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Döbelner Autohäuser: Kunden tasten sich an Elektro-Autos heran

Noch kein Boom Döbelner Autohäuser: Kunden tasten sich an Elektro-Autos heran

Die Kaufprämie für Elektroautos und Hybridfahrzeuge kann seit dem 2. Juli offiziell beantragt werden. Einen großen Kundenansturm können die Döbelner Autohäuser aber noch nicht verzeichnen. Die sind nach den gegebenen Möglichkeiten zwar gerüstet. Doch potenzielle Käufer sind nach wie vor zurückhaltend. Das hat mehrere Gründe.

Viele Toyota-Modelle gibt es als Hybrid, eines als Plug-In-Hybrid.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Die Kaufprämie für Elektroautos und Hybridfahrzeuge kann seit dem 2. Juli offiziell beantragt werden. Einen großen Kundenansturm können die Döbelner Autohäuser aber noch nicht verzeichnen. Diese sind nach den gegebenen Möglichkeiten zwar gerüstet. Doch potenzielle Käufer sind nach wie vor zurückhaltend. Das hat mehrere Gründe.

Wer sich für ein reines E-Auto entscheidet, für den gibt es 4000 Euro Prämie, in die sich Staat und Hersteller teilen. Den Umweltbonus von 3000 Euro gibt es für so genannte Plug-In-Hybridfahrzeuge, also Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor. „Plug in“ bedeutet, dass auch diese Autos über eine Steckdose verfügen müssen, damit sie von einer externen Stromquelle aus geladen werden können.

Das BMW-Autohaus Kühne in Döbeln-Großbauchlitz hatte schon in der Vergangenheit ein E-Auto in der Vorführwagenflotte, der in der Region für Aufmerksamkeit sorgte. Dabei halte es sich um einen BMW i3. „Dieses Auto haben wir noch vor Einführung der Prämie verkauft. Doch wir werden einen neuen beschaffen. Interessenten fragen danach und jetzt, wo der Erhalt der Prämie realistisch ist, möchten wir gern wieder ein E-Auto präsentieren“, sagt Geschäftsführer Lutz Kühne. Ob der mögliche Zuschuss dann auch wirklich steigende Zulassungszahlen bewirkt, wie es bei der ehemals stark nachgefragten Abwrackprämie der Fall war, vermag Kühne jetzt nicht vorherzusagen. „Ob es einen Schub gibt und wie hoch der sein wird, weiß keiner genau“, sagt der Autohauschef. Zurzeit sieht es jedenfalls nicht danach aus. Am Montag waren beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gerade mal 266 Anträge eingegangen, wie Wirtschaftswoche online am Dienstag berichtete. „Die zum Elektro-Auto passende In-frastruktur wünschen sich die Kunden natürlich auch“, spricht Lutz Kühne ein Problem an. Öffentlich verfügbare Schnellladestationen gibt es in Döbeln und Umgebung nicht, zumindest ist darüber nichts bekannt.

Auch im Autohaus Krumbiegel in Döbeln-Ost rennen die Leute wegen der Kaufprämie nicht die Türen ein. Dabei steht gleich hinter diesen Türen einer dieser schicken Wagen, für die es den 4000-Euro-Bonus gibt: ein Nissan Leaf mit einer Batteriekapazität von 30 Kilowattstunden und einer Leistung von 109 PS. „Der Zuschuss dafür beträgt sogar 5000 Euro. Denn Nissan und wir legen zusammen noch mal 1000 Euro drauf“, erklärt Juniorchef Jan Krumbiegel. Dieser schätzt ein, dass die Bereitschaft der Kunden, sich mit dem Thema Elektro-Mobilität zu befassen, generell gestiegen ist. „Sie hören sich jetzt eher an, welche Möglichkeiten es gibt und auch für eine Testfahrt interessieren sich jetzt mehr“, berichtet Jan Krumbiegel. Eine Bestellung oder ein Kauf eines E-Autos im Zusammenhang mit der Prämie ist jedoch noch nicht zustande gekommen. Auf die Frage, ob daran auch ein vergleichsweise hoher Fahrzeugpreis schuld sein könnte, den die Prämie oft nicht komplett kompensieren kann, antwortet Jan Kumbiegel abwägend. „Jeder muss dass für sich mit allen Faktoren durchrechnen. Dabei fließt mit ein, dass der Betrieb und die Unterhaltung des Elektro-Autos günstiger sein wird. Das gilt zum Beispiel fürs Tanken und Motoröl wird auch nicht mehr benötigt.“ Hinzu kommt, das umweltfreundlichere Autos steuerbegünstigt sind. Worüber sich laut Krumbiegel die Kunden vermutlich mehr Gedanken machen, ist die Reichweite der E-Autos. Beim Nissan Leaf liegt sie bei etwa 250 Kilometern. An Schnellladestationen kann die Batterie in nur einer halben Stunde auf 80 Prozent geladen werden. Doch wo gibt es hier solche Säulen? Vom Fahrgefühl ist Jan Krumbiegel auf jeden Fall begeistert: „Das Auto ist total leise. Da dreht man sogar gern mal das Radion zurück. Und der Anzug ist auch spitze.“

Bei Toyota nebenan gibt es die staatliche Prämie lediglich für ein Modell: den Prius Plug In. Dabei sind die Japaner in Sachen „normalem“ Hybrid Vorreiter. Schon seit vielen Jahren bauen und verkaufen sie Fahrzeuge erfolgreich, bei denen Verbrennungsmotoren mit Elektromotoren und Akkumulatoren kombiniert werden, was die Effizienz verbessert und den fossilen Kraftstoffverbrauch verringert. „In Berlin fahren tausende Toyota-Taxis mit dieser Technik“, weiß Autohauschef Michael Wilde. Nur weil diese Hybride keine Steckdose zum externen Laden haben, profitieren sie nicht vom staatlichen Zuschuss in Deutschland. Toyota hat darauf reagiert. „Die Käufer erhalten trotzdem den 3000-Euro-Bonus. Das übernehmen der Hersteller und wir“, erklärt Wilde. Dieser lädt auch gleich zu einer Probefahrt ein, um den ruhigen Lauf und die Sparsamkeit eines Yaris Hybrid zu demonstrieren, der bei einer Systemleistung von 100 PS mit einem Verbrauch um die 3,5 Liter Benzin angegeben ist. „Auf der Autobahn ist es etwas mehr und man muss seine Fahrweise auf dieses Auto einstellen. Aber unsere Kunden sind sehr zufrieden“, berichtet Michael Wilde.

Im VW-Autohaus Döbeln können E-Autos als Neuwagen nicht gekauft und gewartet werden, weil der Betrieb nach Auskunft von Mitarbeitern kein E-Stützpunkt ist. Diese Stützpunkte, die unter anderem über Strom-Zapfsäulen und spezielle Hebebühnen verfügten, gebe es in größeren Städten wie Leipzig oder Dresden. „Wir werden vielleicht später einmal so ein Stützpunkt sein“, sagt die Frau am Serviceschalter.

Von Olaf Büchel

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