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Döbeln stöhnt unter der Kältewelle

Döbeln stöhnt unter der Kältewelle

Zweistellige Minusgrade über Tage hinweg - das stellt die Versorgungsunternehmen und andere Dienstleister vor besondere Herausforderungen. Erst recht, wenn für Reparaturen ins tief gefrorene Erdreich vorgedrungen werden muss.

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Bei minus 15 Grad und kälter qualmen die Schornsteine über den Döbelner Dächern ordentlich. Das Gegenlicht verstärkt den Eindruck, dass wie vor 30 Jahren mit Kohle und Holz geheizt wird. Dabei vermelden die Stadtwerke einen Rekordabsatz von Gas.

Quelle: W.Sens

Region Döbeln. Am Montag haben die Döbelner Stadtwerke die "Schallmauer" durchbrochen, wie es Geschäftsführer Reinhard Zerge bezeichnet. "Wir haben an einem Tag zum ersten Mal mehr als zwei Millionen Kilowattstunden Erdgas abgesetzt", so Zerge. Das entspricht 200 000 Kubikmeter Erdgas - ein Spitzenwert für die Stadtwerke, der aus Kundenzuwachs und natürlich der großen Kälte resultiert.

Die zum Teil extrem niedrigen Temperaturen haben jedoch auch ihre Kehrseite, wie etliche Anwohner der Oschatzer Straße in Döbeln am zurückliegenden Wochenende zu spüren bekamen. Ein Niederspannungskabel war defekt, die Folge Strom- und damit auch Heizungsausfall in einigen Häusern. Die Fehlersuche und -behebung wurde durch den knochenharten Boden erschwert. "Bei notwendigen Schachtarbeiten sind die ersten 40 bis 50 Zentimeter wie Beton", so Reinhard Zerge. Das betreffende Kabel sei sehr alt, die Isolation beschädigt. Feuchtigkeit konnte eindringen. Und obwohl solche Defekte laut Zerge eigentlich bei Tauwetter auftreten, war es diesmal andersherum. "Das war eine absolute Ausnahme. Sobald es das Wetter zulässt, wird der Kabelabschnitt erneuert. Das sieht der diesjährige Investitionsplan ohnehin vor", sagt der Stadtwerkechef.

Was die Gas- und Wärmeversorgung betrifft, betreiben die Stadtwerke wegen der Kälte einen erhöhten Aufwand, um eventuelle Probleme früh zu erkennen. So kontrollieren Mitarbeiter jetzt häufiger die Stationen und die entsprechenden Messeinrichtungen. Auch nachts sind dafür Bereitschaftsdienste eingeteilt. Zerge: "Das sind prophylaktische Kontrollen, um bei Veränderungen möglichst schnell eingreifen zu können." Die Wärme- und Gasversorgung laufe aber trotz der erheblichen Minusgrade stabil. Die Leitungen sind laut Zerge fast alle neu gemacht und gut isoliert. "Die Zeiten, dass immer mal was einfriert, sind vorbei." Dass, wie zum Beispiel in Salzburg, ganze Stadtteile von der Wärmeversorgung abgeschnitten sind, weil Heizkessel der Kraftwerke der Dauerbelastung nicht standhalten, schließt Zerge für Döbeln aus. Die Kessel der Blockheizkraftwerke seien für solche Spitzenlasten ausgelegt. Sollte doch einmal eine Einheit ausfallen, würden andere weiterarbeiten. Zerge: "Alles auf einmal fällt nicht aus."

Klassische Rohrschäden an Hauptwasserleitungen halten sich noch in Grenzen. Auch hier wird wohl erst bei Tauwetter die Defekthexe zuschlagen, schätzt Markus Biegel, Bereichsleiter Trinkwasser bei der Oewa, ein. Häufiger gefordert ist der Bereitschaftsdienst des Versorgungsunternehmens aber bereits bei Frostschäden an Hausanschlüssen und Wasserzählern. "Die Temperaturen in Kellern sollten kontrolliert werden, ab einem Grad wird's brenzlig. Generell gilt es, bei diesen Temperaturen die Kellerfenster geschlossen zu halten und freiliegende Leitungen zu isolieren", gibt Biegel einige Tipps. Wer im Anschlussraum eine Heizung hat, sollte diese nutzen.

Wenn es doch an größeren Leitungen zu Schäden kommt, wird der Frost zum Problem. Der Reparaturaufwand sei deutlich größer. Wegen des harten Bodens müsse man mit schwerer Technik anrücken. Und für die Monteure, die mit dem kalten Wasser in Berührung kommen, seien die Minusgrade besonders unangenehm. Es passiert auch, so wie jetzt im Raum Waldheim-Hartha, dass Wasser von einem Rohrbruch auf die Fahrbahn läuft, gefriert und die Straße deshalb gesperrt werden muss.

Die Bestattung Verstorbener gestaltet sich bei der aktuellen Bodenbeschaffenheit ebenfalls kompliziert. "Die Erde ist bis zu 60 Zentimeter tief gefroren. Wenn es geht, versuchen wir die Urnenbeisetzungen zu verschieben. Wenn es fest eingeplant ist, wird es natürlich möglich gemacht", so Gerlinde Beuchold vom Döbelner Krematorium. Auf dem Döbelner Niederfriedhof war in den vergangenen Tagen weder eine Erd- noch eine Urnenbestattung angemeldet. "Zum Glück", sagt Friedhofsverwalter Siegfried Roßberg. Denn eine Erdbestattung müsse innerhalb von acht Tagen erfolgen, lasse sich also nicht lange hinausschieben. Roßberg habe auch schon Bestattungen bei 80 Zentimeter tiefem Bodenfrost erlebt. "Zur Not muss man beim Grab ausheben mit dem Boschhammer 'ran." Olaf Büchel

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