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Döbelner Bauhof legt Biber-Freigehege in Großbauchlitz trocken

Damm-Beseitigung Döbelner Bauhof legt Biber-Freigehege in Großbauchlitz trocken

In Großbauchlitz hatte Familie Biber einen schönen großen Teich angelegt. Aber die Mühe der fleißigen Nager war umsonst. Die Stadt Döbeln zog den Stöpsel und legte den Teich trocken. Begründung: Das Wasser des Stausees könnte in den Abwasserkanal laufen, der den Bibersee unterquert.

Im ehemaligen Biberrevier an der Zschepplitzer Straße hatten die Tiere bereits viele Bäume gefällt.

Quelle: Sven Bartsch/Montage: Sven Bartsch

Döbeln. Der Damm ist weg. Das größte Biber-Freigehege der Region ist mittlerweile teilweise trockengelegt. Nur ein paar Holzhaufen und viel Schlamm erinnern an den riesigen Teich neben der Zschepplitzer Straße in Döbeln-Großbauchlitz. Mitarbeiter des Döbelner Bauhofes haben in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt und in Absprache mit dem Biberbeauftragten Siegfried Reimer, den Hauptdamm im Gärtitzbach geöffnet.

Die Biber-Familie hatte das seit 1989 ungenutzte ehemalige Gärtnereigelände als Biotop für sich entdeckt und mit einigen Bauwerken den Gärtitzbach ordentlich angestaut. „Mittlerweile stand das gesamte Gelände unter Wasser. Es war das benachbarte Feld betroffen und auch eine dort verlaufende Abwasserleitung war unserer Meinung nach bedroht. Denn Bachwasser sollte nicht durch den dortigen Schroten zur Kläranlage laufen“, sagt Jürgen Aurich, Leiter des Baubetriebsamtes Döbeln. Deshalb habe man handeln müssen.

Wasserbaumeister mit Konfliktpotenzial

Seit seiner Wiederansiedlung Ende der 80-er Jahre und vor allem nach der Jahrhundertflut 2002 bringt der Biber mit seinen Aktivitäten wieder Dynamik und Leben in und an die kleineren Flüsse und Bäche im Altkreis Döbeln zurück. Über mehr als hundert Jahre hatte der Mensch diese Dynamik oft völlig unterbunden. Durch das Stauen von Gewässern, Offenhalten der Vegetation und seine aktive Totholzförderung schafft der Biber ein Mosaik von neuen Strukturen und Lebensräumen, von denen auch andere, zum Teil seltene Tier- und Pflanzenarten profitieren. Der Biber wurde bis in die 1930er Jahre in der Region fast ausgerottet. Der Mensch verfolgte das Tier insbesondere wegen seines dichten Fells und wegen der angeblich heilenden Wirkung des Castoreums oder Bibergeils, einem nach Moschus riechenden Drüsensekret zur Reviermarkierung.

So ökologisch wertvoll, wie die Bibervorkommen sind, so haben sie in der heutigen Kulturlandschaft auch Schattenseiten wie untergrabene Straßen und Äcker, verstopfte Drainagen oder angenagte Bäume entlang von Wegen. Einiges, lässt sich durch vorsorgliche Maßnahmen wie Schutzzäune oder Drahthosen aus Maschendraht oder Schutzanstriche an Bäumen schützen.

Eigentlich sind Eingriffe in die Stauwerke der großen pelzigen Nagetiere tabu. Wer sich daran zu schaffen macht, dem droht eine Strafe. So regelt es das Bundesnaturschutzgesetz, denn Biber sind streng geschützt. Die Stadt Döbeln greift aber nicht das erste Mal mit dem Segen der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises in das Biber-Biotop ein. Im jetzt geöffneten Hauptdamm hatten die Bauhofleute zuvor sogar mit Rohren künstliche Abflüsse geschaffen, damit sich das Wasser nicht allzu hoch staut. „Doch die Biber sind schlau. Sie finden Lösungen und sie passen sich der Situation an“, sagt Siegfried Reimer. Seit 30 Jahren verfolgt der 78-Jährige, wie sich die seit den 30-er Jahren fast ausgerotteten Biber wieder im Altkreis Döbeln ausbreiten. Als Biberbeauftragter für den Altkreis Döbeln kennt er die faszinierenden Tiere genau. Dass jetzt der etwa 30 Meter lange Damm auf dem Gärtnereigelände in Großbauchlitz beseitigt wurde, damit kann der Naturschützer leben. Der Bach fließt wieder weitgehend in seinem Bett. Die Komplettwässerung des Geländes und des Feldes daneben ist beendet. Die Biber haben weiter oberhalb in Richtung des Bahndurchlasses einen weiteren Damm gebaut, an dem sich das Wasser staut“, weiß Siegfried Reimer. Auch hinter dem Autohaus Kühne gibt es noch eine riesige Biberburg.

Es handele sich um Familien mit bis zu acht Bibern. Sie erwarten auch in diesem Frühjahr Nachwuchs, schätzt Siegfried Reimer ein. Er rechnet damit, dass die zweijährigen Jungtiere nach dem Eingriff ins Gelände in Großbauchlitz jetzt weggeschickt werden, um sich neue Reviere zu suchen. Die Altbiber werden sich beim Nachwuchs jetzt möglicherweise etwas zurückhalten. Die Anpassungsfähigkeit der Tiere hält Reimer für bemerkenswert. Er plädiert beim Bibermanagement dafür, dass zwischen Mensch und Tier, so wie jetzt in Großbauchlitz, ein Kompromiss gefunden wird, indem jeder etwas abgeben muss. Dazu zählt er auch, dass sich Grundstücksbesitzer notfalls mit Drahtzäunen oder so genannten Drahtbaumhosen vor den baumfällenden Nagern schützen.

Bei der Jahrhundertflut 2002 waren viele Biber und ihre Jungtiere gestorben. Seitdem sorgt der Arterhaltungstrieb der Biber für mehr Nachwuchs und deutlich größere Populationen, die seither auch verstärkt Reviere an kleineren Flüsse und Bäche suchen.

Kommentar: Stadt Döbeln hat Biotop zerstört

Egal, wie man es sich zurecht redet: Die Stadt Döbeln hat in Großbauchlitz ein Biotop zerstört. Fast jedem, der etwas für die Natur übrig hat, lachte das Herz beim Anblick des Teiches an der Zschepplitzer Straße. Eine recht große Wasserfläche hatte sich aufgetan, darin Bäume, die die Biber gefällt hatten. Direkt neben der Straße gelegen, war der See eine kleine Sehenswürdigkeit für Naturfreunde. Da solche Biberteiche auch Lebensraum für andere Tiere und Pflanzen sind, hätte sich in Großbauchlitz ein Zuhause für Frösche, bestimmte Schlangenarten und Eisvögel entwickeln können – um nur einige Tiere zu nennen. Bei dem Anblick nach den Damm-Abriss könnte jedem, der für die Natur etwas übrig hat, das Herz brechen. Die Vernichtung des Biotops ist jammerschade. Jetzt sind andere Behörden, als das Landratsamt gefragt, die Naturzerstörung zu untersuchen und zu prüfen, ob sie wirklich notwendig war.

Es wäre wirklich wünschenswert, wenn sich die Einschätzung bewahrheiten würde, dass die Biber als anpassungsfähige Tiere andere Stellen am Bach finden, wo sie ihre Bautätigkeit fortsetzen können, ohne in Konflikte mit menschlichen Interessen zu geraten. Dirk Wurzel

Von Thomas Sparrer

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