stimme der Freiheit" ausreichend Gewicht zu verschaffen. "Hier findet eine gewisse Kannibalisierung statt." Bernd Wetzig will in Zukunft weiter aktiv in der Döbelner FDP mitarbeiten: "Jetzt den Kopf in den Sand stecken, wäre das Falscheste, was wir machen können."

Olaf Büchel, Thomas Lieb

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