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Döbeln plant Anhebung: Besserer Schlüssel, mehr Elternbeiträge

Im Herbst Döbeln plant Anhebung: Besserer Schlüssel, mehr Elternbeiträge

Die Elternbeiträge für Krippenkinder und Kindergartenkinder in Döbeln sollen zum 1. Oktober teurer werden. Die Stadt Döbeln plant eine Anhebung auf 200 Euro im Monat für Krippenkinder und 106 Euro im Kindergarten. Das sind sieben beziehungsweise 14 Euro mehr. Grund ist unter anderem der verbesserte Betreuungsschlüssel im Kindergarten.

Der Evangelische Kindergarten St. Florian (Foto) gehört zu den insgesamt 18 Kindereinrichtungen in Döbeln. Insgesamt gibt es in Döbeln 1861 Kinderbetreuungsplätze, die zu 95 Prozent ausgelastet sind.
 

Quelle: Thomas Sparrer

Döbeln.  Die Elternbeiträge für Krippenkinder und Kindergartenkinder in Döbeln sollen zum 1. Oktober teurer werden. Das hat der Hauptausschuss des Stadtrates am Donnerstag beraten und dem Stadtparlament auf seiner Sitzung am 22. Juni zum Beschluss empfohlen. Betroffen sind 288 Kinderkrippenkinder und 732 Kindergartenkinder, die in den 18 Kindereinrichtungen im Stadtgebiet betreut werden. Deren Eltern müssen für die Betreuung der Krippenkinder bis drei Jahre künftig 200 Euro pro Monat für die Betreuung bezahlen. Das sind sieben Euro mehr. Im Kindergarten steigt der monatliche Beitrag für die neunstündige Betreuung von 92 auf 106, als um gleich 14 Euro im Monat.

„Das ist nicht schön, aber auch nicht vermeidbar“, sagt Birgit Hummitzsch, Amtsleiterin für Schulen, Soziales und Familie im Rathaus. Sie weiß, dass einige Mütter bei Anrufen im Rathaus schon ganz schön schlucken mussten, wenn sie hörten, was die Krippenbetreuung kostet. „Dazu kommt ja nach das Essen- und das Vespergeld“, weiß auch Birgit Hummitzsch. Hintergrund der Preiserhöhung ist das Kindertagesstättengesetz. Das regelt die Finanzierung der Kinderbetreuung in Sachsen. Jährlich berechnen die Gemeinden auf der Grundlage der genauen Betriebs- und Personalkosten vom Vorjahr die Betreuungskosten pro Platz. Die Personalkosten in den Krippen der Stadt sind seit 2005 von 607 000 Euro im Jahr auf aktuell 786 000 Euro gestiegen. Mit den erforderlichen Sachkosten kostete somit 2016 ein Krippenplatz in Döbeln fast 1000 Euro im Monat. Zwischen 20 und 23 Prozent dieser Kosten müssen auf die Eltern umgelegt werden.Den Rest der Kosten trägt zu einem Drittel das Land und den größten Anteil die Stadt. „Der Hauptausschuss empfiehlt dem Stadtrat an der untersten Grenze von 20,0 Prozent zu bleiben“, sagt Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer. Erklärbar ist die Erhöhung ganz sachlich. Mit dem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz müssen mehr Kapazität und mehr Personal vorgehalten werden. Zusätzlich zu den normalen Tariferhöhungen bekamen die Krippenerzieherinnen im vergangenen Jahr einen Zuschlag für ihre Bildungsarbeit.

Bei den Kindergärten in Döbeln stiegen die Personalkosten zwischen 2005 und 2016 von 280 000 Euro auf 414 000 Euro. Zudem wurde der Betreuungsschlüssel vom Gesetzgeber verbessert. Statt bisher 13 Kindergartenkinder pro Erzieher wurde der Schlüssel in zwei Schritten auf eins zu zwölf gesenkt. Das braucht allerdings mehr Personal und erklärt die gestiegenen Personalkosten. Ein Kindergartenplatz kostet somit in Döbeln 526 Euro im Monat. Die Kosten für die Hortbetreuung müssen aktuell nicht angepasst werden. Sie liegen bei 54 Euro im Monat für eine sechsstündige Betreuung pro Tag.

Aktuell gibt es in Döbeln 18 Kindereinrichtungen mit zusammen 1861 Plätzen, davon 353 für Kleinkinder, 789 für Kindergartenkinder und 719 für Grundschüler im Hort. Zehn der Einrichtungen sind städtisch geführt, acht in freier Trägerschaft. Zudem gibt es eine Tagesmutter. Mit 10,3 Millionen Euro sind die Kinderbetreuungskosten im städtischen Haushalt aktuell der größte Ausgabenposten.

Kommentar: Kinderbetreuung bezahlen alle mit

Von Thomas Sparrer

Wer bestell bezahlt. So einfach ist das bei der Kinderbetreuung doch nicht Es war politischer Wille, den Rechtsanspruch auf Krippenbetreuung umzusetzen sowie den Betreuungsschlüssel in Krippe und Kindergarten zu verbessern. Doch dass all das nicht zum Nulltarif zu haben ist, spüren vor allem die Kommunen in der Region, die nun alle ihren Eltern höhere Elternbeiträge verordnen müssen. In den städtischen Haushalten bleibt auch der größte Batzen der Betreuungskosten als kommunaler Anteil hängen. Und es ist jetzt schon abzusehen, dass die ab Oktober geplanten Erhöhungen in Döbeln, Roßwein, Waldheim nicht die letzten sein werden. Denn ab Herbst und im nächsten Jahr wird der Betreuungsschlüssel in den Kinderkrippen von derzeit einer Erzieherin auf sechs Kinder in zwei Schritten auf eins zu fünf gesenkt. Das bedeutet wieder höhere Personalkosten, die sich auf die Kosten pro Platz und somit die Elternbeiträge auswirken.

Doch bei allem Ärger, die jetzt etwa in Döbeln, die Erhöhung der Elternbeiträge um sieben Euro monatlich in der Krippe und 14 Euro im Kindergarten mit sich bringen, muss man gerecht bleiben: Zu behaupten, die Kinder seien unserem Land nichts wert, wäre eine Lüge. Denn wenn der Elternanteil an den Krippenkosten bei 20 Prozent liegt, trägt die Allgemeinheit 80 Prozent als Kostenanteil von Land und Stadt an der Kinderbetreuung. Bei den Kindergärten sind es 70 bis 75 Prozent, die Land und Stadt pro Platz übernehmen. Kinderbetreuung tragen also keineswegs nur die Eltern, sondern sie wird gemeinsam, gesellschaftlich und von allen Steuerzahlern zum größten Teil mitfinanziert.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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